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FC Ingolstadt

21.02.2020

Marcel Gaus im Interview: „Wir müssen den Konflikt untereinander schüren“

Geht voran: Marcel Gaus ist Vizekapitän beim FC Ingolstadt. Am Samstag ist der 30-Jährige mit den Schanzern bei Hansa Rostock zu Gast.
Bild: Roland Geier

Plus Marcel Gaus spricht über die Rolle der erfahrenen Spieler beim FC Ingolstadt und den Umgang innerhalb einer Mannschaft. Warum es auch mal lauter werden darf.

Marcel Gaus, Sie haben bisher vier Tore erzielt, Ihr Rekord als Profi sind fünf für den 1. FC Kaiserslautern in der Saison 2016/17. Streben Sie Ihre persönliche Rekordsaison an?

Gaus: Ich hoffe es. Mein Ziel ist, noch das ein oder andere Tor zu erzielen. Man sollte immer ehrgeizig sein und sich Ziele stecken.

Sind Sie mit Ihrer persönlichen Saison insgesamt zufrieden oder sehen Sie noch Luft nach oben?

Marcel Gaus im Interview: „Wir müssen den Konflikt untereinander schüren“

Gaus: Was die vergangenen Spiele angeht, habe ich Luft nach oben. Ich bin noch nicht in der Verfassung wie zum Ende der Hinrunde. Man darf sich aber nicht alles schlechtreden lassen. Ich persönlich weiß, woran es liegt und woran ich arbeiten muss.

Wo sehen Sie die Gründe?

Gaus: Das sind oft Kleinigkeiten, die eine große Wirkung haben. Mir hat etwa eine Verletzung im Trainingslager einen Teil der Vorbereitung gekostet. Ausreden zählen aber nicht, da ich einen Anspruch an mich selbst habe. Maßstab ist die Form zum Ende der Hinrunde. Dafür muss ich auch in meiner Freizeit alles tun, muss meine Programme durchziehen, um Verbesserungen zu erzielen.

Vier Punkte hat der FC Ingolstadt in den vier Spielen im Jahr 2020 geholt, die vergangenen beiden Partien gingen verloren. Was läuft derzeit nicht so gut und wo muss angesetzt werden?

Gaus: Wir müssen den Fokus wieder auf das nächste Spiel legen und nicht an das große Ganze denken. Auch wenn es nach einer Floskel klingt, ist das ein entscheidender Punkt. Wir dürfen uns nicht davon ablenken lassen, was in Zukunft passieren kann. Auf dem Platz müssen wir uns wieder mehr Chancen erspielen als zuletzt. Gerade im eigenen Ballbesitz im letzten Drittel müssen wir mutiger sein. Auch die Abläufe in der Defensive müssen wir verbessern, da waren wir schon sattelfester. Ein Spiel wie gegen Uerdingen muss 0:0 ausgehen, wenn vorne kein Tor gelingt. Am Ende ist jeder Punkt wichtig. Die anderen Mannschaften sind auch nicht besser, das ist jede Woche zu sehen.

Immer wieder ist von Experten und im Umfeld zu hören, dass der FC Ingolstadt eh aufsteigt. Wie kommt diese Aussage in der Mannschaft an?

Gaus: Dieser Floh wurde uns ins Ohr gesetzt. Vom Umfeld, von den Medien, auch von Freunden und Bekannten, die die Saison verfolgen. Diese Aussage ist brandgefährlich und das, was wir nicht brauchen. Da müssen wir als Führungsspieler gegensteuern. Wir dürfen uns nicht erzählen lassen, wie gut wir sind. Denn wir sind nur gut, wenn wir 100 Prozent bringen. Und das haben wir zuletzt nicht geschafft.

Wie kann Ihrer Meinung nach gegengesteuert werden?

Gaus: In dem man ganz klar sagt, dass das nächste Spiel zählt. Ihr steigt eh auf, ihr steigt eh auf. Das führt im Unterbewusstsein vielleicht dazu, ein oder zwei Prozent weniger zu geben. Was dabei herauskommt, hat man in den vergangenen Spielen gesehen. Wir dürfen uns nicht in irgendeine Rolle drängen lassen, womit wir wieder beim Fokus sind. Wir haben nie über das große Ganze gesprochen und das wollen wir auch weiterhin nicht. Demut ist sehr wichtig.

