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DFB-Pokal
22.05.2016

Tuchel kritisiert sich, Hummels und die Dortmunder Führungsspieler

Thomas Tuchel war mit sich, der Welt und seinen Führungsspielern nach der Niederlage gegen den FC Bayern nicht zufrieden.
Foto: Andreas Gebert, dpa

Thomas Tuchel tat sich schwer damit, die Niederlage im Pokalfinale gegen den FC Bayern einfach zu akzeptieren. Er suchte die Schuld da, wo sie nur selten gefunden wird.

Dass Mats Hummels enttäuscht war, dazu bedurfte es keines seiner Worte. Ein Blick in sein wohl geformtes Gesicht genügte, um zu erahnen, wie er sich fühlte. Nichts war an diesem denkwürdigen Abend im Berliner Olympiastadion gelaufen, wie er es sich gewünscht hatte. Als Geschlagener erlebte er den letzten Auftritt im Trikot Borussia Dortmunds, den DFB-Pokal stemmten seine künftigen Mannschaftskameraden, die Spieler des FC Bayern, in die Höhe. Hummels blieb nur die Rolle des traurigen Zuschauers. "Das hätte ein perfekter Abend werden können. Leider ist es nicht so gekommen."

Neben der dramatischen Niederlage schmerzte den BVB-Kapitän, bei seinem Abgang vorzeitig den Rasen verlassen zu haben. Gerne hätte er zu Ende gespielt, meinte er. Trainer Thomas Tuchel hatte etwas dagegen, nahm den Innenverteidiger nach 77 Minuten vom Rasengeviert. Eigenverantwortlich, wie Hummels im Nachgang der Partie betonte. Zwar hätte er, wie fast alle Dortmunder, einen Krampf gehabt, zu diesem Zeitpunkt hätte er jedoch versucht, weiterzuspielen. "Angedeutet habe ich nichts", beteuerte Hummels daher. Den Kapitän in einer derart bedeutsamen Begegnung, in seinem Abschiedsspiel vom Platz nehmen, ohne das mit ihm abgesprochen zu haben - nicht gerade üblich.

Bei der Presskonferenz offenbarte Tuchel obendrein eine andere Sicht der Dinge. Der Trainer widersprach, merkte an, Hummels habe darum gebeten.

Und der Trainer legte noch nach. Gefragt, wie er Hummels' Leistung beurteile, meinte er nur: "Er kann es besser." Tuchel hätte einfach sagen können, die Bewertung einzelner Spieler sei nicht von Belang. Wollte er aber nicht.

Tuchel kritisiert sich, Hummels und die Führungsspieler

Dazu war Tuchel zu angegriffen. Sonst so redegewandt, stockten diesmal seine Worte. Leerer Blick, das ausmergelte Gesicht noch ausgemergelter. Seine Spieler hatten ihn enttäuscht, er hatte gehofft, dem FC Bayern ebenbürtig zu sein. Doch Dortmund war weiter weg von den Bayern als es das knappe 4:3 im Elfmeterschießen ausdrückte. Vidal und Co. hatten fortwährend den Ball, die Dortmunder hechelten hinterher, statt selbst zu gestalten. Linksverteidiger Marcel Schmelzer gestand, man habe das eigene Spiel nicht durchdrücken können.

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Den Ärger Tuchels spürten neben Hummels weitere Spieler. Der Trainer arbeitete sich sogar am Elfmeterschießen ab, Glück, Pech, Nerven interessierten ihn nicht. Er kritisierte indirekt, Führungsspieler hätten sich gedrückt. Der zweite, drängende Pfiff von Schiedsrichter Marco Fritz war nötig, damit Sokratis und Bender sich bereit erklärten. Tuchel übte jedoch auch Selbstkritik, er hätte nicht zulassen dürfen, dass die Beiden als Zweiter und Dritter antreten. Sie verschossen, das Finale war fast schon entschieden. Hummels meinte nur, Abwehrspieler würden nun mal nicht so oft aufs Tor schießen. Er zollte jedem Spieler Respekt, der diese Bürde auf sich geladen hatte.

Dem Trainer blieb ein Erfolg in seinem ersten, großen Endspiel verwehrt, Hummels schließt sich als Verlierer nach der EM den Bayern an. Wie es sich anfühlt, wenn er künftig auf seinen Ex-Verein trifft, erfuhr er schon im Berliner Stadion. In Applaus mischten sich Pfiffe und "Judas"-Rufe.

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