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Fußball
23.06.2016

Henrys Handspiel: "Eine alte Rechnung ist zu begleichen"

Das Handspiel von Thierry Henry (12) entging 2009 den Augen des Schiedsrichters.
Foto: Philipe Lecoeur / Maxppp (dpa)

Stade de France, 18. November 2009, es geht um die WM-Qualifikation für Südafrika. 103. Minute: Freistoß Frankreich. Florent Malouda bringt den Ball weit vors irische Tor. Dort wartet Bitter Abschied , Kapitän der französischen Fußball-Nationalmannschaft.

Der Ball springt auf, droht ins Aus zu gehen. Henrys linke Hand zuckt heraus, zweimal berührt er die Kugel damit. Henry flankt mit rechts auf den Kopf von William Gallas. Tor. Jubel bei den Franzosen, allen voran bei Henry. Jubel im Stadion, Entsetzen bei den Iren.

Trainer Giovanni Trapattoni schlägt sich vor dem vierten Offiziellen immer wieder mit der rechten Hand auf den linken Unterarm: Hand! Hand! Hand! Die Geste, die nach dem Einzug ins EM-Achtelfinale der Iren durch das späte 1:0 gegen Italien schon am Mittwochabend die ersten Fans von der Grünen Insel wieder aufleben ließen. "Eine alte Rechnung ist zu begleichen", ahnt am Donnerstag auch schon Frankreichs Sportblatt "L'Équipe" und schreibt von den "Playoff-Geistern von 2009".

"Natürlich war es ein Handspiel, aber ich bin nicht der Schiedsrichter", gab Henry nach dem Spiel zu. Danach war es aber zu spät - zumindest für Irland. Durch Gallas' Treffer nach Henrys Handspiel glichen die Franzosen an jenem Novemberabend vor sechseinhalb Jahren zum 1:1 aus. Nach dem 1:0-Erfolg im Playoff-Hinspiel in Irland reichte das zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Irland war raus.

"Ein Skandal!, Trap' wurde bestohlen", schrieb der "Corriere dello Sport". "Der Fußball verliert seine Glaubwürdigkeit", sagte Trapattoni: "Man kann Kindern in der Schule nichts mehr von Fairplay erzählen." Irlands Protest wurde abgelehnt, ein Wiederholungsspiel gab es nicht. Die falsche Tatsachenentscheidung von Schiedsrichter Martin Hansson aus Schweden konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden.

"Le Hand Gottes - Betrüger Henry macht einen Maradona", titelte Englands Boulevardblatt "The Sun". Dass Henry sich mit der Mannschaft von den französischen Fans unter den 79 145 Zuschauern im Stade de France feiern ließ, machte es für die Iren nur noch unerträglicher. "Ein wunderbarer Fußballer, aber will er wirklich so in die Geschichte eingehen", fragte Irlands damaliger Verbands-Generalsekretär John Delaney: "Soll dieses Handspiel sein Vermächtnis sein?"

Als wären der Aufschrei über die offensichtliche Ungerechtigkeit und die Diskussion um so etwas wie Fairplay nicht schon heftig genug gewesen, stellte sich Jahre später noch anderes Unglaubliches heraus. Der Weltverband hatte dem irischen Verband nach der Partie fünf Millionen Euro überwiesen. Die Zahlung wurde von der FIFA bestätigt, "um den Ansprüchen Irlands gegen die FIFA ein Ende zu setzen". Sprich: keine rechtlichen Schritte gegen das Fehlurteil und die Benachteiligung.

Die Summe sei als Darlehen für den Stadionbau ausgezahlt worden und sollte von den Iren bei einer erfolgreichen Qualifikation für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien zurückerstattet werden. Nach Brasilien schafften es die Iren aber sportlich auch nicht, der Betrag wurde abgeschrieben.

All das hätte vermieden werden können, wenn Henry sein Handspiel nicht erst später, sondern umgehend zugegeben hätte. Auf die entsprechende Frage eines Journalisten entgegnete der Franzose damals aber: "Sehr lustig, Sie sind ja sehr lustig." (dpa)

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