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FC Ingolstadt

17.01.2021

FCI-Sportdirektor Henke: „Wir holen keinen Spieler wegen dessen Namen“

Gespannt vor dem bayerischen Derby: Sportdirektor Michael Henke ist mit dem FC Ingolstadt am Montagabend im Spitzenspiel der 3. Liga bei 1860 München zu Gast.
Bild: Roland Geier

Plus Michael Henke spricht vor dem Spiel des FC Ingolstadt bei 1860 München über das bayerische Derby, den Stellenwert der Partie und die Verpflichtung von Caiuby.

Herr Henke, der ehemalige Schanzer Stefan Lex hat gesagt, das bayerische Duell sei nur für Ingolstadt ein Derby, für 1860 München weniger. Wie sehen Sie das Aufeinandertreffen?

Michael Henke: In jedem Fall ist es ein bayerisches Derby. Wenn bei 1860 nur die Duelle mit dem FC Bayern als Derby angesehen werden, ist das ihr gutes Recht. Für mich sind alle unsere Derbys hier in Bayern nahezu gleichberechtigt.

Also hat das Spiel für Sie einen speziellen Stellenwert?

Henke: Auf jeden Fall. Einerseits arbeiten wir mit den bayerischen Konkurrenten gut zusammen, etwa aktuell in Zeiten von Corona. Sei es mit 1860, Unterhaching, auch mit dem FC Bayern. Und trotzdem besteht eine Rivalität, wenn man gegeneinander spielt. Die ist auch mit Sechzig sehr ausgeprägt.

In „normalen Zeiten“ wäre das Grünwalder Stadion am Montag mit 15000 Zuschauern ausverkauft, die Stimmung wäre super. Wird einem in so einer Partie zusätzlich bewusst, was im Fußball derzeit fehlt?

Henke: Ja. Am meisten würde ich mich aber über unsere eigenen Fans freuen. Sowohl im Stadion als auch beim Training, wodurch die Verbundenheit besser dokumentiert würde. Auf einen Spieltag bezogen, ist es immer besonders, in einer heißen Atmosphäre zu spielen. Und die ist bei Sechzig sehr ausgeprägt. Da fällt es dann umso mehr auf, wenn das Stadion leer ist.

Hitzig könnte die Partie auch wegen der Tabellensituation werden. Es trifft der Dritte auf den Zweiten. Mit einem Sieg könnte der FCI bereits auf sieben Punkte davonziehen. Lässt sich zu diesem Zeitpunkt bereits von einem Schlüsselspiel sprechen?

Henke: Nein, das glaube ich nicht. Es soll jetzt keine Phrase sein, entspricht aber den Fakten. Bei der engen Tabellenkonstellation in der 3. Liga ist jedes Spiel wichtig. Am Montag entscheidet sich absolut gar nichts, weder in die eine noch in die andere Richtung. Dennoch ist es natürlich ein wichtiges Spiel. Der Sieger, der dazu ein gutes Spiel macht, steigert den Respekt der restlichen Liga. Das ist auch ein Aspekt, den man sehen muss.

Sind Sie überrascht, dass Sechzig erneut eine gute Rolle spielt?

Henke: Ich habe damit gerechnet, weil sie Stützen wie Sascha Mölders oder Stefan Lex gehalten haben. Für mich war klar, dass Sechzig mit seinen Ansprüchen oben mitspielt.

Auch der FCI ist oben dabei und mit zwei Siegen ins neue Jahr gestartet. Wie sehen Sie Entwicklung der eigenen Mannschaft?

Henke: Die Entwicklung ist schon die ganze Saison über gut, wir scheinen uns zu stabilisieren. Das ist ein Ergebnis davon, dass wir unseren Weg konsequent weitergegangen sind. Wir haben einige sehr junge Spieler, dazu erfahrene, die den Laden zusammenhalten. Unser Vorteil ist, dass wir im Sommer nicht viel verändern mussten. Die Mannschaft ist eingespielt, das Team kennt das Trainerteam, die Trainer kennen die Spieler.

Sie haben die jungen Spieler angesprochen. Mit Thomas Keller, Filip Bilbija, Merlin Röhl und Fatih Kaya standen beim 2:0 in Zwickau vier Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Startelf. Macht sie das besonders stolz?

Henke: Es bestätigt uns, dass wir nicht so ganz falsch liegen mit unserem Weg, den wir nach dem Abstieg eingeleitet haben. Auch durch Rückschläge, die zwangsläufig kommen, darf man sich davon nicht abringen lassen, weil es uns als Verein nachhaltig besser macht. Denn letztlich ist man immer von Ergebnissen abhängig. Insgesamt freut mich die Entwicklung der jungen Spieler natürlich sehr.

Mit 32 Jahren gehört Caiuby nicht zu den jungen Spielern. Was sprach für die Verpflichtung?

Henke: Wir haben nie gesagt, dass wir den Jugendwahn ausbrechen lassen und immer betont, wie wichtig erfahrene Spieler sind, die auf die Jungen wirken können. Caiuby wird diese Rolle mit seiner ganzen Erfahrung, die er im Fußball gesammelt hat, zufallen. Er hat in Ingolstadt seine fußballerische Heimat und macht bisher einen guten Eindruck. Seine sportlichen Qualitäten sind unbestritten.

