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WM-Teilnehmer
15.06.2014

Honduras: Das Armenhaus Mittelamerikas

Nationaltrainer Luis Fernando Suarez will mit Honduras die Sensation schaffen und ins Achtelfinale der WM einziehen.
Foto: Juanjo Martin (dpa)

In Honduras hat man andere Probleme als das Bangen um die Nationalmannschaft. Die will aber für ein wenig Ablenkung sorgen.

Sicher, es gibt Länder auf dieser Erde, in denen es den Menschen (noch) schlechter geht. Papua-Neuguinea, Albanien, Haiti, Bangladesch, Ruanda, Mali, Sierra Leone … Doch Honduras ist das Armenhaus Mittelamerikas. 80 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Auslandsverschuldung ist hoch, die Arbeitslosigkeit auch. Slums breiten sich in den Großstädten unkontrollierbar aus, Jugendbanden, die inzwischen rund 40 000 Mitglieder haben, terrorisieren die Bevölkerung.

Wenn die gewaltbereiten Banden, die „Maras“, nachts durch San Pedro Sula, Santa Barbara oder La Ceiba ziehen, verbreiten sie Angst und Schrecken. Und meist folgt ihnen der Tod. Einbrüche, Morde, Vergewaltigungen und Entführungen sind an der Tagesordnung. Das Auswärtige Amt stuft das Land zwischen Karibik im Norden und dem Pazifik im Süden als eines der unsichersten Länder der Welt „mit hoher Gewaltbereitschaft und einer geringen Hemmschwelle beim Gebrauch von Schusswaffen“ ein.

Ablenkung finden die Menschen durch Fußball, denn ihr Volkssport bietet eine willkommene Abwechslung vom zumeist tristen und gefährlichen Alltag. Spielt das Team mit dem großen „H“ auf der Brust, scheint das Grauen zumindest für 90 Minuten eine Pause einzulegen. Wie an jenem 16. Oktober des vergangenen Jahres, als das ganze Land in einen kollektiven Freudentaumel verfiel. In den kleinen Straßencafés der Hauptstadt Tegucigalpa feierten Jung und Alt gemeinsam die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien. Die Hupen der Autos und rhythmische Trommelschläge ertönten bis tief in die Nacht, als die „Los Catrachos“ durch ein 2:2 im Zentralstadion von Kingston auf Jamaika, trainiert von Winnie Schäfer, zum dritten Mal die Endrunde einer Weltmeisterschaft erreicht hatten.

Fußball ist eine Angelegenheit auf Leben und Tod

Die Ablenkung durch das Team des kolumbianischen Trainers Luis Fernando Suarez hielt jedoch nur wenige Stunden, schon drei Tage später hatten die Chaoten das Land wieder fest im Griff. „Gerade wenn Derbys anstehen, eskaliert die Aggression. Das liegt daran, dass es Honduras sehr leicht ist, sich eine Waffe zu beschaffen. Kontrollen in den Stadien und davor gibt es fast keine. In vielen Fällen ist die Polizei selbst involviert, denn die Korruption hat gerade die Städte fest im Griff“, erklärt Christopher Rocholl, Sportwissenschaftler aus Düsseldorf. Auf Geheiß des Auswärtigen Amtes hat er bis Ende April vier Jahre lang mitgeholfen, den Fußball in Honduras zu entwickeln. Er hat die Erfahrung gemacht: „Gerade die lokalen Duelle zu besuchen ist lebensgefährlich. Wenn rivalisierende Fangruppen aneinandergeraten, gibt es nicht selten den einen oder anderen Toten zu beklagen. Und das Schlimme ist: Die Polizei schaut zu, sie reagiert kaum. Und an einer Aufklärung der Geschehnisse ist sie ebenfalls kaum interessiert, die Rate, dass ein Täter gefasst wird, liegt bei unter zehn Prozent“, so Christopher Rocholl. Als Technischer Direktor für Entwicklung hat er zudem versucht, den Frauen- und Jugendfußball in dem Staat zwischen Nicaragua im Südosten, Guatemala im Nordwesten und El Salvador im Südwesten etwas voranzubringen.

Und der weiß: „Nur die A-Nationalmannschaft generiert Einnahmen. Deshalb war es enorm wichtig, dass sie nach Brasilien fährt. Davon haben alle etwas.“

Unser Tipp Honduras beendet die WM als Letzter der Gruppe E.

WM-Aufgebot

Tor Valladares, Escober (Olimpia), Lopéz (Real España)

Abwehr Peralta (Glasgow Rangers), Figueroa (Hull City), Bernárdez (San José Earthquakes), Izaguirre (Celtic Glasgow), Chávez (Qingdao Jonoon), García (Wigan Athletic), Beckeles (Olimpia), Montes (Motagua)

Mittelfeld García (Houston Dynamo), Najar (RSC Anderlecht), Espinoza (Wigan Athletic), Palacios (Stoke City), Chávez (Colorado Rapids), Claros (Motagua), Garrido (Olimpia)

Angriff Bengtson (New England Revolution), Palacios (Alajuelense), Costly (Real España), Martínez (Real Sociedad San Sebastián)

WM-Teilnahmen 2

WM-Bilanz 6 Spiele (0 Siege, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen)

Meiste WM-Tore Hector Zelaya, Antonio Laing (je 1)

Anzahl registrierter Fußballer 61 000

Größtes Stadion Metropolitano in San Pedro Sula (40 000 Zuschauer)

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