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Lewandowskis stummer Schrei nach Liebe beim FC Bayern

Kommentar Von Tilmann Mehl
23.05.2022

Dass Robert Lewandowski den FC Bayern verlassen will, hat keinesfalls etwas mit Geld zu tun. Wahrscheinlich sehnt er sich nur nach menschlicher Wärme.

Düstere Zeiten waren das, als der Fußball noch nicht erfunden war. Die Menschen blieben unter sich, versammelten sich möglicherweise um ein gemeinsames Lagerfeuer, nicht aber vor einer Großbildleinwand mit Mitgliedern anderer Stämme. Man blieb unter sich. Fortschrittloses Schmoren im eigenen Saft.

Video: SID

Als der Sport erwuchs und florierte, entwickelte sich die Menschheit in ungeahnter Geschwindigkeit. Abseitsfalle und Flugtaxi sind nur einen zeithistorischen Wimpernschlag voneinander entfernt. Der Fußball öffnete auch den Horizont der Spieler. Vorwiegend in den 80er- und 90er-Jahren kamen sie massenweise auf die Idee, sich zum Erlernen einer neuen Sprache einen Arbeitgeber im Ausland zu suchen. Offensichtlich ist italienisch eine recht attraktive Sprache und weil die Entlohnung mit Lire das Heimweh etwas kompensieren konnte, spielten die besten (und kulturell interessiertesten) Fußballer in Mailand und Turin.

Wertschätzung scheint beim FC Bayern Mangelware zu sein

Die Zeiten haben sich geändert. Handys statt Erasmus. Die Weiten des Internets sorgen für beengtes Denken. Spieler wollen keine Sprachen mehr lernen, sondern sehnen sich in erkalteten Zeiten nach ein wenig menschlicher Wärme. Sie nennen es "Wertschätzung". Vor allem beim FC Bayern scheint sie Mangelware zu sein. So konnten die Münchner schon nicht genug davon aufbringen, um Niklas Süle von einem Verbleib zu überzeugen. Robert Lewandowski zieht es wohl nach Barcelona, wo sie seinen Wert viel besser einzuschätzen wissen. In München habe man sich erdreistet, Erling Haaland den Hof zu machen, berichtete Lewandowskis Berater empört. Unverschämtheit. Die Beziehung zwischen Verein und Starstürmer ist seit jeher auf Exklusivität aufgebaut. Du sollst keinen anderen Stürmer haben, lautet ein ehernes Gesetz.

Die Flirts der vergangenen Jahre von Lewandowski mit Real Madrid waren dementsprechend nur verzweifelte Schreie nach Liebe. Nun endlich scheint er einen Verein gefunden zu haben, der ihn wertschätzt. Und eine neue Sprache könnte er noch dazu lernen.

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