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FC Ingolstadt

26.05.2020

FCI-Sportdirektor Henke über klagende Drittligisten: "Diese Vereine sind selbst schuld"

Es geht wieder los: Sportdirektor Michael Henke ist erleichtert, dass die 3. Liga den Spielbetrieb wieder aufnimmt. Zum Start trifft der FC Ingolstadt am Samstag auf den FC Bayern München II.
Bild: Roland Geier

Plus Michael Henke spricht vor dem Neustart über die Lage beim FC Ingolstadt, das Ziel Aufstieg und das Pulverfass 3. Liga. Warum er keine Wettbewerbsverzerrung sieht.

Seit Montag steht endgültig fest, dass die 3. Fußball-Liga den Spielbetrieb am Wochenende wieder aufnimmt. Für den FC Ingolstadt beginnt die Schlussphase der Saison am Samstag (14 Uhr) mit einem Heimspiel gegen den FC Bayern München II. Die Neuburger Rundschau hat sich mit Sportdirektor Michael Henke über die Diskussionen unter den Vereinen, das Saisonziel und den Trainerwechsel zu Tomas Oral unterhalten.

Herr Henke, wie erleichtert sind Sie über die Entscheidung des DFB-Bundestages, dass die 3. Liga ab Samstag den Spielbetrieb fortsetzen darf?

Michael Henke: Sehr erleichtert. Wir hatten zwar im Vorfeld von allen Seiten Signale bekommen, dass die Ansage des DFB bestätigt wird und normalerweise nichts mehr passieren kann. Trotzdem weiß man nie, wie die Abstimmung am Ende ausfallen wird. Deshalb habe ich die Veranstaltung gespannt verfolgt und bin froh über den Ausgang.

FCI-Sportdirektor Henke über klagende Drittligisten: "Diese Vereine sind selbst schuld"

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat zu Beginn eine Rede gehalten, in der er von einem unwürdigen Schauspiel in der 3. Liga, das unerträglich und so nicht länger hinzunehmen sei, gesprochen hat. Haben Sie die Diskussionen ähnlich wahrgenommen?

Henke: Ja, das habe ich. Es kann nicht sein, dass einige Vereine sich in der Öffentlichkeit wochenlang nur mit einem Abbruchszenario beschäftigen. Ich hatte für einige Argumente, die genannt wurden, keinerlei Verständnis. Der Auftrag von allen sollte doch sein, alles dafür zu tun, dass ein sportlicher Wettbewerb ausgetragen werden kann.

Glauben Sie, dass einige Vereine aus rein sportlicher Sicht - entweder um nicht abzusteigen oder einen Aufstieg zu erzwingen - einen Abbruch forcieren wollten?

Henke: Zunächst: Wenn man nichts beweisen kann, sollte man mit Äußerungen vorsichtig sein. Mir kamen aber ein paar Dinge in der ganzen Diskussion merkwürdig vor. Wenn ein Verein etwa über ein neues und modernes Stadion verfügt, aber das Hygienekonzept darin nicht umsetzbar sein soll. Bei Zweitligist Darmstadt, dessen Stadion gerade eine Baustelle ist, ist es hingegen möglich. Fakt ist aber auch, dass die klare Mehrheit der Drittligisten die Saison fortsetzen wollte. Und das ist das Entscheidende.

Rainer Koch befürchtet Anwaltsschreiben einiger Vereine. Steht das Saisonende überhaupt auf sicheren Füßen?

Henke: Der DFB hat eine entsprechende Rechtsabteilung. Ohnehin würde ich allen Vereinen empfehlen, sich auf den sportlichen Wettkampf zu konzentrieren und die Spielchen wegzulassen, weil dann der deutsche Fußball der Verlierer ist. Juristen sollten nicht das Sagen haben.

Mal angenommen, es tritt in der 3. Liga ein Fall wie bei Dynamo Dresden ein, als das gesamte Team in zweiwöchige Quarantäne musste. Gibt es eine klare Ansage des DFB, was in diesem Fall passieren würde, da der Terminplan doch ehr eng ist?

Henke: Ich gehe davon aus, dass die Voraussetzungen geschaffen sind, mit Zwischenfällen klarzukommen. Arbeitsrechtliche Konsequenzen, was Verträge angeht, wenn die Saison verlängert und bis Mitte Juli gespielt werden würde, müssten noch geregelt werden.

