Ob Fußball die schönste Nebensache der Welt ist, oder gar der schönste Hauptzweck des Lebens, soll jeder und jede für sich selbst entscheiden. Zu oft wird vergessen, dass es sich – ob Haupt- oder Nebensache – um ein Spiel handelt. Eine Tätigkeit also, die durch Raum, Regeln und Zeit vom Alltag abgegrenzt ist. Ein Spiel wird um seiner selbst willen gespielt. Die Lust zu gewinnen und die Angst zu verlieren, nehmen oft eine große Rolle im Spiel ein. Am bezauberndsten ist es, wenn das Spiel sich selbst genug ist. Wenn es Selbstzweck ist. So wie am Dienstagabend in Paris.
Keine Mannschaft wollte verlieren. Viel größer angelegt war aber der Wille, zu gewinnen. Das Ziel eines Fußballspiels lässt sich auf verschiedene Weise erreichen. Am Ende aber steht das Vorhaben, ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Viele Teams versuchen, weniger Tore zu kassieren als ihre Gegner. Das ursprüngliche Ziel ist es aber, den Ball ins Tor zu schießen. Je häufiger das gelingt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das Spiel zu gewinnen.
Luis Enrique und Vincent Kompany haben sich mit ihren Mannschaften des Spielziels erinnert und verfolgen es in beeindruckender Kompromisslosigkeit. Aus fußballerischer Sicht gibt es keinen schwierigeren Weg, erfolgreich zu sein. Angriff und Verteidigung liegen ähnliche individual- und gruppentaktische Prinzipien zugrunde. Überzahl schaffen, den Gegner zu Fehlern verleiten, schnelles Umschalten. Im Angriff aber gesellt sich der Ball als limitierender Faktor dazu. Weil das runde Ding mit den klobigen Füßen nur schwer zu kontrollieren ist, verzichten viele Teams auf den Versuch.
Paris St. Germain und der FC Bayern können nur deswegen so Fußball spielen, wie sie Fußball spielen, weil sie über etliche musen-geküsste Spieler verfügen. Diese Voraussetzung ist allerdings auch bei anderen Klubs gegeben. Die meisten aber verfahren nach der (häufig genug zum Ziel führenden) Theorie, wonach das Spiel schon mal nicht verloren werden kann, wenn man kein Tor kassiert.
So wird Fußball zur schönsten Sache der Welt
Kompany und Enrique haben ihre Teams nicht etwa entfesselt. Sie wollten sie auch gewiss nicht in einen offenen Schlagabtausch schicken. Die beiden Trainer sind keine Hasardeure. Sie sind gewiefte Taktiker, die das ursprüngliche Ziel des Spiels in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gerückt haben. Unter dieser Voraussetzung sind Abende wie jener am Dienstag möglich. Dann ist Fußball die schönste Sache der Welt.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren