FC Ingolstadt

30.05.2019

Ein Abstieg mit bitteren Folgen

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Fassungslosigkeit: Der FC Ingolstadt ist in die 3. Liga abgestiegen.
Bild: Roland Geier

Der FC Ingolstadt muss nach der verlorenen Relegation in die 3. Liga. Der Verein verliert viele Millionen Euro, Mitarbeiter müssen gehen, das Gesicht der Mannschaft wird sich verändern. Die Auswirkungen sind immens.

Noch bis vor zwei Jahren spielte der FC Ingolstadt in der Bundesliga. Seit Dienstagabend herrscht nur noch große Leere. Nach der verlorenen Relegation gegen den SV Wehen Wiesbaden steht für die Schanzer der bittere Gang in die dritte Liga an – der Tiefpunkt eines rasanten Absturzes.

„Wir haben viele Fehler gemacht“, sagte Vereinschef Peter Jackwerth und zählte die Personalrochaden während der Saison auf. Mit Stefan Leitl, Alexander Nouri und Jens Keller mussten drei Trainer gehen. Auch Sportdirektor Angelo Vier und Geschäftsführer Harald Gärtner verließen den Verein. Eine Horrorsaison, die letztlich im Abstieg mündete und den Gang in die Drittklassigkeit bedeutet.

Die Neuburger Rundschau zählt die bitteren Folgen für den Verein auf.

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Finanzen Die Folgen des Abstiegs kommen finanziell einem Erdrutsch gleich. Der Gesamt-Etat des FC Ingolstadt betrug knapp 40 Millionen Euro. Der Profi-Etat dürfte bei knapp 18 Millionen Euro gelegen haben. Summen, die in der 3. Liga nicht annähernd zu halten sind. Rund 18 Millionen Euro erhielt der FC Ingolstadt allein aus Fernsehrechten und befand sich damit in der Spitzengruppe der 2. Liga. Dabei profitierte er bei den Verteilungskriterien von seinen zwei Jahren in der Bundesliga. Wären es in einer weiteren Zweitligasaison noch 14 Millionen gewesen, sind es in der 3. Liga lediglich noch knapp 1,4 Millionen Euro. 800000 aus TV-Rechten, 600000 aus einem Ausgleichsfond, den die DFL an die Absteiger zahlt. Auch die Einnahmen aus Sponsorenverträgen werden sinken, viele Verträge müssen neu verhandelt werden. Zudem ist bei den Zuschauereinnahmen mit erheblichen Einbußen zu rechnen.

Mannschaft Der Kader in der vergangenen Spielzeit war im Vergleich zu anderen Zweitligisten teuer. Die aktuelle Mannschaft ist allen wegen der finanziellen Einbußen nicht mehr zu bezahlen. Hinzu kommt, dass viele Verträge in der 3. Liga ihre Gültigkeit verlieren. Die Leistungsträger Almog Cohen, Sonny Kittel und Dario Lezcano können den Verein ablösefrei verlassen. Geld durch Transfereinnahmen bleibt damit aus. Sie werden nicht die einzigen sein, die sich nach neuen Aufgaben umsehen. Es ist schwer vorstellbar, dass Profis wie Mergim Mavraj, Björn Paulsen oder Stefan Kutschke, um nur einige Beispiele zu nennen, auch kommende Saison für den FC Ingolstadt auflaufen. „Die Spieler werden sich umschauen“, sagt Jackwerth und ergänzt: „Mal schauen, ob wir den ein oder anderen halten können.“ Mit Thomas Pledl hat ein Akteur seinen Abschied bereits vor einigen Wochen verkündet. Er wechselt ablösefrei zum Bundesligisten Fortuna Düsseldorf. Für den von Hannover 96 ausgeliehen Torhüter Philipp Tschauner gab es im Fall des Klassenerhalts eine Kaufoption. Diese verfällt nun. „Die restlichen Spieler und die aus einer Leihe zurückkommen, werden die neue Mannschaft bilden“, sagt Jackwerth. Verliehen waren in der abgelaufenen Saison Maximilian Thalhammer (Jahn Regensburg), Takahiro Sekine (VV St. Truiden), Romain Brégerie (1. FC Magdeburg), Agyemang Diawusie (SV Wehen Wiesbaden) und Charlison Benschop (De Graafschap). Es erscheint fraglich, ob alle über Drittligaverträge verfügen und wer in diesem Fall überhaupt zurückkommt. Fakt ist, dass die neue Mannschaft nicht mehr viel mit der gemein haben wird, die den Abstieg in die 3. Liga zu verantworten hat. Doch die Zeit drängt. Die neue Spielzeit in der 3. Liga beginnt am 19. Juli. Vorbereitungsstart wird Mitte Juni, also in knapp zwei Wochen, sein. Noch offen ist, wer sich um die Zusammenstellung des Kaders kümmert, da die sportlichen Führungspositionen unbesetzt sind.

