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FC Bayern

02.07.2019

Passiert da noch was? Bayerns undurchsichtige Kaderplanung

Hasan Salihamidzic war als Spieler unter anderem für seine Cleverness bekannt. Als Sportdirektor konnte er bislang mit dieser Eigenschaft noch nicht allzu oft punkten.
Bild: Matthias Merz (dpa)

Die Münchner sind in diesem Transfersommer überraschend zurückhaltend. Dadurch gerät Sportdirektor Hasan Salihamidzic zunehmend unter Druck.

Wenn der erste Stein gefallen ist, fällt auch der nächste und übernächste und so weiter und so fort. Domino lehrt viel fürs Leben. Ein kleiner Schubser kann große Auswirkungen haben. Das gilt in besonderem Maße für die alljährlichen Transferspielereien. Die großen Klubs stoßen mit ihren Megatransfers die Kettenreaktion an, ein Spieler nach dem anderen wechselt. Am Anfang die großen Stars zu den Glitzer-Klubs und am Ende bedienen sich die sparsameren Vereine auf den Wühltischen des Transfermarktes. Schnäppchen nicht ausgeschlossen, fehlerhafte C-Ware ebenso wenig.

Die Einkäufer des FC Bayern sind es seit Jahrzehnten gewohnt, sich in den Luxus-Abteilungen zu bedienen: Arjen Robben, Xabi Alonso, Robert Lewandowski, Javi Martinez. Dazu noch einheimische Spezialbegabte wie Manuel Neuer oder Jérôme Boateng. So entfernten sich die Münchner immer weiter vom Liga-Mittelstand, der nach bajuwarischem Selbstverständnis auf Platz zwei anfängt. Wenn sich auch nicht die Sinnhaftigkeit jedes Transfers jedem erschloss (Jan Kirchhoff, Serdar Tasci und Sebastian Rudy seien nur stellvertretend genannt) – ließ sich doch immer eine Strategie in der Einkaufspolitik erkennen. Wenn schon nicht die eigene Mannschaft qualitativ gestärkt wird, kann doch zumindest die Konkurrenz geschwächt werden (Mario Götze als prominentestes Beispiel).

In diesem Sommer jedoch wirken die Bayern konzeptlos. Gibt es einen Plan? Wie schaut er aus? Und, wenn ja: Wann wird mit der Umsetzung begonnen? Präsident Uli Hoeneß hatte im Frühjahr gesagt, dass schon einige Neuzugänge sicher seien, von denen die Öffentlichkeit noch nichts wisse. Sollte es wirklich so sein, ist den Münchnern das Kunststück gelungen, die Transfers bislang geheim zu halten. Das wiederum gilt seit Jahrzehnten nicht als Münchner Spezialität.

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Noch ist Bayerns Sportdirektor Salihamidzic nichts vorzuwerfen

Je weiter die bis zum 2. September laufende Transferfrist voranschreitet, desto mehr gerät Hasan Salihamidzic unter Druck. Der Sportdirektor wird von Hoeneß vor allem für seinen Fleiß gelobt. Meistens aber vermittelt der 42-Jährige aber den Eindruck, als spiele er lediglich den Sportdirektor. Stanzt Sätze in die Öffentlichkeit, die so oder so ähnlich schon oft gehört waren und versteckt erfolgreich jedes Aufflackern strategischer Visionen.

Bisher allerdings ist Salihamidzic bis auf diese weichen Faktoren nichts vorzuwerfen. Seit er im Sommer 2017 seinen Posten beim FC Bayern antrat, gewann der Klub zwei Mal die Meisterschaft und ein Mal den Pokal. Nun aber steht er vor seiner ersten Aufgabe, die den Verein auf Jahre hinweg prägen dürfte. Die Münchner befinden sich immer noch im Umbruch. Die Abgänge von Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm kompensierte der Dauermeister genauso reibungsarm wie jene von Xabi Alonso oder Arturo Vidal. Allerdings müssen jetzt mit Arjen Robben, Franck Ribéry, James Rodriguez, Mats Hummels und Rafinha gleich fünf Routiniers ersetzt werden. Verpflichtet aber haben die Bayern den 19-jährigen Jann-Fiete Arp aus Hamburg, sowie den mit dem VfB Stuttgart abgestiegenen Benjamin Pavard und den am Knie verletzten Lucas Hernandez. Spötter sagen, stattdessen hätte auch Holger Badstuber zurückgeholt werden können. Der hat auch ramponierte Knie und ist abgestiegen.

Allein mit diesen Neuzugängen aber dürfte die achte Meisterschaft in Folge nicht gelingen. Zumal ja auch Jérôme Boateng nahegelegt wurde, sich einen neuen Verein zu suchen. Niko Kovac hat dem Kicker gesagt, er hoffe auf vier weitere Neuzugänge. Kurz darauf verpflichteten die Bayern Sarpreet Singh, einen neuseeländischen Nationalspieler – allerdings eingeplant für das Drittligateam.

Kommt Sané zum FC Bayern? Oder Hudson-Odoi? Oder: niemand?

Hinterlegt ist das Interesse der Münchner an Leroy Sané von Manchester City und Chelseas Callum Hudson-Odoi. Machten die Bayern früher ihre Avancen öffentlich, war mit einem Vertragsabschluss zu rechnen. Mittlerweile ist nicht sicher, dass die Bayern auch nur ernsthafte Chancen haben, einen der beiden zu bekommen. Das offenbart das derzeitige Problem der Münchner. Topstars wie Antoine Griezmann beschäftigen sich nicht einmal kurz mit einem Wechsel dorthin. Der Klub hat seit dem Weggang von Pep Guardiola an Strahlkraft verloren. Fußballprofis handeln meist streng dem Diktat des Geldes folgend. Sind die Angebote zweier Vereine vergleichbar, sind Trainer und Verein gefragt, den Spieler zu überzeugen. Kovac gelang es in der vergangenen Saison auf sensationelle Weise, eine wankende Bayern-Mannschaft zu stabilisieren. Welche Art Fußball er aber bevorzugt und wie er gedenkt, in den kommenden Jahren die Münchner wieder zurück in Europas Spitze zu führen, hat er noch nicht beantwortet.

Als Entwicklungsbeschleuniger für Hochveranlagte hat sich der FC Bayern zuletzt auch nicht gezeigt. Talente bevorzugen den Weg nach Dortmund oder Leipzig, wo sie sich sicher sein können, zum Einsatz zu kommen. Dann aber bleiben Spieler wie Timo Werner übrig. Spieler, von denen die Münchner nicht vollkommen überzeugt sind, die sie dann aber möglicherweise doch kaufen. Verlegenheitskäufe in Millionenhöhe. Eine Situation, in der die Münchner letztmals vor elf Jahren waren. Unter Jürgen Klinsmann kamen unter anderem Tim Borowski, Massimo Oddo und Julio dos Santos an die Säbener Straße. In manchem Spiel fielen die Bayern um wie Dominosteine. Die Münchner haben daraus ihre Lehren gezogen. Vielleicht müssen sie aufgefrischt werden.

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