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FC Bayern
12.12.2021

Joshua Kimmich über Impfskepsis: "Das schlechte Gewissen ist auf jeden Fall da"

Joshua Kimmich wird im Jahr 2021 keine Partie mehr bestreiten. Im kommenden Jahr aber soll er wieder fit sein.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Joshua Kimmich blickt ernüchtert auf seine Impfskepsis zurück. Mit seinen Aussagen macht er aus einem guten Wochenende ein sehr gutes für den FC Bayern.

Kein Zusammenkommen mehr, ohne dass die Gespräche nicht doch zwangsläufig bei diesem vermaledeiten Virus landen würden. Freunde, die sich berichten, wer schon infiziert gewesen sei. Arbeitskolleginnen, die sich über den Impfstatus der Vorgesetzten austauschen. Aus geselligen Runden sind bundesweit Corona-Stammtische entwachsen. Der Fußball bildet – wie so oft – keine Ausnahme. Das überlagernde Thema der vergangenen Wochen war ja nicht etwa die Chancenlosigkeit der Bayern-Konkurrenten in Anbetracht der wirtschaftlichen und spielerischen Übermacht der Münchner. Für wenige Tage diskutierte das Land über ein paar fragwürdige Pfiffe eines Schiedsrichters mit noch fragwürdigerer Vergangenheit. Ansonsten aber: Warum ist Joshua Kimmich nicht geimpft? Wie lange ist er nun schon in Quarantäne und wie lange muss er da noch bleiben? Wie schlimm ist seine Lungeninfiltration und warum mag er denn nicht endlich einsehen, dass eine Impfung das Risiko einer Erkrankung massiv verringert hätte?

Die Anteilnahme an Wohl und Wehe eines 26-jährigen Fußballprofis war auch deshalb so groß, weil sich Kimmich zuvor als reflektierter und sozial engagierter Bürger präsentiert hatte – und damit dem stereotypen Rollenbild dieser Branche auf angenehme Weise entgegenstand. Auch deswegen war die aus Münchner Sicht bedeutendste Nachricht des Wochenendes nicht etwa der mühevolle 2:1-Sieg gegen den FSV Mainz 05, sondern die Aussage Kimmichs, sich nun doch impfen lassen zu wollen. In der am Sonntag ausgestrahlten ZDF-"Sportreportage" bedauerte er, sich nicht früher dazu entschlossen zu haben. "Generell war es für mich einfach schwierig, mit meinen Ängsten und Bedenken umzugehen, deshalb war ich auch so lange unentschlossen", so Kimmich.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach nimmt Joshua Kimmich in Schutz

"Rückblickend gesehen" hätte er die Entscheidung des Impfens gerne früher getroffen. Hinter ihm liegen intensive Wochen. "Generell war es natürlich eine sehr, sehr schwierige Zeit für mich", sagte Kimmich, der seit über einem Monat nicht mehr spielen konnte. "Das schlechte Gewissen ist auf jeden Fall da. Also in erster Linie natürlich meiner Familie gegenüber, die sich viel anhören mussten, aber natürlich auch meinen Mitspielern gegenüber." Nun bekam er Lob von Gesundheitsminister Karl Lauterbach. "Die Entscheidung für die Impfung von Joshua Kimmich verdient Respekt", schrieb der SPD-Politiker bei Twitter. "Er war nie ein Querdenker und hat nur zu lange gezögert."

Im ZDF gab der 26-Jährige schwarz gekleidet auf einem Esszimmerstuhl in einem Wohnraum Einblicke in seine vielfältigen Gedanken. Kimmichs Augen waren gerötet, er sah mitgenommen aus – was nach den jüngsten Aussagen von Trainer Julian Nagelsmann nicht überraschend war. „Das geht an keinem Menschen spurlos vorbei“, sagte der Coach. Kimmich werde "stark zurückkommen", versicherte Nagelsmann. Das wird aber noch einige Wochen dauern, weil Kimmich trotz milden Verlaufs noch Probleme mit der Lunge hat. Wenn er zu früh intensiv trainiere, bestehe die Gefahr, "dass das dann aufs Herz geht und dass man dann längere Folgen davon trägt", sagte Kimmich.

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In der Rückrunde, die für die Bayern am 7. Januar gegen Mönchengladbach beginnt, will und kann er nach Ärzteeinschätzung wieder angreifen. Wann er sich impfen lässt, ist noch offen. Er habe sogar schon einen Impftermin gehabt, verriet Kimmich. "Leider kam mir dann die Erkrankung zuvor."

Die Nachricht, dass sich Kimmich nun doch piksen lassen will, sorgte bei Nachrichtenagenturen und Online-Medien für Eilmeldungen und zeigte abermals die hohe, möglicherweise zu hohe, Bedeutung, die der Profifußball genießt. Letztlich hat bei einem 26-Jährigen ein Umdenkprozess stattgefunden. Im gesamtgesellschaftlichen Kontext sollte das hoffentlich so oft vorkommen, dass es keiner Eilmeldung bedarf.

Der FC Bayern vergrößert seinen Vorsprung an der Tabellenspitze

Allerdings werden ja auch immer noch die Meisterschaften des FC Bayern mit Laufbändern über die Bildschirme geschickt, wie wohl doch die Nachricht an sich kaum überraschend ist – und auch in dieser Saison wohl keine Abwechslung erfährt. Zwar hatten die Bayern beim Erfolg gegen Mainz mehr Mühe, als sie es sich erhofft hatten, am Ende aber bauten sie ihren Vorsprung an der Tabellenspitze dank des Dortmunder Remis in Bochum auf sechs Zähler aus. Die abschließenden beiden Partien gegen Stuttgart und Wolfsburg sind auch nicht dazu angetan, ernsthaft an einen Einbruch zu glauben.

Die Münchner lieferten gegen die Mainzer den Beweis ab, auch dann Partien für sich entscheiden zu können, wenn sie spielerisch und körperlich etwas vom Optimalzustand entfernt agieren. Nach den Partien gegen Dortmund und Barcelona schlich sich am Samstag Lethargie ins Spiel. Mainz nutzte diese durch ein wunderbar von Jonathan Burkardt aufgelegtes Tor – Karim Onisiwo köpfte ein (22.). Nach der Pause aber fand die Elf von Julian Nagelsmann zurück zu jenem druckvollen Belagerungsfußball, der die Liga seit Jahren im Kampf um den Titel eher fad erscheinen lässt. Kingsley Coman verwandelte schnell nach der Pause nach einem wunderbaren Pass von Corentin Tolisso (53.) und Jamal Musiala deutete mit einem zum Sieg reichenden trockenen Abschluss seine Bedeutung im Ensemble an (74.).

Jamal Musiala schießt FC Bayern zum Sieg

Er sei "nicht erstaunt" über die Abgeklärtheit des 18-Jährigen, sagte Nagelsmann, der "Bambi-Schutz" für den Youngster sei "irgendwann weg, irgendwann wächst du aus dem Talent-Status raus, dann geht es um Verlässlichkeit". Die habe er gezeigt. Weil Nagelsmann zudem auch noch bestätigte, dass sich nun auch der 18-jährige Musiala habe impfen lassen, darf das Wochenende aus Sicht des FC Bayern als rundum gelungen gelten. "Ich freue mich, dass er geimpft ist und wir damit in der Rückrunde hoffentlich keine Probleme mehr haben werden", sagte der Coach und betonte: "Das wünsche ich mir auch für die gesamte Gesellschaft." Das wäre dann tatsächlich mal eine Eilmeldung wert.

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