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Fußball: Land unter an der Weser: Wie Werder Bremen immer tiefer in die Krise rutscht

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Land unter an der Weser: Wie Werder Bremen immer tiefer in die Krise rutscht

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    Schwere Tage unter der Werder-Raute: Clemens Fritz, Geschäftsführer Profifußball bei Werder, befindet sich aktuell auf Trainersuche und steht selbst in der Kritik.
    Schwere Tage unter der Werder-Raute: Clemens Fritz, Geschäftsführer Profifußball bei Werder, befindet sich aktuell auf Trainersuche und steht selbst in der Kritik. Foto: Carmen Jaspersen, dpa

    Am Sonntag war Max Kruse zu Gast im „Doppelpass“ von Sport1. Das hat gut gepasst, weil sich die Diskussion zu großen Teilen auch um Werder Bremen drehte, wo kurz zuvor Horst Steffen seinen Job als Trainer verloren hatte. Es läuft nicht für den vierfachen deutschen Meister, der seit zehn Spielen auf einen Sieg wartet. Kruse wiederum gilt als intimer Kenner von Werder Bremen, für das er gleich zweimal gespielt hat. Und ja, natürlich war auch die Kaderplanung der Norddeutschen ein Thema. Vor der aktuellen Saison etwa setzte man große Hoffnungen auf Victor Boniface, der vom Vizemeister Bayer Leverkusen ausgeliehen wurde.

    Der Transfer war eine Wette, weil es über den Gesundheitszustand des Nigerianers im Vorfeld eher beunruhigende Kunde gab. Beim AC Milan, der zuvor Interesse an Boniface hatte, war der Angreifer glatt durch den Medizincheck gefallen. Mittlerweile ist klar: Boniface wird in dieser Saison keine tragende Rolle bei Werder übernehmen, das mutmaßlich letzte von elf Ligaspielen (null Tore, zwei Vorlagen) hat er Mitte Dezember bestritten, seither fällt er mit einem Knorpelschaden aus.

    Spieler, die woanders nicht durch den Medizincheck gekommen sind, sind bei Werder durch den Medizincheck gekommen.“

    Max Kruse, Ehemaliger Spieler SV Werder Bremen

    Kruse kommentierte das mit einem Lächeln: „Es ist seit vielen Jahren so: Spieler, die woanders nicht durch den Medizincheck gekommen sind, sind bei Werder durch den Medizincheck gekommen.“ Kruse, der als Pokerspieler durchaus erfolgreich ist und insofern an riskante Wetten gewöhnt ist, meinte das wahrscheinlich nicht mal als Kritik und fügte hinzu: „Es hat ja auch meistens funktioniert. Die Negativbeispiele sind die, die einem auffallen.“

    Die Werder-Familie richtet es schon - das galt lange

    Tatsächlich gibt es in letzter Zeit viele Beispiele, wonach der spezielle Werder-Weg nicht funktioniert hat. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Bremer mit cleverem Scouting und einem familiären Umfeld der Konkurrenz immer wieder ein Schnippchen schlugen. Werder, das hieß und heißt: Ehemalige Spieler besetzen die Posten innerhalb des Vereins und idealerweise auch noch auf der Trainerbank. Die Werder-Familie richtet es. Mit diesem Modell wurde der Klub 2004 Double-Sieger, gewann im Sommer 2009 mit dem DFB-Pokal den bis dato letzten Titel. Es waren bessere Zeiten.

    Die sollte im Sommer 2023 der ehemalige Liverpool-Spieler Naby Keita zurückbringen. Der Star war als Transfercoup gefeiert worden, fiel aber nahezu die komplette Zeit verletzt aus oder war suspendiert und gilt seither als Sinnbild der verfehlten und chaotischen Kaderplanung. Am Ende stand er nur in fünf Bundesligaspielen auf dem Platz. Seit Mitte Januar ist das Missverständnis endgültig aufgelöst, Keita wechselte fest zu Ferencvaros Budapest, wo er zuvor auf Leihbasis gespielt hatte.

    Ein peinlicher Fauxpas über Leihspieler lässt die Kritik an Fritz lauter werden

    Auch das Thema Leihspieler ist bei Werder Bremen in diesen Tagen ein besonderes. Mitte Januar wurde bekannt, dass Geschäftsführer Clemens Fritz davon ausgegangen war, keine weiteren Leihspieler verpflichten zu dürfen, weil schon sechs Leihprofis im Bremer Kader stehen. Das Portal transfermarkt.de wies Fritz darauf hin, dass dies so nicht richtig sei, erlaubt sind jeweils sechs Leih-Deals aus dem In- und Ausland. Das ist insofern auch alarmierend, als Leihgeschäfte für die finanziell angeschlagenen Bremer ausgewiesener Teil der Transferstrategie sind. Fritz bestätigte den peinlichen Vorgang und sprach von einem kommunikativen Missverständnis, für das er die Verantwortung übernehme. Fritz, der als Ex-Spieler die Geschäfte von Ex-Werder-Spieler Frank Baumann übernahm, steht seither immer mehr in der Kritik.

    Konsequenzen der sportlichen Talfahrt musste aber erst einmal nicht Fritz, sondern Trainer Horst Steffen übernehmen. Als Fritz im „Doppelpass“ die Gründe für das Aus des ehemaligen Elversberg-Coaches erklärte, sah er sich selbst schnell der Kritik der Experten-Runde ausgesetzt. TV-Kommentator Christian Straßburger etwa sagte: „Ich höre gut zu und habe noch nichts gehört, was gegen Horst Steffen gesprochen hat.“

    Felix Magath bringt sich als Werder-Trainer ins Gespräch

    Ob sich mit dem neuen Trainer, der laut Fritz ausdrücklich keine interne Lösung werden soll, wirklich etwas ändert, ist fraglich. Der Kader wirkt wenig homogen und durchdacht, aktuell trennt den Klub noch ein Punkt und ein Platz vom Relegationsrang. Die Zeiten, in denen die Bremer Kasse gut gefüllt war, sind ohnehin längst vorbei. Als die DFL neulich die Finanzkennzahlen veröffentlichte, war Werder einer der wenigen Erstligaklubs mit roten Zahlen. Immerhin: Als Trainer hat sich zuletzt via RTL Felix Magath angeboten. Ob Fritz wirklich an den 72-Jährigen denkt, der bei Viktoria Aschaffenburg eigentlich als Sportvorstand fungiert, ist unbekannt. Eines scheint aber klar: Einen Spieler zu verpflichten, der andernorts durch den Medizincheck gerasselt ist, scheint unter Magath ausgeschlossen zu sein.

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