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Fußball

02.04.2019

Ein Fehler zu viel: Grindel tritt als DFB-Präsident zurück

DFB-Präsident Grindel gibt dem hohen Druck nach und erklärt seinen sofortigen Rücktritt. Schon in den vergangenen Tagen bekam er verbandsintern kaum noch Rückendeckung.
Video: dpa

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Konsequenzen aus der wachsenden Kritik gezogen. Der Verbandschef räumt nach knapp drei Jahren seinen Posten.

Auch an seinem letzten Tag als Präsident des größten Sportverbandes der Welt zeigte Reinhard Grindel erstaunliches Talent, sich verbal zu verrennen. Grindel begründete seinen Rücktritt von der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einzig damit, ein teures Geschenk angenommen zu haben. Rund 6000 Euro sei die Uhr wert, die ihm der ukrainische Oligarch Grigori Surkis vor eineinhalb Jahren geschenkt habe, sagte Grindel am Dienstag.

DFB-Chef Grindel war zuvor schon massiv angeschlagen

Dumm nur, dass Surkis zu diesem Zeitpunkt wie Grindel im Exekutiv-Komitee des Europäischen Fußballverbandes (Uefa) saß. Weil Grindel das Präsent als „reines Privatgeschenk“ empfand, verzichtete er darauf, sich deswegen beim DFB rückzuversichern. Dort hätte man ihm wohl davon abgeraten, die teure Uhr anzunehmen. Schließlich gibt es Maßgaben für eine saubere Amtsführung. Am Anfang der Woche berichtete die Bild über das Geschenk. Gestern trat Grindel zurück.

Letztlich ist die Uhr Auslöser, aber nicht Ursache des Bebens im deutschen Fußball. Ein Präsident, der über eine derartige Lappalie fällt, war davor schon massiv angeschlagen. Vom ersten Tag an seiner nicht mal dreijährigen Amtszeit ließ der 57-Jährige nur wenige Möglichkeiten aus, eine schlechte Figur abzugeben. Er verlängerte unnötigerweise den Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw vor der WM 2018. Eine Kommunikationsstrategie im Umgang mit der Erdogan-Affäre der Spieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan war nicht zu erkennen.

Fussball DFB, Pressekonferenz Ruecktritt - DFB Praesident Reinhard Grindel Deutscher Fussball-Bund
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Das führte zum Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel
Bild: Jan Huebner/ulrich

Grindel hielt es nicht für nötig, über seine Nebeneinkünfte zu informieren

Vor allem seine öffentlichen Auftritte überraschten immer wieder. Der Mann, der so gerne präsidial wirken wollte, tappte unsicher über das diplomatische Parkett. Immer wieder musste Grindel eigene Aussagen relativieren oder auch gleich ganz kassieren. Dabei galt der ehemalige ZDF-Journalist und Bundestagsabgeordnete allein schon aufgrund seiner beruflichen Vorbildung als Medienprofi.

Am vergangenen Freitag hatte der Spiegel über Einkünfte in Höhe von 78.000 Euro berichtet, die der DFB-Präsident als Aufsichtsratsvorsitzender der nahezu unbekannten DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft erhielt. Grindel hielt es nicht für nötig, die Öffentlichkeit über seine Nebeneinkünfte zu informieren. Es waren schlicht zu viele Fehler in zu kurzer Zeit, die Grindel machte. Dabei genoss er am Anfang seiner Amtszeit durchaus Sympathien als Quereinsteiger. Vor allem der Amateurfußball war ihm ein Anliegen, er ließ sich bei vielen nicht öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen sehen. Einer seiner nächsten Termine hätte ihn am 12. April zum Regionalligisten SSV Ulm geführt, wo er neue Umkleidekabinen samt einem Funktionsgebäude eingeweiht hätte.

Rauball und Koch leiten den DFB interimsmäßig

Möglicherweise wird dort nun Rainer Koch auftreten. Der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes führt zusammen mit Reinhard Rauball bis zum DFB-Bundestag im September den Verband. Bisher gibt es noch keinen Favoriten für die dort anstehende Wahl. Im Gespräch für das Amt sind beispielsweise Oliver Bierhoff, Philipp Lahm und Christoph Metzelder. Besondere Ambitionen scheint bislang aber keiner der Genannten zu haben.

DFB-Vize Rainer Koch wird zusammen mit Ligapräsident Reinhard Rauball vorerst die Geschäfte des DFB übernehmen.
Bild: Arne Dedert, dpa

Mit Andreas Rettig sieht der Geschäftsleiter Sport des FC St. Pauli sowieso ein grundsätzlicheres Problem beim DFB. „Auch wenn der Rücktritt richtig ist, muss die Frage erlaubt sein, warum keiner der letzten DFB-Präsidenten regulär aus dem Amt geschieden ist. Hier muss auch einmal die Strukturfrage gestellt werden.“ Grindel wird sie nicht mehr lösen.

Lesen Sie auch: "Tief erschüttert": Grindels Rücktritts-Erklärung im Wortlaut  

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02.04.2019

Und wenn jetzt tatsächlich der Rauball folgt, dann ist die Linie des DFB kontinuierlich....das gleiche gilt für den Koch!!!

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02.04.2019

Herr Grindel passt doch wunderbar in die Ahnentafel der DFB-Präsidenten.
Wer solche wie Peco Bauwens, Hermann Neuberger, Gerhard Mayer-Vorfelder - um nur einige zu nennen - hatte, ja so ein Verband ist hartgesotten, d.h. auch entsprechend durchfilzt um die Grindels dieser Welt zu ertragen.

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