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FC Ingolstadt

08.05.2020

Stefan Kutschke: „Ich hoffe, dass sich einiges ändern wird“

Der Kapitän in Aktion: Ob Stefan Kutschke (rechts) und seine Teamkollegen vom FC Ingolstadt in dieser Saison nochmals ins Geschehen eingreifen können, steht derzeit immer noch in den Sternen.
Bild: Roland Geier

Exklusiv Noch wissen Stefan Kutschke und seine Teamkollegen nicht, ob in der 3. Liga wieder gespielt wird. Im NR-Interview spricht der Kapitän und Familien-Vater über die aktuelle Situation, seine Sorgen und Hoffnungen.

Während die Fußball-Bundesliga und 2. Liga bereits am 16. Mai ihre abgebrochene Saison wieder aufnehmen, hängen die Klubs der 3. Liga – darunter auch der FC Ingolstadt – weiter in der Warteschleife. Während einige Vereine aufgrund der jeweiligen Länder-Bestimmung nach wie vor noch nicht auf den Platz zurückgekehrt sind, wird bei den Schanzern seit dem 8. April zumindest wieder in Kleingruppen (bestehend aus vier Spielern) trainiert. Wir haben uns mit Kapitän und Stürmer Stefan Kutschke über die momentane Situation unterhalten.

Herr Kutschke, wie sind Sie denn sowohl psychisch als auch physisch bislang durch diese Krise gekommen?

Kutschke: Zunächst einmal ist es vom Kopf her schon eine große Umstellung. In erster Linie betrifft es natürlich die Einschränkungen im täglichen Leben. Was zuvor völlig normal beziehungsweise eine Selbstverständlichkeit war, schätzt man nun auf einmal umso mehr. Ich muss zugeben, dass diese Umstellung bei mir schon einige Tage gedauert hat. Letztlich muss man aber einfach lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen und diese zu akzeptieren, da es schlichtweg keine Alternative dazu gibt. Was die physische Komponente betrifft: Klar haben wir in den ersten drei Wochen Laufpläne bekommen und mit unseren Fitness- und Athletik-Coach via Video-Konferenz regelmäßig Krafttraining gemacht. Das war aber schon ziemlich eintönig und gewöhnungsbedürftig (lacht). Zum Glück haben wir es ja überstanden – und es hat uns ja auch weitergebracht. Körperlich fühle ich mich – und da kann ich sicher auch für meine Teamkollegen sprechen – richtig gut.

Stefan Kutschke: „Ich hoffe, dass sich einiges ändern wird“

Wie nehmen Sie heute – Anfang Mai – diese Corona-Krise wahr beziehungsweise wie gehen Sie konkret damit um?

Kutschke: Nun, nachdem momentan nichts mehr so ist, wie es vorher war, muss man sich damit einfach arrangieren. Durch diese neue Situation werden die Menschen meiner Meinung nach auch zu mehr Eigenverantwortung getrieben. Sprich: Wo hält man sich auf oder wie kann man sich selbst und seine Mitmenschen schützen. Ich persönlich halte mich strikt an das, was von der Politik vorgegeben ist. Zum einen wird man ja bestraft, wenn man sich nicht daran hält. Zum anderen möchte man aber natürlich auch die Allgemeinheit unterstützen, dass es möglichst nicht zu weiteren Ansteckungen kommt.

Sie sind am 26. Februar Vater einer Tochter geworden. Haben Sie durch die Ausgangsbeschränkung und dem daraus resultierenden Daheimbleiben in den ersten Wochen dieser Krise die Zeit mit Ihrem neugeborenen Kind noch intensiver erlebt?

Kutschke: Ja, definitiv! Im Normalfall bist du ja ständig im Training, bei Auswärtsspielen, im Hotel oder auf anderen Terminen. Durch diese neue Situation war ich jetzt drei Wochen nonstop daheim und damit auch rund um die Uhr dabei. Wenn man so will, ist das für mich persönlich ein positiver Aspekt, aber die Pandemie war und ist nach wie vor schlimm!

Macht man sich denn als frischgebackener Papa – gerade was die Covid-19-Thematik betrifft – nun mehr Gedanken und auch Sorgen als zuvor?

Kutschke: Natürlich macht man sich da seine Gedanken, klar. Man denkt beispielsweise darüber nach, wie man die Familie am besten schützen kann. Gerade im Sport ist die Gefahr, sich anzustecken, grundsätzlich vorhanden, da man ja doch regelmäßig mit vielen Leuten zu tun hat. Daher achtet man aktuell schon noch mal gesonderter darauf, was in den eigenen Kreisen passiert.

Der FC Ingolstadt ist am 8. April auf den Rasen zurückgekehrt, wo seitdem in Kleingruppen gearbeitet wird. