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Nationalelf
27.05.2016

EM 2016: Bastian Schweinsteiger ist die deutsche Leidfigur

Bastian Schweinsteiger zeigt sich vor der EM 2016 zuversichtlich.
Foto: Christian Charisius (dpa)

Bastian Schweinsteiger hat vor der EM wieder mal einen Verletzungsrückstand aufzuholen. Die Zeit für den Kapitän der DFB-Auswahl wird knapp - doch der will kämpfen.

Als Bastian Schweinsteiger mit akkurat frisiertem Seitenscheitel in das weiße Pressezelt des DFB in Ascona kam, schien es, als würde er beim Blick auf das große Sponsorenplakat kurz zucken. Vielleicht hatte er sich selbst nicht erkannt. Schließlich steht er als Hauptfigur mit Kapitänsbinde im Mittelpunkt des Mannschaftsposters.

Die dominante Pose mit durchgedrücktem Kreuz passt schließlich im Moment nicht ganz zum Senior der Nationalelf, bei dem die Schläfen bereits ergrauen. Nach einer schweren Knieverletzung befindet sich der Mittelfeldspieler von Manchester United noch im Aufbautraining.

Aber Schweinsteiger ist nicht nur bereits 31 Jahre alt, er ist auch ein Kämpfer. Einer, den Verletzungen nie aus der Bahn geworfen haben. „Mir geht’s gut“, sagt er. „Alles läuft nach Plan.“ Er sei schon oft in körperlich schwierigen Situationen gewesen, zuletzt vor der Weltmeisterschaft 2014.

„Damals war ich in einem schlechteren Zustand“, sagt Schweinsteiger, so, als handele es sich bei seinem Körper um eine Antiquität. Das Ende ist bekannt: Er wurde behutsam ins Team integriert und reüssierte im Finale gegen Argentinien als zentrale Figur des Erfolges. Aus dieser Erinnerung zieht der Kapitän seinen Optimismus, auch wenn er seit Ende März kein Spiel mehr bestritten hat.

Grüppchenbildung im Trainingslager

Noch absolviert Schweinsteiger hauptsächlich Übungen und Lauftraining und gehört damit der Gruppe der Rekonvaleszenten an. Es ist dieser Tage ja so, dass im Nationalteam eine Art „Grüppchenbildung“ zu beobachten ist. Das hat weniger mit fehlender Harmonie als mit unterschiedlichen Fitnessgraden der Spieler zu tun. Bundestrainer Joachim Löw sieht es deshalb als seine „wichtigste Aufgabe an“, die Gruppen auf ein gemeinsames Niveau zu bringen. Der 56-Jährige, der in sein fünftes Turnier als verantwortlicher Trainer geht, teilt seinen Kader im Moment so ein:

  • Spieler, die vor zehn Tagen die Bundesliga beendet haben. Dazu gehören Akteure wie André Schürrle (Wolfsburg) oder Karim Bellarabi (Leverkusen).
  • Spieler, die vor wenigen Tagen noch das Pokalfinale bestritten haben. Dazu gehören Thomas Müller (FC Bayern) oder Marco Reus (Dortmund).
  • Die noch vereinsaktiven Kicker Toni Kroos (Madrid/Champions-League-Finale) und Lukas Podolski (Istanbul/türkisches Pokalfinale).
  • Akteure, die nach einer Verletzung erst seit kurzem wieder spielen – Jérôme Boateng (Bayen).
  • Derzeit noch verletzte Spieler wie Schweinsteiger (Manchester/Knie) oder Mats Hummels (Dortmund/Wade).

Trainer Löw zeigt sich bei Bastian Schweinsteiger optimistisch

Zum Turnierstart aber, glaubt Löw, wird die Mannschaft ein fertiges Gruppenbild abgeben. „Die Zeit reicht aus, um an den richtigen Stellschrauben zu drehen“, sagte er, „das Gerüst der Mannschaft ist ja seit Jahren gut eingespielt.“ Schön zu sehen war die individuelle Arbeit auf dem Trainingsplatz am Donnerstagvormittag, als die verschiedenen Gruppen verstreut über zwei Fußballfelder ihre Übungen machten.

Bis zum Dienstag hat der Bundestrainer Zeit, dann muss er seinen 23-Mann-Kader für die Europameisterschaft benennen. „Bis dahin lasse ich alle Eindrücke aus Training und Spielen auf mich wirken“, so Löw, einen Streichkandidaten habe er noch keinen im Kopf. Die jungen Spieler wie Julian Weigl, Joshua Kimmich oder Julian Brandt haben ihr Potenzial bei Joachim Löw bereits angedeutet. Bislang, so scheint es, trübt nichts die Stimmung unter der Tessiner Sonne.

Und die Situation um seinen „emotional leader“ sieht Löw entspannt: „Bastian hat eine gute Grundlage, ich bin optimistisch.“ Sollte Schweinsteiger doch noch passen müssen, würde das beim Bundestrainer auch keine großen Sorgenfalten aufwerfen: „Wenn einer ausfällt, ist ein anderer Spieler da.“ Diesen Pragmatismus hat Löw gelernt mit den Jahren, und Bastian Schweinsteiger selbst ist ein Anhänger dieser Sichtweise: „Die Mannschaft steht an erster Stelle und nicht einzelne Spieler“, sagt er.

Bis zum EM-Auftaktspiel der deutschen Elf am 12. Juni gegen die Ukraine wird es wohl nicht reichen für ihn. „Auch wenn es manchmal schwerfällt, Verletzungen zu akzeptieren“, sagt der 114-malige Nationalspieler, „für mich gibt es das Wort ,aufgeben‘ nicht.“ Ein markiger Schlusssatz, der sehr an den Bastian Schweinsteiger erinnert, der auf dem Poster zu sehen ist.

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