Stefan Kutschke hat zuletzt gesagt, die erfahrenen Spieler sind gefordert. Wie sieht diese Rolle speziell aus?

Gaus: Es geht um die Art und Weise, wie wir spielen. Wir müssen immer marschieren, den Weg vorgeben, hart in den Zweikämpfen sein. Wir müssen den Jungen ein Anker sein. Wenn das nicht der Fall ist, wird es für sie schwierig. Dabei geht es nicht um fußballerische Brillanz, sondern um Körpersprache. Wir haben jede Menge Optimierungsbedarf. Gerade wir älteren Spieler müssen an uns arbeiten. Es darf nicht auf die Spieler gezeigt werden, die gerade 20 Jahre alt sind.

Als Sie selbst 19 Jahre alt waren, sind Sie mit Fortuna Düsseldorf in die 2. Liga aufgestiegen, kamen damals viermal zum Einsatz...

Gaus: Mein Fokus lag damals auf der Schule, da es mein letztes Abiturjahr war. Ich war nicht immer im Training dabei, erst am Ende der Saison. Es war eine unbeschreibliche, geile Zeit, die man natürlich nicht vergisst. Obwohl ich nur eine kleine Rolle hatte, war der Aufstieg in einem Verein wie Düsseldorf, der zuvor in der Oberliga verschwunden war, ein unbeschreibliches Gefühl.

Können Sie aus der damaligen Erfahrung für jetzt etwas mitnehmen?

Gaus: Der Umgang zwischen älteren und jungen Spielern hat sich etwas verändert. Dennoch ist klar, dass es ohne Hierarchie nicht geht, was wir im vergangenen Jahr gesehen haben. Jeder ist natürlich eingeladen, etwas zu sagen, aber am Ende müssen drei, vier erfahrene, alte Spieler den Weg vorgeben. Bisher sind wir in dieser Saison damit gut gefahren und müssen ein Stück weit dahin zurückkommen. Auch damals mit Düsseldorf ging es nicht immer bergauf, wir waren in der Winterpause nicht einmal in Schlagdistanz. Von Spiel zu Spiel wurde der Rückstand aufgeholt und es wurde deutlich, was mit Konstanz und einer Serie möglich ist. Lief ein Spiel nicht gut, gab es in der Kabine von den älteren Spielern laute, harsche Ansagen. Es wurde richtig Stimmung untereinander gemacht. Aufgrund dieser Intensität ist es gelungen, Spiele zu drehen. Kritik muss immer konstruktiv sein. Dann darf man nie böse sein, wenn der andere etwas sagt und sich in sein Schneckenhaus verziehen und beleidigt sein, sondern muss es annehmen. Da können wir noch eine Schippe drauflegen und den Konflikt untereinander ein bisschen mehr schüren.

Ist die FCI-Mannschaft zu brav?

Gaus: Zu brav würde ich nicht sagen. Man merkt, dass wir viele junge Spieler haben. Da entsteht nicht so viel Reibung, weil der Respekt von unten nach oben und den älteren gegenüber da ist. Wir müssen trotzdem schauen, dass wir, wenn es um die Sache geht, Kritik äußern. Auch von Gesicht zu Gesicht, um voranzukommen.

FC Ingolstadt: Thalhammer und Keller fehlen in Rostock

Der FC Ingolstadt hat vor dem Spiel am Samstag (14 Uhr) bei Hansa Rostock Probleme im defensiven Mittelfeld, weil sowohl Thomas Keller (Bänderanriss am Sprunggelenk) als auch Maximilian Thalhammer (Adduktorenprobleme) ausfallen. Hansa Rostock hat als Tabellenzehnter mit 35 Punkten lediglich sechs weniger als die Schanzer.

Mögliche Aufstellungen

Hansa Rostock Kolke – Riedel, Sonnenberg, Reinthaler – Neidhart, Pepic, Butzen, Scherff – Opuku, Breier, Hanslik.

FC Ingolstadt Buntic – Ananou, Paulsen, Antonitsch, Kurzweg – Beister, Krauße, Gaus, Sussek (Elva) – Eckert Ayensa, Kutschke.

Die Kritik von Stefan Kutschke nach dem Uerdingen-Spiel lesen Sie hier


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