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21.07.2010

Bayern hält zu Ribéry - Rache für WM-Blamage?

Bayern hält zu Ribéry - Rache für WM-Blamage?
Bild: DPA

Paris (dpa) - Die Fans in Frankreich wenden sich von Franck Ribéry ab, der designierte Verbandschef sieht keine Zukunft mehr für ihn in der Équipe tricolore. Der Bayern-Star selbst ist erschüttert und in der Heimat durch die Sex-Affäre mit einer minderjährigen Prostituierten ins Abseits geraten.

Dagegen hält sein Münchner Arbeitgeber weiter demonstrativ zu seinem Schützling, gegen den in der Heimat ein Anklageverfahren eingeleitet worden ist. Das Thema werde nach der verpatzten WM-Teilnahme "in Frankreich hochgekocht", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger am Trainingsplatz des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern im italienischen Arco.

Ribéry wird weiterhin am 25. Juli in München zurück erwartet und soll am 26. Juli wieder in seiner Wahl-Heimat an der Fitness arbeiten. "Ich hoffe, dass er so schnell wie möglich ins Mannschaftstraining einsteigen kann und sich das leidige Thema bald erledigt hat", so Nerlinger.

Der Flügelflitzer, der seit Bekanntwerden der Affäre im April volle Unterstützung durch den Club erfährt, bereitet sich vorerst noch am Urlaubsort in Frankreich unter Anleitung von Bayern-Personal nach seinen Leistenoperationen weiter auf die Rückkehr ins Training vor. Und dann soll der bis 2015 gebundene Ribéry die Unterstützung mit Leistung zurückzahlen.

Bayern hält zu Ribéry - Rache für WM-Blamage?

Doch neben der körperlichen Arbeit kommt wohl die psychische Belastung hinzu, nachdem nun ein Anklageverfahren eingeleitet wurde. "Er ist bestürzt", sagte in Paris Anwältin Sophie Battai. Man frage sich, ob Ribéry nicht "als Sündenbock" für die Blamage der französischen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika zahlen solle, meinte Bottai im Gespräch mit dem Radiosender "Europe 1". Die Entscheidung sei ungerechtfertigt. Die Anwältin will jetzt einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens stellen.

In der Rotlicht-Affäre um die Équipe tricolore hatte Untersuchungsrichter Andre-Yves Dando die Eröffnung von Anklageverfahren gegen Ribéry und Real-Madrid-Stürmer Karim Benzema beschlossen. Nach siebenstündigem Polizeigewahrsam wurden beide Spieler in Paris wieder auf freien Fuß gesetzt. Ribéry hatte eingeräumt, im vergangenen Jahr bezahlten Sex mit einer minderjährigen Prostituierten gehabt zu haben. Dem 27-Jährigen droht deshalb in Frankreich eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Der Bayern-Profi beteuert aber, seinerzeit das Alter (17) des Mädchens nicht gekannt zu haben. Die junge Frau bestätigte diese Aussage.

Zur Erklärung der Vorfälle in Frankreich spricht Bayerns Sportdirektor Nerlinger von Nachwehen der WM, bei der der Weltmeister von 1998 peinlich in der Vorrunde gescheitert war. "Massiv" dränge die Politik in den Fußball, teilweise gar polemisch, sagte der Sportdirektor. Ähnlich sieht das Bottai. Der Richter-Beschluss stelle "vielleicht einen Ersatz für die fehlenden Sanktionen gegen das Frankreich-Team nach der WM dar" und mache Ribéry zum Sündenbock, mutmaßte die Anwältin. Man wolle die Psyche des Spielers attackieren, "die seit zweieinhalb Monaten extrem destabilisiert" sei.

Als "absoluten juristischen Widerspruch" bezeichnete Bottai den Richterbeschluss. Sie fügte an: "Da er das minderjährige Alter des Mädchens nicht kennen konnte, darf er auch nicht verfolgt und noch weniger mit einem Anklageverfahren belastet werden". Die Sportzeitung "L'Équipe" sieht unterdessen, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens, Positives: "Die Ära der unantastbaren französischen Fußballer scheint vorbei zu sein", schreibt das Blatt.

"L'Équipe" rechnet außerdem in nächster Zukunft mit beruflichen Problemen für Ribéry und Benzema, der von seinem Club ebenfalls moralische Unterstützung erhielt. "Nichts verbietet ihnen die Ausübung ihrer Fußballer-Aktivitäten. Aber ihr psychologischer Zustand ist nun ein großes Fragezeichen für Bayern München und für Real Madrid, und auch für (den neuen Nationaltrainer) Laurent Blanc". Da sieht Bayern-Coach Louis van Gaal keine größeren Bedenken. Das Thema habe es schon in der vergangenen Saison gegeben. "Da hat sich nicht viel geändert", sagte der Niederländer.

In einer Umfrage des Portals "le10sport.com" sprachen sich knapp 90 Prozent dafür, Ribéry und Benzema nicht mehr für die Nationalelf zu berufen. Auch Fernand Duchaussoy, der als wahrscheinlicher Nachfolger des am Freitag scheidenden FFF-Präsidenten Jean-Pierre Escalettes gilt, ist skeptisch. "Ich sehe nicht, wie ein Spieler, gegen den ein Anklageverfahren eingeleitet wurde, für das Team Frankreichs nominiert werden kann", erklärte er.

Ohnehin hat Ribéry erst bei der EM in zwei Jahren die Chance zur Wiedergutmachung nach der enttäuschenden WM. Beim FC Bayern sind früher Titel möglich und umso heißer erwarten ihn die Münchner zurück. "Franck wird unglaublich motiviert sein, er ist absolut fokussiert auf den FC Bayern, er will der ganzen Welt beweisen, dass dieses von Verletzungen und Problemen geprägte Jahr für ihn nicht die Norm ist - und dazu hat er nur bei uns die Chance", sagte Präsident Uli Hoeneß.

Die Affäre um Zahia D. und mehrere Spieler der französischen Fußball-Nationalelf war im April bekannt geworden. Das in Frankreich wegen einiger TV-Auftritte schon vor dem Skandal bekannte Escort-Girl hatte im Polizeiverhör ausgesagt, sie habe als Minderjährige 2008 mit Benzema und 2009 mit Ribéry Sex gegen Bezahlung gehabt. Die Profis hätten ihr Alter nicht gewusst.

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