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FC Bayern

08.05.2015

Was Guardiola anzulasten ist - und was nicht

Alle Schweinwerfer auf Guardiola. Der Trainer des FC Bayern wird derzeit von allen Seiten beleuchtet: Es wird kritisiert und genörgelt. Manchmal schadenfroh, mitunter beleidigt. Dabei wird der Coach der Münchner entmystifiziert - was der Sache möglicherweise guttut.
Bild: Peter Kneffel (dpa)

Die Ursachen für die Pleite in Barcelona werden auch bei Pep Guardiola gesucht. Der ist für vieles verantwortlich - aber bei Weitem nicht für alles.

Das 0:3 in seiner alten Heimat ist für Pep Guardiola der bittersten Niederlagen seiner Karriere. Nicht nur, weil damit das Aus im Halbfinale der Champions League so gut wie besiegelt ist. Sondern auch, weil sein Wirken immer kritischer gesehen wird. Weil das überlebensgroße Bild, das von ihm gezeichnet wurde immer mehr Risse bekommt.

Es ist ein Bild, für dessen Gestaltung er zumindest mitverantwortlich ist. So ließ er sich beispielsweise in seinem ersten Jahr beim FC Bayern vom Journalisten Martí Perarnau begleiten, der anschließend das Buch "Herr Guardiola" veröffentlichte. Darin wird der Coch als Bessesener beschrieben. Als Arbeitstier und genialer Taktiker. Einer, der sich die Eingaben des Fußballgottes herbeidenkt.

Guardiola ist ein famoser Taktiker. Daran ändert auch das abermalige Ausscheiden im Halbfinale nichts. Der Fußball der Münchner ist weitestgehend von bestaunenswerter Schönheit. Die Qualität hat sich im Vergleich zur Triple-Saison unter Jupp Heynckes nochmals erhöht. Was sich aber nicht in Titeln widerspiegelt.

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Das liegt an Pech, Fügung - und eben auch an Guardiola. Die Champions League 2013 gewannen die Münchner ja auch deshalb, weil Heynckes im Halbfinale alle seine Stützen einsetzen konnte, bei Barca aber Lionel Messi ausfiel.

Das Pech, auf Messi zu treffen

2015 ist Messi in Hochform. Dazu kamen seit dem Aus vor zwei Jahren noch Neymar und Suarez. Bei den Bayern hingegen fehlten Robben, Ribéry, Badstuber und Alaba. Mit Javi Martinez ist zudem jener Mann noch nicht wieder ganz fit, der im Finale 2013 bester Mann auf dem Platz war. Schweinsteiger und Lahm sind nach ihren Verletzungen noch nicht auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit.

Mit dem Personal, das Guardiola gegen Barcelona zur Verfügung hatte, hat er wohl das meiste richtig gemacht. Sein Plan, mit einer Dreierkette gegen Messi und Co. zu verteidigen war mutig und richtig, klappte aber nicht. Also stellte er auf eine Viererkette um. Das klappte besser - allerdings kassierte man damit drei Tore. Guardiola kann allerdings nichts dafür, dass es Bernat bei den beiden ersten Toren an der notwendigen Handlungsschnelligkeit fehlte und Jerome Boateng gegen den Arschwackler Messis als einziges Mittel die bedingungslose Kapitulation einfiel.

Mit der Mannschaft, die ihm zur Verfügung stand, hat Guardiola viel richtig gemacht.

Warum aber steht Guardiola lediglich eine Rumpftruppe seines Luxuskaders zur Verfügung? Ist es Zufall, dass sich die Bayern im zweiten Jahr nacheinander in der entscheidenden Saisonphase nicht in Top-Form befinden?

Im vergangenen Jahr erklärte Guardiola die Bundesliga nach dem vorzeitigen Gewinn der deutschen Meisterschaft für beendet. Die Folge war ein Druckabfall. Niederlagen gegen Augsburg und Dortmund  - und schließlich das desaströse 0:4 gegen Real Madrid. Im wichtigsten Spiel der Saison waren die Münchner nicht auf der Höhe.

Warum sind so viele Spieler verletzt?

Gleiches gilt dieses Jahr. Wenn auch aus anderen Gründen. Es mangelt schlicht an fittem Personal. Guardiola ist dafür bekannt, dass er verletzte Spieler schnellstmöglich nach der Reha wieder in die Mannschaft einbauen will. Das hat bei Barcelona jahrelang gut funktioniert. In München aber häufen sich die Verletzungen. Mit Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist der angesehen Club-Arzt wegen Differenzen mit der sportlichen Leitung zurückgetreten. Es kann Zufall sein, dass beim FC Bayern viele Leistungsträger verletzt ausfallen. Es kann an der medizinischen Betreuung liegen. Es kann an der Verletzungsanfälligkeit liegen. Ganz frei machen von dem Vorwurf, zumindest mitverantwortlich dafür zu sein, kann sich Guardiola nicht. Bei Real Madrid fallen mit Luka Modric und Karim Benzema zwei Stars aus, beim FC Barcelona kein einziger. In Spanien ist die Belastung aufgrund der 20 Mannschaften starken Liga aber größer als in Deutschland.

Guardiola ist möglicherweise der beste Trainer der Welt, wenn er seine Spieler in Top-Verfassung zur Verfügung hat. Dann entpuppen sich seine taktischen Winkelzüge als scharfe Waffen. Ein Trainer ist aber eben auch dazu da, seine Spieler in Top-Verfassung zu bringen. Das hat Guardiola während seiner Amtszeit in München in den wichtigen Saisonphasen nicht geschafft. 

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