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09.06.2009

Ära Roth beim "Club" beendet

Ära Roth beim «Club» beendet
Bild: DPA

Nürnberg (dpa) - Nach insgesamt fast 20 Jahren an der Spitze des 1. FC Nürnberg ist die turbulente Ära von Michael A. Roth als dienstältester Präsident der Fußball-Bundesliga beendet.

"Mit dem Aufstieg habe ich das mir selbst vorgegebene Ziel erreicht. Ich wollte einen Top-Club übergeben und nicht einen, wo der Hinterreifen platt ist", begründete der 73 Jahre alte Unternehmer seinen nach der Bundesliga-Rückkehr der Franken zumindest zu diesem Zeitpunkt überraschenden Rückzug. Der Nachfolger von Roth, der den neunmaligen deutschen Meister zunächst von 1979 bis 1983 und seit 1994 ununterbrochen geführt hatte und nun "Club"-Ehrenpräsident werden soll, wird erst im Oktober bestimmt. Bis dahin leitet Vize-Präsident Franz Schäfer kommissarisch die Amtsgeschäfte.

"Wir waren alle überrascht", gestand Manager Martin Bader zum Schritt des Teppich-Händlers, der den Verein zuvor über seine Entscheidung informiert hatte. "Er hat uns seine Beweggründe dargelegt und wir haben sie akzeptiert", sagte Bader, dessen Verlängerung seines bis 2010 laufenden Vertrages um zwei Jahre bis 2012 angesichts Roths Rücktritts fast unterging. "Wir haben vieles auf den Weg gebracht und er kann ruhigen Gewissens als Präsident zurücktreten. Seine Familie und seine Firma werden jetzt in den Vordergrund treten."

1979 hatte Roth auf einer turbulenten Mitgliederversammlung den damaligen Präsidenten Waldemar Zeitelhack abgelöst und seine lange Karriere als Vereinsboss gestartet. Dabei musste der Präsident mit seinem Herzensclub fast alle Höhen und Tiefen des Profi-Fußballs durchleben: Doch Roth bewahrte den Verein nicht nur vor der drohenden Insolvenz, nach mehreren Auf- und Abstiegen bis sogar hinunter in die Drittklassigkeit gelang ihm mit dem Pokalsieg des Altmeisters 2007 der größte Triumph der Vereinsgeschichte seit fast 40 Jahren. Erst vor neun Tagen machte der "Club" nach einem Jahr in der 2. Liga den siebten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte perfekt.

Ära Roth beim "Club" beendet

Vor allem in seiner ersten Amtszeit war Roth wegen zahlreicher Entlassungen als "Trainer-Killer" gefürchtet. Seine eigenwillige Art stellte er auch unter Beweis, als er seinen Profis nach einer Niederlage einmal mit Kugeln drohte. "Ich habe meinen Stil und den kann ich nicht verändern", blickte Roth noch einmal auf seine fast zwei Jahrzehnte beim "Club" zurück.

"Ich habe einen guten Zeitpunkt erwischt. Das war keine Adhoc-Entscheidung. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo der Verein umstrukturiert werden soll", sagte Roth. Zugleich stellte der langjährige Vereinsboss klar, dass er bereits im vergangenen November angesichts anhaltender vereinsinterner Querelen nach dem Abstieg an Rücktritt gedacht hatte. "Da hat man mir die Leviten gelesen." Seinem künftigen Nachfolger prophezeite der 73-Jährige viel Arbeit: "Ich weiß, dass es wahnsinnig schwer ist, den 1. FC Nürnberg zu führen. Es haben sich schon so viele vor mir eine blutige Nase geholt. Ich hoffe, dass diese Zeit vorbei ist."

"Herr Roth hat den Verein nicht nur einmal am Leben erhalten", zollte "Club"-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schramm dem Unternehmer Lob. "Da kann man nur sagen: Danke und nochmals danke für das, was Sie geleistet haben." Vize-Präsident Schäfer sagte: "Wir übernehmen ein Erbe, das gar so schwer ist." Roth kündigte an, sich nun verstärkt um sein Unternehmen kümmern zu wollen. "Ich habe genug zu tun, denn bekanntlich ist es zur Zeit nicht einfach, ein Handelsgeschäft zu führen."

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