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Fußball
26.01.2022

Vom Zauber der Zahlen: Welches Ergebnis gibt es wie häufig?

Kein Ergebnis gibt es häufiger: Statistisch endet an jedem Spieltag eine Partie mit 1:1.
Foto: Swen Pförtner, dpa

Die meisten Spiele enden 1:1. Ein 12:0 ist praktisch unmöglich – passiert ist es trotzdem. Und welches Ergebnis gab es eigentlich noch nicht, sollte aber als nächstes eintreten?

Da staunt dann sogar der Statistiker. "Immerhin denke ich jetzt anders über das 1:8 in Wolfsburg, da es das Ergebnis immerhin schon zum fünften Mal gegeben hat", blickt Dr. Martin Lames auf das Spiel der Augsburger beim VfL Wolfsburg im Mai 2019.

Lames hat an der TU München den Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik inne. Er beschäftigt sich beruflich mit Zahlen und vor allem mit deren Interpretation. Das 1:8 war die höchste Niederlage der Augsburger in der Bundesligageschichte. Ein bitterer Tag für alle FCA-Fans – zu denen sich übrigens auch Lames zählt. Anders als Spieler oder Trainer benötigt er aber nicht viel Zeit, um das Spiel zu analysieren.

Die Zahlen zeigen: Andere hat es viel schlimmer erwischt als den FCA

Für ihn ist die Partie auch "keine einmalige Katastrophe", immerhin ging es anderen Mannschaften ja schon genauso. Dass geteiltes Leid aber halbes Leid sei, mag vielleicht aus mathematischer Sicht zutreffend sein, Fans fühlen freilich anders. Wer es mit dem FC Augsburg hält, kann sich immerhin vergewissern, dass es andere Mannschaften schon schlimmer erwischt hat. Viel schlimmer. Legendär ist beispielsweise das 12:0 der Gladbacher gegen Borussia Dortmund 1978.

Für den Sportwissenschaftler sind derartige Ergebnisse statistische Ausreißer. Die reine Erhebung ist aus seiner Sicht "trivial". Letztlich gab es in sämtlichen der 17.870 bisherigen Spiele in Deutschlands höchster Liga ja auch nur 74 unterschiedliche Ergebnisse. Lächerlich wenig im Vergleich zur nordamerikanischen Footballliga NFL. 1072 unterschiedliche Spielausgänge gab es dort im Verlauf der Jahrzehnte.

 

Die amerikanischen Sportfans haben eine beinahe schon liebevolle Beziehung zu Zahlen und Statistiken. Dementsprechend hat der Sportreporter Jon Bois einen Nerv getroffen, als er den Begriff „Scorigami“ 2016 erstmals für unterschiedliche Ergebnisse aufbrachte. Seitdem erfreut sich der Begriff und das bange Warten auf ein neues einzigartiges Ergebnis immer größerer Beliebtheit. Nicht umsonst findet sich die kunstvolle japanische Falttechnik im Wort Scorigami wieder.

Für Lames entwickeln die Ergebnisse erst eine Schönheit, wenn man sie in Relationen setzt. Das Dortmunder 4:4 gegen Schalke nach einer 4:0-Führung – nichts mehr als Zahlen. Zumal es das gleiche Ergebnis auch noch weitere 34 Mal gab.

Die wirklichen Ergebnisse passen sich der Modellierung an

Wenn man aber sämtliche Ergebnisse der Bundesliga einer Modellierung gegenüberstellt, freut sich der Statistiker. Nun haben sich Modellrechnungen in den vergangenen zwei Jahren unerwartet inflationär verbreitet. Nicht immer lagen die Rechenkünstler richtig. Lames hingegen ist mit seinem Modell recht zufrieden. Nach der sogenannten Poisson-Modellierung müssten beispielsweise 10,5 Prozent aller Spiele 1:1 ausgehen. Grundannahme dieses Modells ist, dass Heim- und Auswärtsmannschaft unabhängig voneinander treffen. Bedeutet: Nur weil Team A viele Tore schießt, legt Team B nicht zwingend nach und trifft ebenfalls häufig. Und so kommt es auch in der Realität. 2071 Spiele der Bundesliga endeten 1:1. Das entspricht 11,5 Prozent sämtlicher Partien und passt sich so beinahe dem mathematischen Modell an.

Professor Dr. Martin Lames leitet der Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der TU München
Foto: TUM

Zugleich kann kaum ein vernunftbegabter Fan (aber wer ist das schon?) enttäuscht sein, wenn sein Team nicht über ein schnödes 1:1 hinauskommt. Statistisch endet an jedem Bundesligaspieltag eine Partie genau so.

0,00002 Prozent der Bundesligaspiele enden 12:0

So sehr sich Trainer auch mittlerweile in Datenwerke hineingraben, um Schwächen des Gegners aufzudecken, oft liefern Zahlen eben nur bedingt Aufschluss. Oder um es mit Klaus Augenthaler zu sagen: „Statistisch gesehen ist jeder fünfte Mensch ein Chinese. Sehen Sie in diesem Raum irgendwo einen Chinesen?“. Hatte der mathematisch gewandte Bayer mal erwidert, nachdem ihm vorgerechnet wurde, dass die von ihm trainierten Leverkusener in der kommenden Partie statistisch keine Chance haben würden.

Statistisch gesehen steht die Chance für ein 12:0 in der Bundesliga laut der Modellrechnung beispielsweise bei 0,00002 Prozent. Nahezu unmöglich. Gladbacher und Dortmunder wissen eine andere Geschichte zu erzählen. Nimmt man die Wahrscheinlichkeitstabelle zur Hand, hat ein Ergebnis die besten Chancen, als 75. einzigartiges Resultat in die Geschichte einzugehen. Lames hat für ein 4:7 eine 0,00175- prozentige Chance pro Spiel errechnet. Immerhin hat der FC Augsburg gute Möglichkeiten, um dieses Ergebnis noch drum herumzukommen.

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