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Kommentar

06.11.2017

Der Fußball ist durch den Video-Beweis ungerechter geworden

Umstritten: Der Videobeweis sorgt immer wieder für viel Gesprächsstoff.
Bild: Rolf Vennenbernd, dpa

Der Video-Beweis schürte anfangs viele Hoffnungen. Nach elf Spieltagen kann man aber getrost sagen: Der Fußball ist ungerechter geworden – und unattraktiver.

Die Fußball-Gutmenschen waren fest davon überzeugt, dass jetzt alles besser wird. Im Gegensatz zu den Traditionalisten haben sie über Jahre hinweg nach dem Videobeweis gewinselt. Schließlich sollte der den Fußball gerechter machen. Als dann die ersten Probleme auftauchten, wie am ersten Spieltag, als die Technik nicht in allen Stadien klappte, nickten das die Gutmenschen noch generös ab. Schließlich stecke alles noch in den Kinderschuhen und man müsse dem Projekt Zeit lassen.

Das Projekt "Video-Beweis" ist gescheitert

Nach elf Spieltagen kann man getrost sagen: Das Projekt ist gescheitert und der Fußball ist nicht gerechter geworden. Im Gegenteil. Man hat den Eindruck, er ist ungerechter geworden. Vor allem auch deshalb, weil in jüngster Vergangenheit nicht mehr der Schiedsrichter auf dem Platz der Chef war, sondern Entscheidungen vom Video-Assistenten diktiert worden sind.

Andererseits weiß man oft nicht, was dieser Video-Assistent aufgrund zum Teil haarsträubender Entscheidungen für einen Sinn und Zweck hat. Bei der Frage Hand oder nicht Hand im Strafraum scheinen die Assistenten völlig planfrei zu agieren. Am vorletzten Spieltag war ein Handspiel des Schalkers Thilo Kehrer im eigenen Strafraum so offensichtlich, dass zwei Meinungen völlig unangebracht waren. Auch jetzt in Augsburg, beim Handspiel des Leverkuseners Panagiotis Retsos, musste man schon sehr viel Wohlwollen aufbringen, um dies nicht zu ahnden.

Fußball hat viel von seiner Attraktivität verloren

Video-Fehlentscheidungen gehören zum Bundesliga-Alltag. Generell auffallend ist, dass keine klare Linie vorherrscht. Die Vereine wurden buchstäblich hinters Licht geführt. Vor der Saison war die Rede davon, dass der Video-Assistent nur bei einer klaren Fehlentscheidung einschreitet und jetzt gibt es plötzlich eine heimliche Modifizierung, die angeblich sogar an DFB-Boss Reinhard Grindel vorbeigegangen ist. Wenn man dem glauben mag.

Fakt ist, dass der Fußball zuletzt viel von seiner Attraktivität verloren hat. Im Prinzip ist jubeln jetzt erst dann erlaubt, wenn der Video-Assistent seine Zustimmung gegeben hat. Das Grummeln in der Bundesliga wird immer lauter. Augsburgs Manager Stefan Reuter fordert zumindest ein großes Treffen am Runden Tisch. Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg wäre dafür, den Videobeweis wieder ganz abzuschaffen und die Fans skandieren "Fußball-Mörder DFB" oder "Ihr macht unser Spiel kaputt".

Doch der Videobeweis wird wohl eher eine ständige Einrichtung bleiben. Das heißt: weiterwursteln wie bisher. Denn die Geister, die man gerufen hat, wird man nur in den seltensten Fällen auch wieder los.

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