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WM 2014
16.06.2014

Ghana: Wenn Kevin-Prince nicht der lauteste Lautsprecher ist

Kevin-Prince Boateng hat bei der WM Großes mit Ghana vor
Foto: Khaled Elfiqi (dpa)

Ghanas Kevin-Prince Boateng und Deutschlands Jérôme Boateng begegnen sich ein weiteres Mal in der Vorrunde. Starke Sprüche sind aber nicht nur vom Schalker Star zu hören.

Für Ghana ist es bereits die dritte WM-Teilnahme in Folge. Doch spüren die „Black Stars“ erstmals richtig Druck. Wie groß die Hoffnungen sind, die auf dem Team von Trainer James Kwesi Appiah ruhen, vermag die Vision von Verbandschef Kwesi Nyantakyi auszudrücken: „Wir wollen die erste afrikanische Mannschaft sein, die die Weltmeisterschaft gewinnt.“

Sicher ist das Zukunftsmusik, gleichzeitig demonstriert die kühne Aussage das gewachsene Anspruchsdenken, das in dem westafrikanischen Staat nach dem Achtelfinaleinzug 2006 und dem Viertelfinale vier Jahre später herrscht.

Dabei wäre der Traum, zumindest in die Runde der letzten Vier einzuziehen, bereits 2010 fast Realität geworden. Bis ins Viertelfinale schafften es die „Schwarzen Sterne“, ehe sie in Johannesburg an Uruguay im Elfmeterschießen scheiterten. Denkbar unglücklich. Mit 2:4. Dabei erlebten sie in der Verlängerung zuvor die ganze Grausamkeit des Fußballs.

Zur Erinnerung: In der letzten Minute der Verlängerung hatte Luis Suarez beim Stande von 1:1 den Ball mit der Hand von der Torlinie geschlagen. Rot für den Uruguayer, Elfer für Ghana. Hätte Asamoah Gyan ins Tor getroffen, wäre alles entschieden gewesen und Ghana hätte als erstes afrikanisches Team ein WM-Halbfinale erreicht. So aber nahm das Unglück der Ghanaer seinen Lauf.

Trotz der anschließenden Niederlagen beim Africa-Cup gegen Burkina Faso und Mali und einem völlig unbefriedigenden vierten Platz hielt Verbandsboss Nyantakyi an Trainer Appiah fest. Dabei verlief auch die WM-Quali zunächst schleppend. Am Ende sicherte sich das Team aus dem 24-Millionen-Einwohnerland in den Play offs gegen Ägypten doch noch ungefährdet das Ticket für die Reise an den Zuckerhut.

In Südamerika ist den technisch versierten, schnellen und zugleich knallhart zur Sache gehenden Westafrikanern einiges zuzutrauen. Das Prunkstück des Weltranglisten-27. ist zweifellos das Mittelfeld um Michael Essien vom FC Chelsea, Juventus-Turin-Star Kwadwo Asamoah und – natürlich – Kevin-Prince Boateng.

Der Schalker twitterte bereits nach der Auslosung: „Bruder, es ist wieder so weit. So schön ist das Leben.“ Seine Botschaft war an Halbbruder Jérôme, seines Zeichens Abwehrspieler der deutschen Mannschaft, gerichtet. Das Duell mit der DFB-Elf sei sein „Wunschlos“ gewesen, sagte der Ex-Berliner im Hinblick auf das brisante Match der Gruppe G am Samstag, 21. Juni, in Fortaleza.

Dabei dürfte der 27-Jährige an Deutschland bei großen Turnieren nicht nur gute Erinnerungen haben. Denn bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika unterlag Ghana im letzten Gruppenspiel der Truppe von Bundestrainer Joachim Löw in Johannesburg mit 0:1. Der Bad Boy aus dem Nachbarland der Elfenbeinküste stand damals unter genauer Beobachtung, hatte er doch mit seinem Foul im Vorfeld der Welttitelkämpfe dafür gesorgt, dass der damalige DFB-Kapitän Michael Ballack die Endrunde verpasste.

Neben dem Bruderduell in der Partie gegen die zum Kreis der Titelanwärter zählenden Deutschen warten mit Portugal und den USA weitere happige Kontrahenten. „Ich glaube, dass wir die Welt überraschen können“, urteilt Coach James Kwesi Appiah, der im April das Amt des Cheftrainers übernommen hat. „Wenn wir uns die Klasse der Spieler anschauen, die wir haben, dann ist das Wichtigste, wie wir sie psychisch optimal einstellen. Und wie wir sie dazu bringen, alles zu geben, um die Fahne Ghanas hochzuhalten.“

Mit einem nicht weniger flammenden Plädoyer und klaren Botschaften hat Ghanas Staatspräsident John Dramani Mahama den deutschen Gruppengegner auf die WM eingeschworen. „Wir erwarten von euch, dass ihr ein bisschen für Euer Land sterbt. Wir erwarten und beten, dass Ghana zum ersten Mal in unserer Geschichte die Weltmeisterschaft holt“, sagte der 55-Jährige.

„Wir respektieren das Ansehen der USA, von Portugal und Deutschland, aber lasst mich euch versichern, dass sie unseren Ruf noch mehr achten“, sagte John Mahama. Das darf als Kampfansage gewertet werden. Die „Schwarzen Sterne“ wollen in Südamerika noch heller als bisher bei einer WM leuchten.

Unser Tipp Endstation nach der Vorrunde

WM-Aufgebot

Torhüter Kwarasey (Strömsgodset Toppfotball), Dauda (Orlando Pirates), Adams (Aduana Stars)

Verteidiger Inkoom (FC Platanias), Opare (Standard Lüttich), Afful (Esperance Tunis), Boye (Stades Rennes), Mensah (FC Evian), Sumaila (Mamelodi Sundowns)

Mittelfeldspieler Essien (AC Mailand), Muntari (AC Mailand), Mohammed (Kuban Krasnodar), Asamoah (Juventus Turin), Badu (Udinese Calcio), Acquah (1899 Hoffenheim), Adomah (FC Middlesbrough), Kevin-Prince Boateng (Schalke 04), Atsu (FC Porto)

Stürmer Gyan (Al Ain), Waris (FC Valenciennes), Ayew (FC Sochaux), Ayew (Olympique Marseille)

WM-Teilnahmen 2

WM-Bilanz 9 Spiele (4 Siege – 1 Unentschieden – 4 Niederlagen)

Meiste WM-Spiele Richard Kingson, John Pantsil (je 9)

Meiste WM-Tore Asamoah Gyan (4), Sulley Muntari (2)

Anzahl registrierter Fußballer 27 500

Größtes Stadion Baba-Yara-Stadion in Kumasi (51 100 Zuschauer)

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