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24.03.2009

Keine Roten Karten beim DFB-Fitnesstest

Keine Roten Karten beim DFB-Fitnesstest
Bild: DPA

Leipzig (dpa) - Sprinten, Springen, Ausdauerlauf - vor dem erwarteten Tor-Festival gegen Fußball-Zwerg Liechtenstein mussten sich Kapitän Michael Ballack und seine Teamkollegen erst einmal in der Leichtathletik-Halle beweisen.

Vier Tage vor dem Neustart in der WM-Qualifikation gegen den Tabellenletzten in Leipzig und der anschließenden Reifeprüfung in Cardiff gegen Wales erhofft sich Joachim Löw vom ersten Fitnesstest der deutschen Nationalspieler seit anderthalb Jahren wichtige Erkenntnisse für das Turnier 2010 in Südafrika.

"Es geht um eine Bestandsaufnahme ein Jahr vor der WM. Wir wollen sehen, woran der eine oder andere Spieler im körperlichen Bereich arbeiten muss", begründete der Bundestrainer nochmals die Wichtigkeit des Tests mitten in der Bundesliga-Rückrunde. Auch neues Störfeuer, dass aus München von Bayern-Manager Uli Hoeneß kam, wird Löw nicht von seinem Kurs abbringen, wie er betonte: "Wir müssen arbeiten, wo wir Nachholbedarf haben."

Die Rote Karte für schlechte Test-Resultate drohe aber keinem Nationalspieler, versicherte Mannschaftsarzt Tim Meyer: "Hier geht es nicht darum, dass einer, der schlecht abschneidet, aus der Mannschaft fällt. Ich glaube nicht, dass einer wegen eines schlechten Wertes in der Leistungsdiagnostik das nächste Mal nicht nominiert wird."

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Im Kampf um die WM-Tickets entscheiden am Ende die Leistungen auf dem Fußballplatz, und darum will Löw nach den jüngsten Heimpleiten gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) nicht nur bei der körperlichen Überprüfung seinen Spielern wieder mehr abverlangen. "Die Zügel muss man auch in anderen Bereichen anziehen", erklärte der Chefcoach und kündigte intensive "taktische und technische Trainingsinhalte" an. Auch Teammanager Oliver Bierhoff fordert gegen Liechtenstein mehr als die fest eingeplanten drei Punkte: "Wir wollen auch wieder attraktiven Fußball mit schnellem Passspiel und Dribblings bieten. Den Trend der letzten Spiele wollen wir nicht fortführen."

Von den 21 Akteuren im DFB-Kader konnten nur 18 die "Test-Batterie" (Meyer) aus Sprung- und Sprintübungen sowie dem abschließenden Ausdauerlauf über 3500 Meter mitmachen. Passen musste neben Torhüter René Adler (Ellbogen- Blessur) und Mittelfeldakteur Piotr Trochowski (Knie) auch Abwehrspieler Per Mertesacker. Trotz einer Prellung am Fuß sowie muskulären Problemen gebe es bei dem Bremer aber "keine Probleme für die Partie gegen Liechtenstein", versicherte Löw. Fragezeichen stehen dagegen weiterhin hinter Adler und Trochowski, die erst in zwei Tagen wieder trainieren sollen. "Die Mediziner haben die optimistische Prognose abgegeben, dass sie es schaffen", sagte Löw.

Mannschaftsarzt Meyer wies nochmals Bedenken aus der Bundesliga zurück, dass der Leistungstest kurz vor dem Saisonendspurt die Nationalspieler übermäßig belasten könnte. "Der Test ist überhaupt nicht dramatisch. Das Ganze liegt weit unterhalb einer anstrengenden Trainingseinheit", erklärte Meyer. Auf Liegestütze, Klimmzüge und Läufe mit Richtungswechsel wurde dieses Mal sogar verzichtet.

Die Spannungen zwischen DFB und Liga bleiben trotzdem bestehen. Uli Hoeneß griff nur einen Tag nach der Tagung von Löw mit den Vereinstrainern die Führung der DFB-Auswahl an. "Mich stört an der ganzen Diskussion, dass immer, wenn so Länderspiele gegen Liechtenstein oder Andorra vor der Tür stehen, die zuständigen Herren vom DFB der Bundesliga zeigen wollen, wie man Fußball spielt", sagte der Bayern-Manager im "Münchner Merkur": "Die sollten uns in den Vereinen besuchen und uns dort nachweisen, dass wir falsch arbeiten. Dann können wir gerne darüber reden."

Löw will trotz "unterschiedlicher Interessenlagen" zwischen Clubs und Nationalelf aber auch in Zukunft Defizite im deutschen Fußball benennen, wie er in Leipzig verdeutlichte: "Wir dürfen nicht stehen bleiben."

Dazu soll auch der Fitnesstest beitragen, ebenso wie Reaktions- und Wahrnehmungstests am Computer. In kurzer Zeit sollen Löw die Ergebnisse mit den Einstufungen "gut, mittel, schlecht" vorliegen. Das Fitness-Zeugnis wird auch im Mannschaftskreis heiß diskutiert. "Die Spieler vergleichen ihre Werte", bemerkte Meyer. Im 30-Meter-Sprint liegen die Leistungen etwa zwischen 3,8 und 4,2 Sekunden, berichtete der leitende Professor vom Sportmedizinischen Institut der Uni Saarbrücken.

"Da ist der schnellere Spieler drei Meter eher am Ball, das ist schon viel", verdeutlichte Meyer die Bedeutung der Antrittsschnelligkeit. Bammel vor den Tests hätten die Spieler aber nicht, sagte Torwart Robert Enke: "Da fast alle gut arbeiten im Verein, ist die Angst nicht so vorhanden - bei mir jedenfalls nicht."

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