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Fußball

01.07.2016

Mehr Plätze, mehr Trainer - mehr Erfolg: Islands Masterplan

Heimir Hallgrímsson erklärt den Masterplan aus Island.
Bild: Tolga Bozoglu (dpa)

Island glaubt an den nächsten großen Coup. Nach England will das Sensationsteam dieser EM auch Gastgeber Frankreich schocken.

"Natürlich träumt man groß. Wenn man nicht groß denkt, erreicht man nie etwas", sagt Trainer Heimir Hallgrímsson vor dem Viertelfinale am Sonntag (21.00 Uhr) im Finalstadion von Paris. Doch was macht das Land mit nur 100 Profi-Fußballern und ohne professionelle Liga eigentlich so stark? Sieben Gründe für den isländischen Erfolg.

PROFESSIONALISIERUNG: Seit 2000 hat sich der Fußball in Island rasant entwickelt. Durch neue Hallen und Kunstrasenplätze kann trotz des unwirtlichen Wetters gespielt werden. 179 große Felder gibt es bei 23 000 registrierten Spielern insgesamt in Island - damit steht ein Platz pro 128 Spieler zur Verfügung. Zudem kommt der intensiven Trainerausbildung eine wichtige Rolle zu. Schon um Jugend-Mannschaften der Über-Zehnjährigen zu coachen, braucht es eine Lizenz der UEFA - weshalb Island über deutlich mehr Trainer pro Einwohner verfügt als andere Länder. 639 Übungsleiter besaßen Ende 2015 mindestens eine B-Lizenz des Kontinentalverbands.

LANGZEIT-PLAN: Auch der aktuelle Erfolg des Nationalteams kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist von langer Hand geplant. Großen Anteil hatte die Verpflichtung von Lars Lagerbäck Ende 2011 - die Spieler seien einer "positiven Gehirnwäsche" unterzogen worden, erklärt er das Konzept. Von Weltranglisten-Position 131 vor vier Jahren ging es auf Platz 34 nach oben. In der EM-Qualifikation gab es Siege gegen die Niederlande, Türkei und Tschechien.

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TRAINER-DUO: Gleichberechtigt mit Lagerbäck coacht Hallgrímsson das Team. Das ungleiche Duo ergänzt sich perfekt: Hier der 67 Jahre alte Schwede mit jahrelanger Erfahrung als Nationaltrainer. Dort der fast 19 Jahre jüngere praktizierende Zahnarzt, der die Befindlichkeiten des heimischen Fußballs bestens kennt und die Sprache der Spieler spricht. "Das funktioniert sehr gut, sie ergänzen sich sehr gut", sagt Verteidiger Kari Arnason.

TAKTIK: Als eines der wenigen Teams spielt Island wie Vorbild Schweden bei dieser EM noch ein klassisches 4-4-2-System mit zwei Stürmern. Durch geschickte Raumaufteilung schafft es das Team trotz des niedrigsten Ballbesitzes aller EM-Teilnehmer (35 Prozent) immer wieder, Überzahl in der Verteidigung zu schaffen. So wirkt der Gegner zwar wie England im Achtelfinale dominant, bleibt aber ineffektiv.

ÜBERRASCHUNGSEFFEKT: Ein Stilmittel haben die Isländer kultiviert, schon zwei Treffer fielen bei dieser EM nach langen Einwürfen. Aron Gunnarsson schleudert den Ball in den Strafraum, Arnason verlängert per Kopf, in der Mitte steht ein Mitspieler frei: die Defensiven von Österreich und England ließen sich so übertölpeln.

FANS: Das Schunkel-Lied "Ég er kominn heim" sorgt für Gänsehaut vor Anpfiff, die einstudierte Klatsch-Cheoreographie während der Siegesfeier schüchtert ein. Im Achtelfinale übertönen Islands Fans sogar die englischen Anhänger. "Es ist, als wäre deine Familie beim Spiel", sagt Arnason. "Ich kenne wahrscheinlich 50 Prozent der Menschen im Publikum."

JUGENDARBEIT: Das übergreifende Konzept schlägt sich inzwischen auch im Nachwuchs wieder. In der Qualifikation zur U21-Europameisterschaft ist Island noch ungeschlagen, bezwang selbst Frankreich mit 3:2 und darf auf den Sprung zur Endrunde hoffen. (dpa)

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