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FC Bayern
22.12.2018

Ist der FC Bayern mehr als ein normales Unternehmen?

Patron und Präsident: Uli Hoeneß hat großen Einfluss auf die Geschicke des FC Bayern. Zu großen, sagen die Kritiker.
Foto: Witters (Archiv)

Uli Hoeneß ist Präsident und Aufsichtsrat der Münchner. Kritik daran lassen die Bayern nicht gelten – weil sich der Klub nicht als normales Unternehmen sieht.

Ein normaler Verein ist der FC Bayern schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich war er es auch nie. Wer über den Verein FC Bayern spricht, meint die Fußball-Abteilung. Meint Ribéry und Robben, Rummenigge und Hoeneß. Seit 2001 nun aber sind die Bayern auch gar kein Verein mehr, zumindest die Profis. Sie spielen für die FC Bayern München AG. Die neue Rechtsform war notwendig geworden, um sich Investoren zu öffnen. Um die Allianz-Arena zu finanzieren. Schlicht: Um bereit zu sein für die Herausforderungen des Profi-Fußballs, die das anfangende Jahrtausend mit sich brachte.

Kein anderer Klub in Deutschland hat diese Herausforderungen so gut gemeistert wie die Bayern. Sie sind schuldenfrei, der Umsatz steigt von Jahr zu Jahr – zuletzt lag er bei 657 Millionen Euro. Gesundes Wirtschaften und Titel-Hamsterei – viel vorzuhalten ist den Münchnern nicht. Ausgenommen einiger schwer erträglicher Äußerungen. Manch einer stößt sich freilich auch daran, dass ein verurteilter Straftäter zu einem erheblichen Teil die Geschicke des Vereins führt. Da halten es die Bayern kreuzkatholisch mit dem biblischen Johannes und lassen von all jenen Steine werfen, die ohne Sünde sind. Getroffen hat noch keiner.

So ignorieren die Münchner auch die Vorwürfe von Peter H. Dehnen. Der ist Vorstandsvorsitzender der in Fußballerkreisen recht unbekannten Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD). Dehnen sieht die FC Bayern München AG „von den Grundsätzen guter Unternehmensführung (...) derzeit weit entfernt“, sagte er gegenüber der Welt am Sonntag. Im Mittelpunkt seiner Kritik: Uli Hoeneß. Dass dieser als Präsident des Vereins zugleich Chef des AG-Aufsichtsrates ist, entspreche nicht „dem rechtlichen und faktischen Ordnungsrahmen für die Leitung eines Unternehmens“. Sprich: Ämterfilz.

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Nun ist es so, dass der tatsächliche Verein FC Bayern aber Hauptaktionär der AG ist. Er hält 75 Prozent der Aktien. Verständlich, dass er auch in den Gremien der Aktiengesellschaft vertreten sein will. Wie beispielsweise dem Aufsichtsrat. Der gilt gemeinhin als recht zahnlos, muss aber Transfers genehmigen, die ein Volumen von 25 Millionen Euro – samt Gehalt – übersteigen, und kontrolliert zumindest laut Organigramm den Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge. Um aber den Vorstand kontrollieren zu können, fehle es an „Unabhängigkeit und Distanz“, kritisiert Dehnen.

Tatsächlich finden sich im neunköpfigen Aufsichtsrat der Münchner neben Hoeneß auch noch der Vizepräsident des e.V., Prof. Dr. Dieter Mayer, sowie Vertreter der Allianz, der Deutschen Telekom, VW und der UniCredit Bank – allesamt Sponsoren oder Anteilseigner. Dazu gesellt sich auch noch mit Herbert Hainer der ehemalige Adidas-Chef. Der Sportartikelhersteller hält 8,33 Prozent an der Aktiengesellschaft der Bayern. Unabhängig? Distanz?

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Die Münchner sehen darin kein Problem. Sie verstehen sich auch nicht als normales Unternehmen. Bei allen Bemühungen um Internationalisierung und Marketing sind Hoeneß und Rummenigge ja tatsächlich immer noch um ein familiäres Umfeld bemüht. Millionendeals? Klar. Aber auch Fanklubbesuche im Allgäu. Im Zweifelsfall mehr Lederhose als Laptop. Ein Fußballklub lässt sich nicht mit einem privatwirtschaftlichen Unternehmen vergleichen. Glauben die Bayern. Wer einmal in die Familie aufgenommen wurde, wird nicht einfach wieder ausgestoßen. Der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler wurde genauso wenig aus dem Aufsichtsrat verbannt wie Ex-VW-Boss Martin Winterkorn. Die Diesel-Affäre und ihre unliebsamen Folgen samt eines Haftbefehls in den USA (Winterkorn) und eine (mittlerweile beendete) Untersuchungshaft in Deutschland (Stadler) sorgten nicht für eine vorzeitige Trennung. Erst als am vergangenen Montag der Aufsichtsrat turnusmäßig für vier Jahre neu gewählt wurde, schieden die beiden aus freien Stücken aus. Man hält zusammen.

An die Spitze des Gremiums ließ sich wieder Uli Hoeneß wählen. Somit scheint klar, dass er noch vier Jahre gestalterisch eingreift bei seinem Verein. Dabei hatte er zuletzt angedeutet, dass er sich auch einen schnelleren Abschied vorstellen kann. Und weil nun noch der Vertrag mit Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bis zum 31. Dezember 2021 verlängert wurde, dauert es noch ein wenig mit dem Umbruch auf der Führungsetage. Vielleicht ist der FC Bayern dann eben doch ein ganz normaler Verein.

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