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Nationalelf
03.09.2021

Diese Arbeit hat Hansi Flick noch vor sich

Je länger das Spiel dauerte, desto unzufriedener wurde Hansi Flick.
Foto: Witters

Der deutschen Elf fehlt beim 2:0 in Liechtenstein die Überzeugung. Aber auch Tempo und Bereitschaft. Der neue Bundestrainer wird in der Schweiz trotzdem gefeiert.

Am Ende schienen Ergebnis und Leistung fast zweitrangig. Zumindest bei den gut 7000 Fans, die in der Arena in St. Gallen dabei waren. Die haben zwar vernommen, dass der 2:0-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft nicht der gewünschte Neuanfang unter Hansi Flick war. Damit aber wollten sie sich zunächst nicht beschäftigen. Sie feierten Flick, den Hoffnungsträger, weiterhin. Als sich die Arena kurz nach 23 Uhr weitgehend geleert hatte, hallten von der Gegentribüne noch immer Rufe in die Nacht. „Hansi, wink a mal“, rief eine kleine Gruppe zu Flick, der gerade seine letzten Fernseh-Interviews gab. Flick winkte, dann marschierte er davon. Zufrieden dürfte er dabei allerdings nicht gewesen sein.

Als er im Presseraum im Untergeschoss der Arena saß, wolltè er sich das aber nicht anmerken lassen. Er fand milde Worte für den ersten Auftritt unter seiner Führung. Dass dabei nur ein 2:0 gegen Liechtenstein durch die Treffer von Timo Werner und Leroy Sané herauskam, trübt die Stimmung merklich. Auch wenn sich die Gesamtsituation in der WM-Qualifikation besserte und Deutschland durch einen Sieg am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in Stuttgart gegen Armenien die Tabellenführung übernehmen kann. „Wir wollen an Armenien vorbeiziehen, das muss unser Ziel sein“, sagte Flick.

Die DFB-Elf hat noch viele Probleme

Mit Zielen ist das momentan in der deutschen Mannschaft so eine Sache. Gegen Liechtenstein war ein hoher Sieg die Vorgabe, da klar war, dass eine Niederlage gegen diesen Gegner unmöglich ist. Was die deutsche Mannschaft aber letztlich zeigte, erinnerte nicht an eine große Fußballnation. Die Mannschaft schleppt noch immer eine Menge Probleme mit sich herum. Auch Flick konnte nicht alles in seiner ersten Trainingswoche lösen. „Man merkt, dass die Mannschaft nicht das Vertrauen hat, dass sie Tore erzielen kann“, sagte Flick. Die Überzeugung habe oft gefehlt. Zudem Ideen, Inspiration und Tempo. Die ersten Minuten sahen noch ordentlich aus, danach wurde es von Minute zu Minute schleppender. „Das war ein Anfang, mit dem wir nicht ganz zufrieden sind. Es war der Beginn von einem Weg, der hoffentlich noch länger ist“, sagte Flick, der es allerdings vermied, in seiner Kritik zu harsch zu werden. Das dürfte er in der Analyse mit der Mannschaft nachholen.

Feuer und Leidenschaft wollte die Mannschaft zeigen – und damit die Fans zurückgewinnen, die sich zuletzt schwer taten. Das ist weitgehend misslungen. Außer vielleicht im Stadion von St. Gallen, in der aber nach dem Schlusspfiff mehr die Jagd nach Trikots von Interesse war als die Leistung. Etliche Fans hatten Schilder gemalt, mit denen sie die deutschen Stars um ihre Trikots baten. Nicht viele sind diesem Wunsch nachgekommen, Torwart Bernd Leno war einer. Artigen Applaus gab es trotzdem. Wobei die Leistung eher Pfiffe verdient gehabt hätte.

Liechtenstein nervt die deutschen Fußball-Stars

„Wir müssen selbstkritisch sein. Das Spiel hat gezeigt, dass wir uns verbessern müssen“, meinte Ilkay Gündogan. Gerne hätte die Mannschaft das geforderte Feuer und die Leidenschaft gezeigt. Liechtenstein aber habe das nicht zugelassen. Die dicht gestaffelte Abwehr, die teilweise undurchdringlicher als die Türen einer Schweizer Privatbank für Normalverdiener war, nervte die deutschen Stars. Ein Champions-League-Akteur aber sollte in der Lage sein, sich gegen einen Spieler durchzusetzen, der in der fünften Schweizer Liga spielt. Dafür aber waren viele Aktionen der deutschen Mannschaft zu gemächlich. Auch Flick wunderte sich, dass seine Elf nach 20 Minuten das Tempo mehr und mehr rausgenommen hatte.

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Der neue Bundestrainer hat gemerkt, dass seine Mission nicht einfach wird. Dass er den Wandel nicht auf Knopfdruck schafft. Nur noch vier Akteure waren aus dem EM-Achtelfinale gegen England in der Startelf dabei. In der Offensive vertraute Flick auf die Fähigkeiten von Jamal Musiala, der prompt mit einer erstklassigen Vorbereitung das 1:0 ermöglichte. „Dass er Qualität hat, hat er oft bewiesen, auch bei den Bayern“, sagte Flick. Musiala hatte genau das getan, was der Bundestrainer auch gerne von anderen Akteuren gesehen hätte. Er ging mutig ins Dribbling. Eine Aktion, die allerdings eine Ausnahme blieb. So war das 2:0 ein Pflichtsieg, der wohl wenig Aussagekraft für Flicks Mission hat. Die soll zunächst die Qualifikation für die WM in Katar bringen. Klar ist aber, der Weg dorthin könnte steinig bleiben.

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