Kommen wir zum Sportlichen: Macht die Mannschaft des FC Ingolstadt einen fitten Eindruck für den Neustart?

Henke: Ich glaube, wir haben alles dafür getan, was möglich war. Zunächst haben die Spieler daheim gearbeitet, dann im Kleingruppentraining und zuletzt wieder in vollwertigem Mannschaftstraining. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft körperlich und mental bereit und heiß darauf ist, wieder zu spielen.

Reichen die wenigen Einheiten, um fünf englische Wochen am Stück zu absolvieren?

Henke: Mehr Einheiten wären natürlich wünschenswert. Aber man muss mit der Situation klarkommen. Die Voraussetzungen sind für alle gleich und keiner hat einen Vorteil.

Manche Vereine kritisieren, dass sie wegen behördlicher Vorgaben nicht ins Training einsteigen durften und sprechen von Wettbewerbsverzerrung...

Henke: Ich glaube, diese Vereine sind selbst schuld, denn wenn man wirklich will, gibt es Lösungen, auch wenn die zugegeben nicht immer einfach sind. Wenn ich mich aber hauptsächlich damit beschäftige, dass die Saison abgebrochen wird, dann liege ich mit meiner Vorbereitung zwangsläufig hinter Mannschaften, die sich seit Wochen mit dem Szenario beschäftigen, dass irgendwann wieder gespielt wird.

Elf Spiele sind noch auszutragen, der FC Ingolstadt ist Fünfter. Das Ziel Aufstieg wurde inzwischen klar formuliert...

Henke: Es macht auch keinen Sinn, etwas anderes zu sagen. Wir haben darum gekämpft, dass weitergespielt wird, auch weil wir die Chance sehen, im sportlichen Wettkampf aufzusteigen. Die Saison wird noch sehr spannend, weil sechs, sieben oder acht Mannschaften diese Möglichkeit sehen.

Sie gehen mit Tomas Oral in den Endspurt, der just einen Tag vor der Saisonunterbrechung den entlassenen Jeff Saibene ersetzte. Wie sehen Sie im Nachhinein den Trainerwechsel zu diesem Zeitpunkt?

Henke: Es war nicht absehbar, dass die Saison stillgelegt wird und ein Trainerwechsel keinen Sinn ergeben könnte. Wir waren zu diesem Zeitpunkt der festen Überzeugung, dass wir mit einem neuen Trainer weitermachen und eine Woche später wieder spielen, was bekanntlich nicht eingetreten ist. Trotzdem stehe ich zu der Entscheidung. Der Fußball ging schließlich weiter. Erst mit Training, jetzt auch wieder mit Spielen. Ich flachse immer mit Tomas, dass es Zeit für ihn wird, Punkte zu holen. Solange hat noch kein Trainer dafür gebraucht (schmunzelt).

Beim FC Ingolstadt läuft am 30. Juni nur ein Spielervertrag aus. Sehen Sie das als Vorteil, da sie ligaunabhängig Planungssicherheit haben, oder geht Ihnen die Flexibilität verloren, auf die Auswirkungen der Corona-Krise reagieren zu können?

Henke: Ich sehe es als Vorteil, weil wir Planungssicherheit haben und die Mannschaft eingespielt sein wird. Wir hatten im vergangenen Sommer nach dem Abstieg einen großen Umbruch, ein neuerlicher wäre nicht förderlich. Das zeigt die Erfahrung.

Maximilian Thalhammers Vertrag endet am 30. Juni. Gibt es eine Tendenz, ob er bleibt?

Henke: Wir sind permanent im Gespräch. Ich bin optimistisch, dass wir es irgendwie hinkriegen. Klar ist aber auch, dass es das Recht eines jeden Spielers ist, bei einem auslaufenden Vertrag in den Gesprächen mit dem Verein die für sich beste Lösung zu finden.

Was wäre zum Auftakt gegen den FC Bayern München II ein gelungener Neustart?

Henke: Vor der Pause war der FC Bayern II die stärkste Mannschaft der Liga. Wie es jetzt aussieht, ist schwer vorherzusagen. Aber: Wir spielen zu Hause, haben Ziele, können personell fast aus dem Vollen schöpfen und werden alles dafür tun, um zu gewinnen. Das Spiel wird gleich ein richtiger Test für uns.

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