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WM 2014

23.06.2014

Der schändliche Pakt von Gijón: Absage an Nichtangriffspakt mit USA

Jupp Derwall holte 1980 als Bundestrainer den EM-Titel. Zwei Jahre später kam es bei der WM zum Skandal.
Bild: DPA

Wie es vor 32 Jahren zum „Nichtangriffsabkommen“ mit Österreich kam. Und warum sich ähnliches am Donnerstag gegen die USA (nicht) wiederholen kann.

Das Gespenst geistert noch immer durchs deutsche Fußball-Land. Meist taucht es an Stammtischen auf, an denen ältere Herren die glorreiche deutsche Fußball-Vergangenheit begießen, ehe sie irgendwann auf Gijón stoßen.

Die Hafenstadt im spanischen Asturien kann nichts dafür, dass sie als „Schande von Gijón“ fester Bestandteil der deutschen Sprache geworden ist. Gijón war nur der Tatort. Genau genommen sogar nicht einmal das, weil die Täter nichts taten. Es war eine Art von perfektem Verbrechen.

Deutschland und Österreich hatten bei der WM 1982 in Spanien im letzten Gruppenspiel einen Nichtangriffspakt geschlossen, nachdem Horst Hrubesch, bekannt als „Kopfball-Ungeheuer“, Deutschland in der zehnten Minute 1:0 in Führung gebracht hatte. Ein Ergebnis, das Deutschland und Österreich zum Einzug ins Achtelfinale reichte. Algerien aber, das sich ebenfalls Hoffnungen auf die nächste Runde machen durfte, war mit diesem Spielstand draußen. Eine Gemengelage, die zur „Schande von Gijón“ führte. Algerien schießt sich in Richtung Achtelfinale...

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Der Kommentator verweigerte den Kommentar

Deutsche und Österreicher stellten bereits in den letzten Minuten der ersten Halbzeit den Betrieb ein. Schoben sich fortan die Bälle zu, auf dass keiner dem anderen wehtue. Derlei hatte es in der an Schandtaten reichen Geschichte des Weltfußballs noch nie gegeben. Während Algerier mit Geldscheinen wedelten, schämten sich Deutschland und Österreich tief in die Fernsehsessel hinein. Eberhard Stanjek, deutscher Kommentator, sprach als Erster von einer „Schande“ und weigerte sich anschließend die Bilder zu kommentieren. Sein österreichischer Kollege Robert Seeger forderte seine Landsleute sogar auf, den Fernseher abzuschalten.

Es hat nichts geholfen. Eine „stille Übereinkunft von 22 sportlichen Ganoven“, nannte Willi Schulz, der Vize-Weltmeister von 1966, das Schauspiel. Am Ende blieb es beim 1:0. Deutschland und Österreich erreichten das Achtelfinale, Algerien war draußen, Gijón ein Ort der Fußball-Schande, den deutsche und österreichische Fußball-Anhänger gerne vergessen würden.

Ein Nichtangriffspakt würde Deutschland und die USA ins Achtelfinale bringen

Bis zur vergangenen Sonntagnacht hat das halbwegs funktioniert. Mit dem 2:2 zwischen Portugal und USA ist Gijón aber wieder aufgetaucht. Ein Nichtangriffspakt zwischen Amerikanern und Deutschen am Donnerstag in Recife (18 Uhr/ZDF) würde beide Nationen ins Achtelfinale befördern, was immer auch die Gruppengegner Ghana und Portugal in ihrer gleichzeitig stattfindenden Begegnung veranstalteten.

Gerade weil das so ist, hat Hansi Flick gestern kurz und entschlossen, jeden Gedanken an ein derartiges Schauspiel beiseitegeräumt: „Wir werden den Teufel tun, und uns auf einem Unentschieden ausruhen. Wir wollen das Spiel gewinnen und als Gruppen-Sieger nach Porto Alegre weiterziehen.“ Dort würde Deutschland dann am Montag (22 Uhr) auf den Zweitplatzierten der Gruppe H treffen.

Bei einer Niederlage droht das Aus bei der Fußball-WM

Alles andere als ein Sieg gegen die USA wäre tatsächlich problematisch. Eine Niederlage könnte unter Umständen sogar das frühzeitige Aus bedeuten, günstigenfalls Platz zwei und ein Achtelfinale am nächsten Dienstag (18 Uhr) gegen den Sieger der Gruppe H in Salvador. Bei einem Remis droht Gijón. Das aber ist das Letzte, was sich die deutsche Elf wünscht.

Selbst Mats Hummels, von Berufs wegen eher für das Verteidigen zuständig, hat versprochen, „wir werden auf Sieg spielen. Alles andere wäre grob unsportlich“. Im Übrigen, so der Dortmunder, „ist es nicht unser Ding, auf ein Unentschieden hinzuarbeiten“.

Um der Diskussion über Gijón und Moral die Schwere zu nehmen, hat Hummels allerdings für Sonderfälle mildernde Umstände erbeten: „Wenn es nach 90 Minuten 1:1 steht“, so der Dortmunder augenzwinkernd, „ werde ich nicht gegen vier Mann dribbeln – höchstens gegen zwei.“

Damit wäre Deutschland in jedem Fall vor dem Schlimmsten aller bösen Fußball-Geister sicher.

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