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FC Bayern

17.05.2019

Ob Niko Kovac seinen Job behält, ist unklar

Meister als Spieler und Trainer mit dem FC Bayern – das gelang vor Niko Kovac nur Franz Beckenbauer. Für den Titel braucht es mindestens einen Punkt gegen Eintracht Frankfurt.
Bild: Witters

Niko Kovac führt die im November abgeschlagenen Münchner wohl zum Titel. Das ändert nichts daran, dass seine Weiterbeschäftigung noch unsicher ist.

Das immerhin hat Niko Kovac schon mal geschafft. Keiner seiner Spieler hat sich öffentlich beschwert, dass der Trainer die Mannschaft mit seinen Ideen überfrachtet. Hoffenheims Stürmer Andrej Kramaric warf seinem Chef Julian Nagelsmann unlängst vor, zu oft zu herb in das Spielgeschehen einzugreifen. „Wir wechseln zu oft das System während des Spiels. Wir sind nicht bereit dafür. Wir sind keine Roboter, sondern Menschen.“ Kovac hat seine Spieler mit all ihren Stärken und Schwächen immer als Menschen akzeptiert. Dass er das Spielsystem einfach mal während der Partie gewechselt hätte, ist nicht überliefert. Eine geistige Überforderung hat kein Bayern-Spieler in dieser Saison beklagt. Dafür über allerhand anderes. Meist ging es darum, dass sie nicht so oft spielten, wie sie es denn ihrer Meinung nach verdient hätten. Interessanterweise weihten sie gerne Journalisten in ihre Gedankengänge ein, weshalb Kovac vor allem im Herbst des vergangenen Jahres nach der Zeitungslektüre gut über das seelische Wohlbefinden seiner Spieler Bescheid wusste.

Die Mannschaft nahm ihn nicht ernst. Im Sportlersprech: Es hatte die Kabine verloren. Weil er dazu auch noch ein paar Spiele zu viel in der Bundesliga verlor, schien sich die Amtszeit des 47-Jährigen im vergangenen November bereits wieder dem Ende entgegenzuneigen. Neun Punkte Rückstand in der Liga wiesen die Münchner damals auf Borussia Dortmund auf.

Dass die Bayern vor dem letzten Spieltag nun zwei Zähler Vorsprung haben, zählt zu den Eigentümlichkeiten dieser Saison. Mindestens aber genauso verblüffend ist, dass Kovac trotz dieser famosen Aufholjagd nicht automatisch von einer Weiterbeschäftigung in der nächsten Spielzeit ausgehen kann.

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Auf Rückendeckung seiner Vorgesetzten kann Kovac nicht bauen

Weder Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge noch Sportdirektor Hasan Salihamidzic gaben Kovac eine Garantie, nächste Saison immer noch die Mannschaft instruieren zu dürfen. Wobei sich Salihamidzic in München in hierarchischen Gefilden aufhält, in denen er eher das Sagen über das Navi des Mannschaftsbusses hat, denn über das Führungspersonal. Am Freitag berichtete nun das Internetportal Spox, dass der Abgang des Trainers bereits beschlossene Sache sei. Rummenigge reagierte sofort. „Einen solchen Beschluss gibt es nicht. Diese Meldung ist eine totale Ente“, richtete er über die Bild aus. Es wäre die Möglichkeit gewesen, Kovac das Vertrauen für eine weitere Saison auszusprechen. Rummenigge verzichtete darauf.

Kovac zeichnet aus, dass er auf all diese Nebengeräusche stoisch reagiert. Keine Beschwerde, nur Arbeit. Vor dem entscheidenden Spiel um die Meisterschaft am Samstag vermied er zarte Spitzen gegen seine Bosse, die durch ihre Aussagen die spannungsgeladene Situation nicht eben beruhigten. „Es ist ein schönes Gefühl“, überraschte Kovac in der Pressekonferenz vor dem Duell gegen die Frankfurter. Schließlich habe es seine Mannschaft in der Hand, sich den ersten von zwei möglichen Titeln zu sichern. „Nach der Vorrunde hatten wir uns gewünscht, dass wir am letzten Spieltag noch eine Chance haben“, so Kovac. Nun benötigen die Bayern nicht einmal mehr fremde Hilfe. Andernorts würde ein Trainer mit der Bilanz des Kroaten gefeiert. Seit jenem unruhigen November haben die Münchner nur zwei Spiele verloren, gegen Liverpool und Leverkusen. Viel besser geht es nicht.

Kovac aber hat sich auch selbst in die Situation gebracht, kritisch beäugt zu werden. Den von ihm bevorzugten Fußball zeichnet größtmöglicher Pragmatismus aus. Hauptsache Erfolg, es muss nicht schön sein. „Wir sind hier, um Titel zu gewinnen.“ Wer aber nun diesen Ansatz wählt, muss sich auch daran messen lassen. Kein Titel, Ziel verpasst. Dass es auch anders geht, zeigt die jüngere Vereinsgeschichte. Vor zehn Jahren wurde Louis van Gaal eine Mannschaft zur Verfügung gestellt, deren Zusammensetzung eher fragwürdig war. Neben Mario Gomez und Arjen Robben holten die Bayern Edson Braafheid und Danijel Pranjic. Es war nicht schon immer alles Glamour an der Säbener Straße. Van Gaal funktionierte Bastian Schweinsteiger zum defensiven Mittelfeldspieler um, beorderte die Jugendspieler Thomas Müller und Holger Badstuber in die Startelf, etablierte erstmals ein vernünftiges Positionsspiel. Mit Franck Ribéry kam der Trainer nicht klar, fand aber Wege, ihn in die Mannschaft einzubinden. Pep Guardiola bestritt später ein Pokalendspiel mit Pierre-Emile Höjbjerg im Mittelfeld. Zeitweise spielten Rafinha und David Alaba in der Innenverteidigung. Philipp Lahm entwickelte sich zum Strategen im Mittelfeld.

Kovac wählte den pragmatischen Ansatz - und muss sich daran messen lassen

Kovac bekam Leon Goretzka und Serge Gnabry, deutsche Nationalspieler. Für den ebenso sensiblen wie hochveranlagten James fand er keine Verwendung. Gleiches gilt für Renato Sanches – ein Schicksal, das Kovac freilich mit seinen Vorgängern teilt. Neue Ideen auf dem Feld: nicht sichtbar. Das kann gut gehen, wie die Ära Hitzfeld zeigt. Führt das Motto „Hinten sicher stehen und vorne klappt es schon irgendwie“ aber zu keinem Titel, steht der Trainer in der Kritik. Wer den pragmatischen Ansatz wählt, muss sich daran messen lassen.

Als entlastendes Argument für spielerische Schwerfälligkeit lässt sich natürlich die Ausgangslage ins Feld führen. Kovac war als Moderationsexperte gefragt. Musste die alternden Ribéry und Robben bei Laune halten. Mats Hummels und Jérôme Boateng steht der Zenit ihrer Karriere zumindest nicht mehr bevor. Die Bayern haben reagiert, verpflichteten bereits Benjamin Pavard und Lucas Hernández für die kommende Saison. Ob sie dann von Kovac trainiert werden? Oft sind es die einfachen Fragen, auf die es keine fundierten Antworten gibt.

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