Dennoch haben Sie zunächst die Entwicklung im Training abgewartet...

Henke: Er war alles andere als in einem desolaten Zustand, hatte keine fünf oder zehn Kilo Übergewicht und konnte sein Programm gleich starten, als er bei uns angekommen ist. Es darf aber auch nicht außer Acht gelassen werden, dass er über 30 Jahre alt ist und eineinhalb Jahre ohne Wettkampf war. Da macht man nicht eben mal einen Check, sondern will ihn über einen längeren Zeitraum sehen. Fußballerische Fitness entwickelt sich nicht über drei Tage, wenn sie mal verloren ist. Da benötigt es Zeit.

Caiubys Verpflichtung hat dem FCI viel Aufmerksamkeit beschert. Sehen Sie darin ein Risiko oder eher eine Chance?

Henke: Wir machen grundsätzliche keine Transfers der Optik wegen und holen keinen Spieler wegen dessen Namen. Das ist zu kurz gedacht. Außer positiven Schlagzeilen hat man nichts davon. Wir holen die Spieler ganz gezielt und glauben an die Qualitäten von Caiuby, die uns in unserer Situation helfen können. Wir wollen eine Win-Win-Sutiation daraus machen. Wir helfen ihm, fußballerisch auf die Beine zu kommen, und er hilft uns, unsere sportlichen Ziele zu erreichen.

Also hat er sich bisher nichts zu Schulden kommen lassen?

Henke: Nein, gar nichts. Er ist sehr professionell in allen Belangen und Details, die dazugehören. Er hat die Chance für sich gesehen und ergriffen, sich fit zu machen und mit unserer Hilfe auf sein altes Niveau zu kommen. Klar ist auch, dass so ein Spieler einen gewissen Respekt beim Gegner genießt, wenn er aufläuft. Wenn er aber kein Gas gibt oder nicht in der Lage ist, Gas zu geben, hat es sich mit dem Respekt relativ schnell erledigt. Das wissen wir, das weiß Caiuby. Keiner unterschätzt die 3. Liga, auch wenn man Bundesliga gespielt hat.

Was zeichnet Caiuby sportlich aus?

Henke: Er ist körperlich robust, kopfballstark, hat eine gute Technik und nach wie vor gutes Tempo. Und natürlich seine Erfahrung, von der die Mannschaft profitieren wird.

Sind noch weitere Neuzugänge oder Abgänge geplant?

Henke: Wir beobachten den Markt permanent. Es kann sich immer etwas verändern. Wir haben Spieler, die sich mehr Spielzeit erhoffen. Im Moment deutet aber nichts darauf hin, dass uns ein Spieler verlässt. In diesem Fall müsste man eine Lösung finden und einen möglichen Abgang ersetzen. Wir haben auch nicht den Wunsch, noch etwas machen zu wollen oder müssen. Wenn sich aber etwas auftut, das passt, kann immer etwas passieren.

Zum Spiel 1860 München - FC Ingolstadt

Ausgangslage Der FCI ist Zweiter (34 Punkte) und kann mit einem Sieg Tabellenführer werden. 1860 ist Dritter (30 Punkte) und belegt den Relegationsplatz. Beide haben 18 Spiele absolviert und sind gut aus der kurzen Winterpause gekommen. 1860 gewann das Derby beim FC Bayern II mit 2:0, die Schanzer siegten 2:1 gegen den MSV Duisburg und waren im Nachholspiel beim FSV Zwickau mit 2:0 erfolgreich.

Bisherige Duelle In der 3. Liga gab es in der vergangenen Saison die bisher einzigen Duelle. In Ingolstadt trennte man sich 2:2, das Rückspiel in München gewannen die Schanzer am letzten Spieltag mit 2:1 und sicherten sich damit den Einzug in die Relegation. In den Zweitligaduellen haben die Löwen deutlich die Nase vorn. Sie gewannen sechs Spiele, fünf Partien endeten Unentschieden, nur einmal siegte der FCI. Die Schanzer gewannen indes das einzige Duell im DFB-Pokal.

Personal Fabian Greilinger wird Sechzig aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt fehlen. Verletzungsbedingt ausfallen wird weiterhin Tim Linsbichler. Dafür kehrt Stefan Lex ins Aufgebot zurück. Beim FCI fehlen noch immer Tobias Schröck, Dominik Franke und Maximilian Beister. Kapitän Stefan Kutschke kehrt nach seiner Gelbsperre zurück. Vor seinem Debüt steht Caiuby. „,Kai-Uwe hat die vergangenen Tage voll mittrainiert und wird in München dabei sein. Wir haben mit ihm eine richtig geile Alternative von der Bank“, sagt Trainer Tomas Oral.

Mögliche Aufstellungen

1860 München Hiller – Steinhart, Salger, Belkahia, Wilsch – Moll, Biankadi, Tallig, Neudecker, Lex – Mölders.

FC Ingolstadt Buntic – Heinloth, Paulsen, Keller, Gaus – Krauße, Stendera – Röhl, Bilbija – Kutschke, Eckert Ayensa.

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