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FC Ingolstadt

29.05.2020

Der FC Ingolstadt vor dem Neustart: „Dürfen wieder das machen, was wir lieben“

Eine Aufnahme, die noch vor der Corona-Pause entstand: Tomas Oral (links) herzt Maximilian Beister. Am heutigen Samstag startet der FC Ingolstadt gegen den FC Bayern München II in die Restsaison.

Plus Der FC Ingolstadt empfängt den FC Bayern München II. Für Tomas Oral steht das erste Spiel an, obwohl er bereits zwölf Wochen im Amt ist. Über das Leben im Quarantäne-Hotel und die Leidenschaft zum Fußball.

Einen unglücklicheren Zeitpunkt für seine Rückkehr zum FC Ingolstadt hätte sich Tomas Oral kaum aussuchen können. Nur wenige Stunden nach seiner offiziellen Vorstellung am 11. März wurden erst die nächsten beiden Spieltage der 3. Liga verschoben, später die Saison auf unbestimmte Zeit unterbrochen.

Man könnte hingegen auch behaupten, dass Oral den Job gerade noch rechtzeitig angeboten bekam. Denn ob sich der FCI im Wissen der langen Pause und der folgenden Unsicherheit damals einen Trainerwechsel geleistet hätte, ist nicht verbrieft. „Es war nicht absehbar, dass die Saison stillgelegt wird und ein Trainerwechsel keinen Sinn ergeben könnte“, sagte Sportdirektor Michael Henke im Interview mit der Neuburger Rundschau. „Wir waren zu diesem Zeitpunkt der festen Überzeugung, dass wir mit einem neuen Trainer weitermachen und eine Woche später wieder spielen.“ Trotzdem stehe er auch heute zu der damaligen Entscheidung.

FC Ingolstadt: Tomas Oral bestreitet seine dritte Amtszeit

Mit Tomas Oral, der im unterfränkischen Würzburg geboren wurde, hat Henke einen Trainer auserkoren, der den Verein bestens kennt und bereits seine dritte Amtszeit bei den Schanzern bestreitet. Zuerst war der 47-Jährige von 2011 bis 2013 im Amt. Dann 2019, als er in seiner Rettungsmission den FCI mit einem fulminanten Schlussspurt noch in die Relegation führte, dort aber am SV Wehen Wiesbaden scheiterte.

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Es passt irgendwie ins Bild, dass das Rückspiel in Ingolstadt, das mit 2:3 verloren wurde und den Abstieg besiegelte, sich am Donnerstag jährte. Denn da saß Tomas Oral in der obligatorischen Spieltagskonferenz, um über die Partie gegen den FC Bayern München II (Samstag, 14 Uhr) zu sprechen. Allerdings keiner gewöhnlichen, da es die Corona-Maßnahmen nicht zulassen. Oral wurde den Journalisten via Skype aus dem Quarantäne-Hotel der Schanzer, das sich nahe dem Trainingsgelände befindet, zugeschaltet. Kontakte zur Außenwelt sind untersagt, so schreibt es das Hygiene-Konzept des DFB vor. Morgens werde trainiert, mittags separat auf dem eigenen Hotelzimmer zu Mittag gegessen, erzählte Oral aus dem Innenleben. „Für mich steht dann noch die Spielvorbereitung an. Und zum Glück kam am Abend Bundesliga im Fernsehen.“

FC Ingolstadt befindet sich im Quarantäne-Hotel

Auf den Fehler von Heiko Herrlich angesprochen, der sich im Supermarkt Zahnpasta besorgte, dadurch gegen die Auflagen verstieß und das erste Spiel des FC Augsburg nach dem Neustart auf der Tribüne verfolgen musste, musste Oral lächeln. „Ich habe meine Zahnpasta rechtzeitig selbst besorgt und alles Notwendige in zwei Täschchen gepackt.“

Oral ist vorbereitet, hat ein klares Ziel vor Augen. Den Aufstieg mit dem FC Ingolstadt, der er zum dritten Mal coachen darf. „In erster Linie fühle ich mich geehrt und bin sehr dankbar für die Anstellung. Der Verein begleitet mich mein ganzes Leben lang.“ Ausmerzen will er nun den Abstieg aus der 2. Liga. Etwas verspätet, nachdem er vor einem Jahr nach seiner gescheiterten Mission wieder ging und den Umbruch aus „diversen Gründen“, wie er sagt, nicht mit einleiten wollte.

