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EM 2016
30.06.2016

Antonio Conte - der temperamentvolle Taktikfuchs der Italiener

Antonio Conte.
Foto: Daniel Dal Zennaro/dpa

Italiens Trainer Antonio Conte will mit seiner Mannschaft die Deutschen ärgern. Der frühere Juve-Star setzt auf ein offensives System und viel Motivation.

Mit weit aufgerissenen Augen stürmte Antonio Conte am vergangenen Montag wie von der Tarantel gestochen an seinen Betreuern vorbei, kletterte in seinem schwarzen Anzug auf das Dach seiner Trainerbank und ballte die Faust. Italiens Stürmer Graziano Pellè hatte gerade das zweite Tor gegen Spanien erzielt und für das Erreichen des Viertelfinales gegen Deutschland gesorgt. Der italienische Nationaltrainer war völlig aus dem Häuschen.

Zuvor war er 90 Minuten lang wie ein eingesperrter Zoo-Tiger in seiner Coaching-Zone auf und ab gewandert, hatte geschrien, geflucht und wütend den Ball weggeschlagen. Conte, 46, lebt den Fußball mit jeder Faser seines Körpers. Er ist der Jürgen Klopp des italienischen Fußballs. Ein Heißsporn eben.

Antonio Conte verlor als Spieler zwei große Finals

Der aus dem süditalienischen Lecce stammende Conte war als Spieler mit weniger Talent, dafür aber mit ungeheurem Mut, einer Pferdelunge und großem taktischen Verständnis ausgestattet. Mit diesen Eigenschaften brachte es der defensive Mittelfeldspieler mit Juventus Turin zum fünffachen Meister und Champions-League-Sieger. Mit Italien erreichte er das WM-Finale 1994 und das EM-Finale 2000. Beides verlor er jedoch.

Bei Juve stieg der langjährige Kapitän zur Vereinslegende auf und wurde nach seiner Spielerkarriere auch Trainer des Klubs. Der Erfolg hielt an: Conte, der nach eigenen Angaben viel von seinen früheren Trainern Giovanni Trapattoni, Marcelo Lippi und Carlo Ancelotti gelernt hat, gewann zwischen 2012 und 2014 gleich dreimal in Folge die italienische Meisterschaft. Die Basis dieses Erfolgs war damals, wie heute im Nationalteam, eine solide Defensive mit Buffon im Tor und einer Dreier-Abwehrkette mit Chiellini, Bonucci und Barzagli. Sein damaliger Spielmacher Andrea Pirlo schwärmt in seiner Biografie von Contes Motivationskünsten: „Seine Reden waren wie Angriffe. Sie bohrten sich in dein Gehirn. Mit wenigen Worten eroberte er deinen Geist.“

Nach der EM wechselt Antonio Conte zum FC Chelsea

Die Überraschung war folglich nicht groß, als der italienische Verband nach der missglückten WM vor zwei Jahren Conte als neuen Nationaltrainer auserkor. Für den Taktikfuchs eine Mammutaufgabe: Die Mannschaft war überaltert und eher mittelmäßig ausgestattet. Trotzdem hat es Conte geschafft, für die EM eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. „Unsere einzige Chance ist es, eine Mannschaft und keine Auswahl zu sein“, sagte Conte zu Beginn seiner Amtszeit.

Vorbei die Zeiten des defensiven Catenaccio-Fußballs. Conte will mit seinem 3-5-2-System attraktiv spielen lassen. Den Gegner früh angreifen und unter Druck setzen, lautet seine Devise. „Mister Conte ist ein Meister darin, aus 23 Männern ein Team zu formen“, sagt Abwehrchef Leonardo Bonucci. Die Lobeshymnen sind nicht unerhört geblieben: Nach der EM wird der verheiratete Vater einer Tochter Trainer des FC Chelsea.

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