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Im Fall des HSV-Spielers Jatta gibt es viele Verlierer

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Kommentar Von Tilmann Mehl
03.09.2019

Bakéry Jatta vom Hamburger SV sorgt für Aufregung in der Fußball-Welt. Der Vorwurf: Identitätsbetrug.

Es ist leicht, sich über die Entscheidung des Bezirksamts Hamburg zu freuen. Es benötigt auch keinerlei Mühe, die Berichterstattung von Bild und Bild am Sonntag zu geißeln. Die beiden Zeitungen hatten und haben massive Zweifel an der Identität von Bakéry Jatta. Sie zweifeln die Darstellung des 21-Jährigen an, wonach er 2015 als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland kam. Den Springer-Publikationen lagen Hinweise vor, dass Jatta eben nicht Jatta ist, sondern Bakary Daffeh. Der U20-Nationalspieler Gambias verschwand 2015 spurlos. Daffeh wäre 2015 bereits volljährig gewesen. Der Vorwurf: Identitätsbetrug.

Die Berichterstattung der Springer-Blätter trägt oftmals Kampagnen-Charakter. In diesem Fall aber war es schlicht angezeigt, die Zweifel an der Identität öffentlich zu machen. Wortwahl und Mittel waren gemäß des Mediums boulevardesk, was in diesem sensiblen Fall der Sache nicht angemessen war. So wurden Vorurteile geschürt. Was bei Abzug aller unschönen Nebengeräusche aber eben auch bleibt: Ein offensichtlicher Zweifel an Jattas Identität. Diesen nicht öffentlich zu machen wäre falsch verstandene Rücksichtnahme gewesen. Sollten Zweifel am Alter deutscher Nationalspieler aufkommen, würden diese auch thematisiert.

Jatta hat etwas gewonnen: die Deutungshoheit

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat nun bescheinigt, dass die Behörde keine Zweifel an der Darstellung Jattas hat. Der wies unter anderem ein Ausweisdokument Gambias vor. Das ist gut für Jatta, das ist schön für den Hamburger SV. Der Verein hatte sich während der vergangenen Wochen immer vor seinen Spieler gestellt. Es gibt aber auch Verlierer: den 1. FC Nürnberg, den VfL Bochum und den Karlsruher SC. Sie hatten Einspruch gegen die Niederlagen eingelegt, die sie gegen den HSV erlitten hatten. Begründung: ein unrechtmäßiger Einsatz Jattas (wenn dieser denn älter wäre).

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Was für ein Unfug. Demnach müsste jeder Verein bei jedem seiner Spieler die Identität überprüfen und dürfte den Behörden keinen Glauben schenken. Die Verantwortlichen in Nürnberg, Bochum und Karlsruhe haben mehr als nur Spiele verloren. Ihre sportliche Glaubwürdigkeit. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie ihre Einsprüche gestern wieder zurückzogen.

Jatta hingegen hat etwas gewonnen, das für die meisten selbstverständlich ist: die Deutungshoheit über sein Leben.

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04.09.2019

Schauen sie sich doch bitte mal das Bild von Bakary Daffeh auf dem Mannschaftsfoto an:

https://www.watson.ch/sport/fussball/227054503-bakery-jatta-oder-bakary-daffeh-mit-falscher-identitaet-in-die-bundesliga

Jeder normal denkende Mensch sieht, dass Bakéry Jatta und Bakary Daffeh ein und dieselbe Person sind!!

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