3. Liga: FC Bayern II ist beste Rückrundenmannschaft

Jetzt ist seine Motivation groß, wieder auf die Trainerbank zurückzukehren. „Das Kribbeln war sofort da, als am Montag der Neustart endgültig besiegelt wurde“, sagte Oral. Er wird pathetisch, wenn er über seine Freude spricht. „Wir dürfen endlich wieder das machen, was unsere Liebe und Leidenschaft ist. Daher sollten wir mit Demut an die Sache herangehen, um den Re-Start hinzubekommen.“

Extra Motivationstricks für seine Spieler, wie sie Oral früher angewandt hat, seien daher nicht nötig. Beim FSV Frankfurt ließ er die Spieler einmal durch eine Waschstraße laufen, beim FC Ingolstadt setzte er in der vergangenen Saison auf spezielle Armbändchen. „Derzeit ist nichts geplant. Die Gier sollte bei jedem da sein, endlich wieder Fußball spielen zu dürfen.“

Und über Fußball sprechen zu können. Denn das gehört dazu. Vor allem, wenn ein Trainer nach der Einstellung sein erstes Spiel bestreitet. Das System? „Wir sind flexibel, können mit zwei oder drei Stürmern spielen. Ich will mich nicht 100-prozentig festlegen.“ Die vielen englischen Wochen? „Das sind alles junge Burschen, die topfit sind. Mit der richtigen Regeneration wird es gehen. Probleme werden nur die Vereine bekommen, die einen negativen Lauf haben.“ Der Gegner, der das beste Rückrundenteam stellt? „Der FC Bayern II ist sehr offensivstark. Wir müssen Eigeninitiative zeigen. Wenn wir den Ball schnell und sauber laufenlassen, rechne ich uns gute Chancen aus.“ Und das Personal? „Alle sind gesund.“ Mit Ausnahme von Gordon Büch, der sich von seinem Kreuzbandriss erholt hat und bald ins Mannschaftstraining einsteigen wird.

FC Ingolstadt: Kutschke und Krauße fehlen gesperrt

Allerdings haben Robin Krauße und Kapitän Stefan Kutschke beim 1:1 in Halle vor der Corona-Pause ihre fünfte Gelbe Karte gesehen und fehlen gesperrt. Ein Problem? Oral: „Das ist nicht erfreulich. Dafür sind sie am Dienstag in Unterhaching wieder mit dabei.“ Sein Kader biete genügend Optionen. Und die Vorbereitung? „Sie war zäh und hat sich lange gezogen.“ Nach wochenlanger Heimarbeit und Training in Kleingruppen seien alle glücklich gewesen, wieder normales Mannschaftstraining absolvieren zu dürfen. Bleibt das Thema Geisterspiele. Oral hat in seiner ersten Amtszeit beim FCI bereits eines erlebt, als in Dresden keine Zuschauer zugelassen waren. Man habe eine Nadel fallen hören, weshalb sich Oral einschränken will. „Ich muss aufpassen, was ich sage.“

Wohl noch nie hatte ein neuer Trainer mehr Vorbereitungszeit auf sein erstes Spiel. „Ich flachse immer mit Tomas, dass es Zeit für ihn wird, Punkte zu holen. Solange hat noch kein Trainer dafür gebraucht“, scherzte Michael Henke. Am Samstag will Oral damit anfangen.

Fakten zum Spiel

Saisonverlauf

Nach einer guten Hinserie, die der FC Ingolstadt auf Rang zwei beendete, klappte im Jahr 2020 nicht mehr viel. Nach einem 2:1 zum Auftakt gegen den 1. FC Kaiserslautern verloren die Schanzer vier Spiele hintereinander und holten zuletzt ein 1:1 in Halle. Im Anschluss wurde Trainer Jeff Saibene entlassen und durch Tomas Oral ersetzt. Als Fünfter sind die Aufstiegsränge aber noch in Reichweite. Der Rückstand auf den Zweiten Waldhof Mannheim beträgt lediglich zwei Punkte.

Der FC Bayern II, der Tabellensiebter ist, war vor der Corona-Pause in Topform und führt die Rückrundentabelle mit 19 Punkten aus acht Spielen an. Mit 52 Treffern stellt die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeness den besten Angriff der Liga. Als Vorteil für den FCI könnte sich erweisen, dass die Profis des FCB zeitgleich spielen. Dort saßen zuletzt einige Talente der „Zweiten“ auf der Bank.

Mögliche Aufstellungen

FC Ingolstadt Buntic – Ananou, Paulsen, Antonitsch, Kurzweg – Keller, Thalhammer – Beister, Gaus – Eckert Ayensa, Kaya.

FC Bayern München II Früchtl – M. Yilmaz, Feldhahn, Richards, Köhn – T. Kern, Stiller, Singh – Jeong – Arp, Wriedt.



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