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Frauenfußball

14.08.2019

FC-Bayern-Frauen jagen Meister Wolfsburg

Die Gejagten: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg gewannen vergangene Spielzeit das Double.
Bild: Federico Gambarini, dpa

Plus Am Freitag startet die Frauen-Bundesliga zwei Stunden vor den Männern in die neue Saison. Der FC Bayern hat sich einiges vorgenommen.

Händeschütteln fällt Almuth Schult gerade schwer. Und den rechten Arm zu heben, geht gar nicht. Die deutsche Nationaltorhüterin hat ihren Einsatz bei der Frauen-WM in Frankreich mit einer komplizierten Schulteroperation bezahlt. Der kritische Geist unter der Latte musste nach dem Turnier unters Messer, ins Trainingslager nach Österreich reiste die Torfrau des VfL Wolfsburg ohne Fußball- und Handschuhe. Gleichwohl blickt die 28-Jährige mit einiger Vorfreude auf die kommende Spielzeit, in der Schult – kaputte Schulter hin oder her –mit dem Dreifachtriumph für den Doublegewinner liebäugelt. „Wir wollen am besten alle drei Titel gewinnen. Gerne mal wieder die Champions League.“

National haben die Niedersachsen außer dem Vizemeister FC Bayern kaum noch Rivalen, und können daher auch leicht verschmerzen, beim Eröffnungsspiel den Altmeistern den Vortritt zu lassen. Die 30. Saison der Frauen-Bundesliga startet mit dem Klassiker der ehemals verfeindeten Rivalen 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam (Freitag 18.30 Uhr/ Eurosport). Bis zu 3000 Zuschauern und reichlich Prominenz – von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg oder dem Integrationsbeauftragten Cacau – werden im Stadion am Brentanobad erwartet.

Reine Frauenfußballvereine haben wohl bald ausgedient

FFC-Manager Siegfried Dietrich findet es prima, dass die Frauen am selben Tag nur zwei Stunden vor den Männern starten. Motto: „Ladies first“. Doch sind weder der Rekordchampion Frankfurt noch der sechsfache Meister Potsdam mit ihren reinen Frauenfußballvereinen ein Erfolgsmodell für die Zukunft. Knapp 1,5 Millionen Euro Jahresbudget reichen schlicht nicht mehr, um mehr als Plätze im Verfolgerfeld anzustreben, wo sich auch SGS Essen, SC Freiburg oder TSG Hoffenheim dank ihrer guten Nachwuchsarbeit wiederfinden sollten.

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„Wir wollen aus der Senke rauskommen – was die Nationalmannschaften und die Bundesliga angeht“, sagt Dietrich, der beim DFB-Bundestag zum Vorsitzenden eines neuen Ausschusses Frauen-Bundesligen ernannt wird. Der PR-Profi sieht keinen Grund zur Panikmache und verweist auf den „ordentlichen sechsstelligen Betrag“ – die Rede ist von rund 250.000 Euro – den der DFB seinen zwölf Frauen-Bundesligisten über die zentrale Vermarktung garantiert: Das sei „europaweit als Benchmark“ zu begreifen.

Doch Dietrich wirbt nicht umsonst für „Fußball unter einem Dach“: Ohne die Unterstützung der Männer-Lizenzvereine geht im Frauenfußball nicht mehr viel.  Der 62-Jährige führt sein Lebenswerk zur Saison 2020/21 in die Eintracht Frankfurt Fußball AG über, wo er zum  Generalbevollmächtigten Frauenfußball ernannt wird. Er glaubt, "dass in zehn Jahren alle Männer-Bundesligisten auch Frauenfußball betreiben".  

Bisher verweigern sich starke Marken wie Borussia Dortmund oder Schalke 04 diesem gesellschaftlichen Gleichklang.  DFB-Direktorin Heike Ullrich hält nichts davon, eine Verpflichtung vorzugeben. "Es macht nur Sinn, wenn eine strategische Ausrichtung dahinter steht und richtig gelebt wird." Bloß als ungeliebtes Anhängsel mitzulaufen – wie es den sang- und klanglos mit abgestiegenen Fußballerinnen von Borussia Mönchengladbach in der Vorsaison passierte – bringt niemand weiter.

Frauen-Bundesliga: Zweikampf zwischen Wolfsburg und dem FC Bayern

Bei der Meisterfrage läuft alles wieder auf den Zweikampf zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern hinaus. Aber können die beiden Champions-League-Teilnehmer auch international mithalten? Die Konkurrenz wird größer und größer: Arsenal und Chelsea London, Manchester City und Manchester United, FC Barcelona und neuerdings Real Madrid. Sogar Juventus Turin in einer Macho-Nation wie Italien hat erkannt, dass gar nicht so viel Investment erforderlich ist, um im weiblichen Segment eine gute Rolle zu spielen. Im Ausland spielen Vereine, Verbände und Sponsoren teilweise so finanzkräftige Doppelpässe, dass Deutschland den Anschluss zu verlieren droht.

„Es ist schon schade, dass einige Top-Spielerinnen wie Sara Däbritz (Paris St. Germain, Anm. d. Red.) die Bundesliga verlassen haben. England hat uns wohl schon überholt, ist uns einen Tick voraus“, gesteht Bayern-Trainer Jens Scheuer. Aus München wechselten Leonie Maier, Manuela Zinsberger und Jill Roord zu den Arsenal Ladies. Doch die Bayern wollen die nächsten Jahre zum Gegenangriff blasen und haben dafür die Rückendeckung des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge bekommen, der über die Entwicklung im Frauenfußball informiert ist.

FCB-Managerin Karin Danner sagt jetzt: "Seit drei Jahren verändert sich die Frauenfußball-Landschaft sehr stark, in Deutschland ist die Zeit ein bisschen dahingeplätschert und so wie es bisher läuft, werden wir in den nächsten Jahren nicht weiterkommen. Deswegen haben wir als Verein einen Vierjahresplan erarbeitet, um für die Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet zu sein." Die Wachablösung des VfL Wolfsburg und der Gewinn der Women‘s Champions League stehen am Ende dieses Projekts.

Eurosport zeigt ein Spiel der Frauen-Bundesliga live

Dringende Aufgabe wird vorerst sein, die Gesichter und Persönlichkeiten zu halten. Die neue TV-Präsenz – Eurosport überträgt künftig jeden Freitag eine Partie live, die ARD-Sportschau zeigt am Samstag pro Halbserie Ausschnitte von drei bis acht Spielen – soll den Bedeutungsverlust bekämpfen.

Almuth Schult lobt diesen "Schritt in die richtige Richtung" und will noch nicht wahrhaben, dass die Liga wirklich ausblutet. "Mal abwarten, wie es der einen oder anderen im Ausland gefällt. Vielleicht ist dort nicht alles so toll. Ich bin auf jeden Fall noch da." Die meinungsstarke Torfrau wäre übrigens  schon froh wäre, wenn sie noch in diesem Jahr in der Frauen-Bundesliga zum Einsatz käme. Als Ersatz hat Wolfsburg die schwedische Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl verpflichtet, die mit 36 Jahren als eine der wenigen prägenden WM-Gesichter in die Frauen-Bundesliga gekommen ist.

Lust auf noch mehr Fußball? Dann hören Sie sich hier unseren Podcast mit FCA-Kapitän Daniel Baier an:

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