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FC Thun: Das steckt hinter der Sensations-Meisterschaft des Aufsteigers

Fußball

Ein Schweizer Fußball-Märchen: Der FC Thun ist als Aufsteiger Meister geworden

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    Wer braucht schon einen Rathausbalkon: Die Spieler und Trainer des FC Thun stehen auf dem Brunnen und feiern mit ihren Fans die Meisterschaft.
    Wer braucht schon einen Rathausbalkon: Die Spieler und Trainer des FC Thun stehen auf dem Brunnen und feiern mit ihren Fans die Meisterschaft. Foto: Alessandro Della Valle, dpa/Keystone

    In der Schweiz hat sich einer der wohl größten Fußball-Märchen ereignet: Seit dem Sonntagabend ist der FC Thun, der als Aufsteiger und als Klub mit den geringsten Marktwerten der ersten Liga gestartet ist, ganz offiziell Meister. Auch den Titelgewinn feierten Fans und Spieler auf ungewöhnliche Weise: Am Sonntagnachmittag versammelten sie sich im Stadion des Klubs, um das Spiel zwischen dem Verfolger FC St. Gallen und dem FC Sion zu verfolgen. Thun hatte zuvor den Matchball gegen den FC Basel vergeigt und mit 1:3 verloren. Weil St. Gallen mit 0:3 verlor, war die Sensation perfekt. Ein Titelgewinn auf der sprichwörtlichen Couch also – eigentlich nur die zweitbeste Variante. In Thun schien auch das perfekt zu der verrückten Saison zu passen, in der alles zu klappen schien. Zusammen mit den Anhängern feierten die Spieler eine Party, die später in der Innenstadt weiterging. Für Thun ist es der erste große Titel der Vereinsgeschichte – und eine Sensation, mit der niemand gerechnet hätte. Diese startete allerdings mit einem großen sportlichen Schock.

    Denn im Sommer 2020 verabschiedete sich der Verein, der im Vorjahr noch im Pokalfinale stand und seinen ersten Titel nur knapp verpasst hatte, überraschend aus der ersten Schweizer Liga. In der Relegation reichte ein 4:3-Sieg gegen Vaduz nach der 0:2-Niederlage im Hinspiel nicht aus. Ausgerechnet während der Corona-Pandemie musste der finanziell ohnehin schlingernde Klub nun eine Liga tiefer starten. Fünf Jahre lange mühte sich der Klub in der unteren Liga ab, verpasste mal in der Relegation denkbar knapp den Wiederaufstieg. Im Sommer 2025 war es so weit: Trainer Mauro Lustrinelli, der schon als aktiver Stürmer den Verein 2006 in die Champions League und damit zum bis dato größten Erfolg seiner Historie geschossen hatte, hatte aus dem Klub einen Aufsteiger geformt. Und das ohne das ganz große Geld, sondern mit einer Mischung aus bei anderen Klubs gescheiterten Profis und Talenten. Dass Lustrinelli, der im Sommer 2022 seinen Dienst in Thun antrat, zuvor U21-Nationalcoach der Eidgenossen war, dürfte bei diesem Anforderungsprofil nicht hinderlich gewesen sein. Die Verantwortlichen schenkten ihm das Vertrauen, auch wenn sein Team zweimal den Aufstieg verpasst hatte.

    Ein Investor rettete den FC Thun vor zwei Jahren vor der Pleite

    Aber auch auf Investorenseite hatte sich während der Neustrukturierung einiges getan: Im April 2024 stieg IT-Unternehmer Beat Fahrni ein, steckte vier Millionen Franken (etwa 4,36 Millionen Euro) in den Klub und löste so die größten Sorgen des Klubs, bei dem fünf Jahre zuvor die chinesische Pacific Media Group nur auf wenig Gegenliebe im Verein gestoßen war. Fahrni verhinderte den Konkurs des Klubs, der sich vor zwei Jahren noch in enormer finanzieller Schieflage befand, und sorgte für die nötige Ruhe im Umfeld des Vereins. Neben Fahrni stieß noch ein weiterer Investor hinzu, der zusätzliche 2,5 Millionen Franken (etwa 2,7 Millionen Euro) in die Vereinskasse brachte. Das Besondere daran: Die Identität des Geldgebers ist geheim – bekannt ist nur, dass es sich dabei um einen Unternehmer aus der Region, dem Berner Oberland, handeln soll.

    Große Sprünge sind mit dem Geld nicht möglich, weswegen der FC Thun vor der Saison nur als Ziel ausgab, sich möglichst weit weg von den Abstiegszonen aufhalten zu wollen. Das hat bekanntermaßen mehr als gut geklappt: Der Aufsteiger war von Beginn an im Spitzenfeld der Liga zu finden, schoss die mit Abstand meisten Tore aller Schweizer Erstligaklubs.

    Der FC Thun spielt weiterhin wie ein Außenseiter - und gewinnt die Spiele einfach

    Die Spielweise ist im Grunde die eines Außenseiters: schnelles Umschalten, lange Bälle, aggressives Pressing. Viele Tore fallen durch Standards, die vom in der Schweiz schon als ewigen Talent verschrienen Leonardo Bertone getreten werden. Die anderen Spieler passen perfekt zu diesem Spielstil. Das ist effektiv, aber nicht zwingend schön anzusehen. Nur etwa 40 Prozent Ballbesitz hat der Klub im Schnitt, was untypisch ist für einen Verein in den oberen Tabellenregionen. In dieser sollte sich der FC Thun aber eigentlich nie aufhalten, wenn man den Kader mit den von Topteams wie Basel oder Bern vergleicht. Anfang Juli hatte der FC Thun einen Kaderwert von 7,8 Millionen Euro – den niedrigsten aller Klubs in der Super League. Die Young Boys aus Bern (78,2 Millionen) und der langjährige Serienmeister und Titelverteidiger FC Basel (68,8 Mio.) verfügten über einen zehnmal höheren Wert.

    Mittlerweile hat Thun diesbezüglich ordentlich zugelegt – und sehr wahrscheinlich wird die Mannschaft in dieser Form nicht zusammenbleiben. An Talenten wie Franz-Ethan Meichtry sollen schon Bundesligisten wie Hoffenheim dran sein. Das mag nicht romantisch sein, gehört aber zum Geschäft. Die große Geschichte hat Thun in jedem Fall geschrieben.

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