FC Ingolstadt

28.07.2019

Jung und erfolgreich

Junge Überflieger: Die beiden 19-jährigen Thomas Keller (links) und Georgios Pintidis (rechts) lieferten im Heimspiel gegen den MSV Duisburg (Mitte Petar Sliskovic) eine vorzügliche Leistung ab.
Bild: Roland Geier

Beim 3:2-Erfolg im „Absteiger-Duell“ gegen den MSV Duisburg stehen in der Schlussphase vier 19-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs auf dem Feld. Wie die FCI-Anhänger diesen „neuen Weg“ annehmen

Wer in diesen Tagen und Wochen auf der Suche nach der neuen Mentalität und Philosophie beim Zweitliga-Absteiger FC Ingolstadt ist, für den lieferte das erste Drittliga-Heimspiel der Saison 2019/2020 gegen den MSV Duisburg ein nahezu perfektes Abbild. Oder genauer gesagt eine ganz bestimmte Szene, die sich in der 90. Minute dieser am Ende fast schon dramatischen Partie abspielte. Mit der 3:2-Führung im Rücken stemmten sich die Schützlinge von Cheftrainer Jeff Saibene bereits völlig ausgepumpt und mit aller Macht gegen den drohenden Ausgleich. Und dieser wäre dem Mitabsteiger in dieser besagten letzten Minute auch beinahe geglückt, hätte Thomas Keller nicht innerhalb von wenigen Sekunden mit zwei spektakuläre Grätschen den bereits durchgebrochenen MSV-Akteuren jeweils den freien Weg in Richtung Torhüter Fabijan Buntic versperrt.

„Thomas hat das insgesamt sehr gut gemacht und wie ein 30-jähriger englischer Innenverteidiger gespielt“, geriet auch Saibene nach der Begegnung regelrecht ins Schwärmen. Dass es sich bei Keller jedoch nicht um einen ausgebufften Routinier mit Premiere-League-Erfahrung, sondern vielmehr um einen von insgesamt vier (!) 19-jährigen Akteuren aus dem eigenen Nachwuchs (Georgios Pintidis, der bereits in der neunten Minute für den am Oberschenkel verletzten Michael Heinloth eingewechselt wurde, sowie Filip Bilbija und Patrick Sussek), die in den entscheidenden „heißen“ Schlussphase gegen Duisburg auf dem Platz standen, handelte, unterstreicht die im Vorfeld dieser Spielzeit angekündigte Marschroute des „neuen FC Ingolstadt“.

„Ich finde es einfach überragend, wenn man solch junge Spieler aus der eigenen Jugend pushen und aufstellen kann. Das gibt dem Verein viel Freude und sorgt, wie man gesehen hat, für Begeisterung bei den eigenen Fans. Und genau daran wollen wir festhalten“, erklärt Saibene, der in diesem Zusammenhang jedoch auch seinen „Etablierten“ wie Stefan Kutschke, Björn Paulsen oder Neuzugang und Doppeltorschütze Maximilian Beister ein großes Kompliment aussprach. „Unsere Jungen können nur deshalb so gut spielen, weil sie solche Leadertypen an ihrer Seite haben. Und dieser Mix passt einfach im Moment“, so der FCI-Coach weiter. Dass dieser eingeschlagene Weg auch vom eigenen Anhang mitgetragen und unterstützt wird, wurde im Absteiger-Duell mit dem MSV Duisburg deutlich. Der überwiegende Großteil der 5697 Zuschauer – sofern sie Ingolstädter Fans waren – murrte nicht etwa bei Fehlpässen oder als es zum Schluss drunter und drüber ging. Vielmehr wurde jeder Torabschluss oder auch jede geglückte Rettungstat wie ein geblockter Schuss mit Körper und Gesicht (Keller) sowie erfolgreiche Grätsche mit viel Beifall von den Rängen honoriert.

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„Es macht einfach unglaublich viel Spaß, ein Teil dieser Truppe zu sein und dann auch noch in den ersten beiden Saisonpartien jeweils von Beginn an auf dem Platz zu stehen“, strahlte Youngster Thomas Keller, der in der vergangenen Saison noch in der Regionalliga-Truppe des FCI verteidigte, über das ganze Gesicht. Am vergangenen Montag Jena, am Samstag Duisburg, am morgigen Dienstag (19 Uhr) Kaiserslautern – und der gebürtige Münchner, der im Jahr 2017 von der SpVgg Unterhaching zur U19 der Schanzer gewechselt ist, stets mittendrin! „Ehrlich gesagt kann ich das manchmal überhaupt noch nicht glauben, wie schnell alles gegangen ist“, berichtet Keller, der trotz seines persönlichen Aufstiegs „weiter auf dem Boden bleiben und auf dem Feld alles reinwerfen möchte, was in meiner Macht steht.“

Reichlich Unterstützung erhält das Talent dabei von seinem neun Jahre älteren Innenverteidiger-Partner Björn Paulsen. „Mit seiner enormen Erfahrung und Präsenz ist Björn für mich extrem wichtig. Wir sprechen sowohl auf als auch neben dem Platz viel miteinander. Zudem weiß ich, dass ich mich auf ihn verlassen kann, wenn mir mal ein Fehler unterläuft“, sagt Keller, an dem jedoch momentan kein Weg vorbeiführt. Sei es für seinen Coach Jeff Saibene oder auch seine Gegenspieler. Davon können die MSV-Akteure in der 90. Minute ein Lied singen.

FC Ingolstadt: Buntic – Heinloth (9. Pintidis), Paulsen, Keller, Kurzweg – Beister (81. Sussek), Krauße, Gaus, Wolfram – Kutschke, Kaya (69. Bilbija).

MSV Duisburg: Weinkauf – Bitter, Boeder, Compper, Sicker – Albutat (62. Engin), Ben Balla (77. Sliskovic) – Stoppelkamp, Daschner, Krempicki – Vermeij (85. L.-J. Mickels).

Tore: 1:0 Kutschke (32.), 2:0 Beister (59.), 2:1 Daschner (60.), 3:1 Beister (71.), 3:2 Stoppelkamp (86.). – Schiedsrichter: Matthias Jöllenbeck (Freiberg am Neckar). – Zuschauer: 5697.

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