Sonny Kittel ist bedient.
Bild: Roland Geier

Sportliche Führung Der FC Ingolstadt ist im sportlichen Bereich derzeit führungslos. Es stehen weder ein Geschäftsführer Sport, ein Sportdirektor noch ein Trainer unter Vertrag. Die Kontrakte von Coach Tomas Oral und dessen Assistenten Michael Henke enden. Sicher aufhören wird Sportdirektor Thomas Linke, der den Job seit Anfang April lediglich Übergangsweise ausübte. Er wird sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen, könnte künftig eine Aufgabe im Aufsichtsrat des FCI übernehmen. „Ich wünsche den Verantwortlichen ein gutes Händchen für die Entscheidungen der Zukunft und dem ganzen Verein nur das Beste“, sagte Oral nach der Niederlage gegen Wehen Wiesbaden. Ob er und Michael Henke weitermachen wollen beziehungsweise dürfen, ist nicht geklärt. Priorität genießt die Suche nach einem neuen Sportdirektor. Peter Jackwerth ist nicht abgeneigt, mit Oral in die 3. Liga zu gehen: „Er ist sicherlich eine Option.“

Arbeitsplätze Wo Einnahmen verloren gehen, sind Einsparungen nicht zu vermeiden. Daher können nicht alle Arbeitsplätze der Fußball GmbH (knapp 140 Stellen) erhalten werden. Auch der e.V. des FC Ingolstadt, dem die Jugendmannschaften bis zur U16, die Frauenteams und viele Trainer zugehören, ist betroffen. „Es geht um Arbeitsplätze. Wir sind abhängig vom sportlichen Erfolg“, sagte Franz Spitzauer, Geschäftsführer Finanzen, bereits vor einigen Wochen. Zunächst sind Angestellte mit befristeten Kontrakten, die nicht verlängert werden, die Leidtragenden.

Hört als Sportdirektor auf: Thomas Linke.
Bild: Roland Geier

Nachwuchs Durch den Abstieg der Profis aus der 2. Liga muss die U21 in die Bayernliga zwangsabsteigen, da Zweitvertretungen von Drittligisten nicht in der Regionalliga antreten dürfen. Bedenkt man, dass die A-Jugend in der Bundesliga Südwest die Saison als Dritter noch vor Bayern München beendete und Talente bietet, stellt dieses Szenario einen erheblichen Rückschlag für den Verein dar. „Unser Augenmerk muss darauf liegen, dass die Altersklasse U19 künftig die Spieler bringt, die wir in der 3. Liga brauchen“, sagt Jackwerth.

Ausrichtung Trotz aller Schwierigkeiten betonte Spitzauer jüngst, dass der FC Ingolstadt gut aufgestellt sei. „Wir schreiben seit 2010 schwarze Zahlen und haben Kapitalreserven.“ Rücklagen, die noch aus Bundesligazeiten, als „gut gewirtschaftet“ wurde, übrig geblieben seien. „Wir werden alles tun, um wieder nach oben zu kommen.“ Der Lizenzspieler-Etat in der 3. Liga soll um die sechs Millionen Euro betragen. Damit würden die Schanzer im vorderen Feld liegen.

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