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Madrids Karim Benzema (Mitte) geht an Münchens Torwart Sven Ulreich vorbei und erzielt das Tor zum 2:1.

Foto: Enrique de la Fuente/Shot for pr/gtres, dpa

Der Bayern-Torwart am Boden.

Champions League
02.05.2018

Pechvogel Ulreich: Der unglücklichste Augenblick seiner Karriere

Von Tilmann Mehl

Durch einen folgenschweren Patzer wurde Sven Ulreich zur tragischen Figur beim Champions-League-Aus in Madrid. Einen Vorwurf machen will ihm aber niemand.

In einem orkanartigen Getöse ganz bei sich selbst zu sein, den Lärm auszublenden, ist eine Fähigkeit, die vielen Spitzentorhütern zu eigen ist. Auch Sven Ulreich beherrscht sie. Für einige Momente gehörte ihm eine ganze Spielfeldhälfte, die Spieler Reals jubelten ebenso auf der anderen Seite, wie dort die restlichen Münchner trauerten. Ulreich aber saß wenige Meter von seinem Tor entfernt. Diesem Tor, in dem er den unglücklichsten Augenblick seiner Karriere erlitten hatte.

Jupp Heynckes: Sven Ulreich hatte "einfach einen Blackout"

Gerade einmal 22 Sekunden waren in der zweiten Halbzeit gespielt, als Corentin Tolisso einen Rückpass zu seinem Torwart spielte. Keinen besonders guten, aber einen, der problemlos zu klären gewesen wäre. Dann folgte, was Trainer Jupp Heynckes so beschrieb: "Er hat einfach einen Blackout gehabt. Er wollte den Ball mit den Händen aufnehmen und hat dann gemerkt, das geht ja gar nicht. Dann ist er konfus geworden." Wird ein Stürmer konfus, vergibt er vielleicht eine Chance, ein Torwart verschuldet einen Treffer. Berufsrisiko.

Hätte er doch in seiner Konfusion die Hände zur Hilfe genommen. Er hätte nicht einmal eine Gelbe Karte dafür bekommen dürfen. Freistoß für Real, lustiges Pannenvideo, fertig. So aber rutschte er am Ball vorbei, Karim Benzema schob zum 2:1 für Real ein und die Bayern scheiterten letztlich.

Ulreich wollte nach seinem Patzer nichts sagen

Selbstverständlich wollte niemand danach Ulreich einen Vorwurf machen. Das wird der Keeper schon selber machen. Sagen wollte er an diesem Abend aber nichts mehr.

"Es tut mir leid... für mein Team und für euch Fans", schrieb der 29-Jährige dann einen Tag später auf Instagram. "Wir wollten unbedingt ins Finale und wir haben unser Bestes gegeben und dann passiert mir dieser unnötige Fehler. Ich kann es mir nicht erklären."

 

In der Person von Ulreich zeigte der Fußball mal wieder zu welch grausamen Pointenreichtum er fähig ist. Vor wenigen Tagen noch wurde der Torwart als möglicher WM-Fahrer gehandelt. Er war eine der positiven Überraschungen der Bayern in dieser Saison. Nach der Verletzung von Manuel Neuer steigerte sich Ulreich immer weiter, hielt nicht nur gut, sondern spielte auch immer besser mit. Bis zu jenem unglücklichen Moment kurz nach der Pause.

Es ist die Szene, die das Halbfinale geprägt hat. Die Szene, die aus Ulreichs Vertretung für Neuer hängenbleiben wird. Denn bald wird der 29-Jährige auf die Bank zurückkehren. Neuer steht kurz vor seinem Comeback und würde wohl noch gerne die ein oder andere Partie spielen, ehe die Vorbereitung der Nationalmannschaft startet.

Nach dem Ausscheiden der Münchner stehen nun nur noch zwei unwichtige Liga-Partien und das DFB-Pokalfinale an, ehe die Saison beendet ist. Dann beginnt die Sommerpause. Eine Woche zu früh für Ulreich. Kein Champions-League-Finale. Er wird nicht mit zur WM fahren. Er hat viel Zeit. Zeit, die man ihm nicht wünscht.

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