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Fußball-WM 2026: Wie sich Europa und der DFB um Haltung bemühen - und was gegen einen Boykott spricht

Fußball-WM 2026

Wäre ein Boykott der Weltmeisterschaft denkbar – und würde das etwas bringen?

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    Gute Freunde: US-Präsident Donald Trump (links) erhielt den Friedenspreis der Fifa von deren Präsident Gianni Infantino.
    Gute Freunde: US-Präsident Donald Trump (links) erhielt den Friedenspreis der Fifa von deren Präsident Gianni Infantino. Foto: Chris Carlson, dpa

    Eine gute Nachricht für Fußball-Fans gab es doch vom Kongress des Europäischen Fußballverbands Uefa: Bei der Europameisterschaft 2028 sollen die Tickets erschwinglich sein. Konkrete Preise nannte Uefa-Präsident Aleksandar Ceferin am Donnerstag zwar nicht. Der Fußball sei aber „keine Industrie und es ist Gemeinschaft, es ist keine Ware“. Es ist der einzige nennenswerte Seitenhieb in Richtung des Weltverbandes Fifa, der im Sommer die Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA veranstaltet und gesalzene Preise aufruft.

    Das ist aber nicht der größte Kritikpunkt an dem Turnier. Wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump mehren sich die Stimmen, die einen WM-Boykott fordern. So haben zuletzt mehrere EU-Abgeordnete die Uefa dazu aufgefordert, sich klarer gegen die US-Politik und die Anbiederung der Fifa zu positionieren sowie einen WM-Boykott zumindest zu prüfen. Es ist ein Antrag, der es nicht auf die Tagesordnung des Uefa-Kongresses geschafft hat.

    Aber nicht nur auf kontinentaler, sondern auch auf nationaler Ebene war in jüngerer Vergangenheit zu spüren, dass nur ungern über einen Boykott gesprochen wird. Zuletzt hatte das Thema innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für Ärger gesorgt. Oke Göttlich, der Präsident des FC St. Pauli sowie Vizepräsident des DFB, hatte beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga das Thema aufgebracht, indem er sagte: „Ich persönlich würde raten, nicht zu fahren aufgrund der jetzigen Situation, wie sie sich jetzt in dem Land darstellt.“

    Innerhalb des DFB sorgte der Vorstoß des WM-Boykotts für Streit

    Die Folge war eine fast wütend wirkende Reaktion des DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf, der antwortete: „Wir sind sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten.“ Und, ein Nachsatz in Richtung Göttlich, der im vergangenen September seinen Posten als DFB-Vize angetreten hatte: „Der Kollege ist noch nicht so lange dabei, aber in der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst einmal in den Gremien besprechen und dann uns dazu eine Meinung bilden.“ Aus der Politik kam brüske Ablehnung für Göttlich.

    Jürgen Mittag ist Leiter des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln.
    Jürgen Mittag ist Leiter des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Foto: DSHS Köln

    Beim DFB scheinen die Eindrücke der WM 2022 noch allzu präsent zu sein, als man beim Protest gegen die WM-Vergabe nach Katar auf große Gesten und bunte Binden setzte und nicht nur sportlich damit krachend gescheitert war. Wie zielführend Sport-Boykotte allgemein sind – daran hat auch Jürgen Mittag seine Zweifel. Er ist Professor für Sport und Politik an der Deutschen Sporthochschule in Köln und sagt hinsichtlich der WM in Katar, aber auch der großen Boykott-Wellen bei Olympia in den 1980er Jahren: „Es ist deutlich geworden, dass die klassischen Sport-Boykotte nicht das richtige Mittel sind. Denn letztlich sind es die Athletinnen und Athleten, die darunter leiden.“ Nachdem 1980 in Moskau die USA und viele westliche Staaten auf einen Olympia-Start verzichtet hatten, waren vier Jahre später in Los Angeles weite Teile des damaligen Ostblocks den Spielen ferngeblieben.

    Die WM 2022 zeigte, wie schnell ein Boykott in sich zusammenbrechen kann

    Allgemein habe ein Sportboykott nur begrenzte Wirkung, „wenn er nicht auf breiter kollektiver Mitwirkung basiert“, fügt Mittag hinzu. Je brüchiger der Zusammenhalt im Protestlager im Vorfeld, desto schneller steht man im Zweifelsfall alleine da. Auch das war bei der WM 2022 zu sehen, als anfangs eine Reihe europäischer Staaten mit der „One Love“-Binde antreten wollten und die DFB-Auswahl auf Druck der Fifa als letzte Nation übrig blieb. „Damals ist dieser Protest von der Fifa im Keim erstickt worden“, so Mittag. Beim DFB sollen nun die Funktionäre um Geschäftsführer Andreas Rettig und Sportdirektor Rudi Völler das Thema moderieren. Dass sich 2022 noch vieles auf die Spieler konzentrierte, will man beim DFB sichtlich vermeiden. Nationalelf-Kapitän Joshua Kimmich sagte, dass er keine politischen Debatten mehr führen möchte: „Wir haben gemerkt, dass das nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns da zu sehr politisch äußern.“

    Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema hält Jürgen Mittag für wertvoller als einen schwer umsetzbaren Boykott. Ohnehin gäbe es längst eine Art emotionalen Boykott der Fans: „2022 war es zum ersten Mal so, dass Länderspiele der Deutschen Nationalmannschaft nicht auf den Top-Plätzen der TV-Rangliste standen.“ Auch bei der WM 2026 könnte das so sein. Natürlich bleibt das Turnier ein Großereignis mit all seiner Anziehungskraft. „Aber es ist gut möglich, dass man sich als Fan davon distanziert, nicht so stark emotional dabei ist.“ Fifa-Boss Gianni Infantino hat sich auf dem Uefa-Kongress übrigens auch geäußert. Er erwähnte den Namen Trump nicht, freute sich aber auf „eine Party, die die Welt in Frieden und Freude vereint“.

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