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FC Ingolstadt

06.05.2015

Relegationswahnsinn und Schneestürme

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2 Bilder
Schneesturm: Manchmal ist das Wetter bei Fußballspielen eine Qual. Nicht nur für die Spieler, auch für die Journalisten.
Bild: Roland Geier

FCI-Serie Unser Mitarbeiter Roland Geier erzählt, warum er nach dem Sieg bei Hansa Rostock flüchten musste und manche Auswärtsfahrten quer durch die Republik zu Partien des FC Ingolstadt einem Höllentrip gleichen

Das Kind, das aus der Ehe zwischen den beiden Fußballvereinen ESV und MTV Ingolstadt geboren wurde, ist erwachsen geworden. Der FC Ingolstadt, der nach der Fusion 2004 in der Fußball-Bayernliga in Ingolstadt eine neue Epoche einleitete, steht bereits in seinem elften Jahr kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga. Von Anfang an und bis heute mit dabei ist unser Mitarbeiter Roland Geier, der in dieser Zeit viel erlebte. In unserer fünfteiligen Serie erzählt er von einigen Höhepunkten. Teil 3: Erlebnisse im Osten des Landes.

Ingolstadt Liebe zum Fußball oder nur verrückt? Das ist die Frage, wenn man in den fast elf Jahren nur etwa zehn Spiele des FC Ingolstadt versäumt hat und sonst mit Kamera und Laptop in allen Ecken des Landes im Norden, Süden, Osten und Westen unterwegs war, um über den FCI zu berichten.

Unsere dritte Folge spielt sich fast ausschließlich im Osten ab. Das sportlich größte Highlight war zweifelsohne der sofortige Wiederaufstieg in die 2. Liga, als die Schanzer in den Relegationsspielen der Saison 2009/2010 den 16. der 2. Liga FC Hansa Rostock in beiden Partien schlugen. Den Grundstock legten die Oberbayern im Hinspiel, als Steffen Wohlfarth im TUJA-Stadion den 1:0-Siegtreffer markierte. Endgültig versenkten die Oberbayern die Hansa-Kogge im Rückspiel, als sich Fabian Gerber mit seinem Doppelpack im Geschichtsbuch des FC Ingolstadt verewigte.

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Zum ersten Mal aber war mir dabei so richtig mulmig bei einem Fußballspiel. Die Stimmung war aufgeheizt bei den gefürchteten Hansa-Hooligans. Nach dem zweiten Treffer der Schanzer war es plötzlich still in der DKB-Arena. Als ein Kollege aus dem Norden dann noch sagte, dass ich nach dem Schlusspfiff schnell flüchten solle, um unbeschadet in den Presseraum zu kommen, war mir flau im Magen, da wir Fotografen über den Umweg durch das Marathontor flüchten mussten. Es krachte und schepperte um uns herum, doch wir entkamen der Meute, die vor dem Eingang wütete. Da war die Bierdusche im Anschluss in der Kabine der Schanzer-Akteure direkt angenehm.

Apropos Bierdusche: Unangenehmer war die schon in Dresden. Verwundert war ich, dass vor dem Dynamo-Block kein Fotograf zu finden war, obwohl da die besten Schnappschüsse gelingen. Doch Neugier siegt nicht immer. Ich versuchte es. Der Rückzug war schneller als die Entscheidung, die gelbschwarzen Regenschirme, die an der Bande hingen, zu benützen. Nicht nur volle Becher, auch Münzen hagelte es regelrecht von der gelben Wand herunter. Wieder mal was dazugelernt, darum der Grundsatz: „Lass immer erst einen andern ran!“

Bleiben wir im Osten. Der Winter im Erzgebirge ist ja bekanntlich schneereich und kalt, dass er auch äußerst nass sein kann, damit machte ich nicht nur einmal Bekanntschaft in Aue. Der Wind und der peitschende Regen zerfetzten den Schirm. Völlig durchnässt, den Bericht in einer besseren Baracke schreiben, die Bilder übertragen und dann völlig durchfroren die Heimreise antreten. Heizung auf volle Düse, Sitzheizung auf die höchste Stufe und man fühlt sich nach einer Weile wie in einer finnischen Sauna. Um beim Winter zu bleiben: Eine Horrorfahrt von mehreren Stunden stand mir in Cottbus bevor. Mit dem Anpfiff der Partie hatte es zu schneien angefangen. Bei der Rückfahrt hieß es dann, sich durch den 30 Zentimeter hohen Tiefschnee durchzukämpfen. Bis Dresden war nicht ein einziger Schneepflug in Sicht. Nach neun Stunden Kriechgang waren wir endlich zu Hause, mit der Gewissheit, dass der FC Ingolstadt den Klassenerhalt geschafft hatte. Teilweise haben wir Berichterstatter schwer zu kämpfen, damit der Zeitungsleser am folgenden Tag einen Bericht zum Spiel lesen kann.

So stand ich etwa einmal auf der Autobahn nur 800 Meter entfernt von der Ausfahrt zum Lübecker Stadion, in dem der FCI gegen den FC St. Pauli nach dessen Platzsperre antreten musste, drei Stunden im Stau. Eine halbe Stunde nach dem Anpfiff habe ich es dann doch geschafft, ins Stadion zu kommen. Verrückt, aber was gibt es schöneres, als in den Stadien die tolle Atmosphäre aufzusaugen.

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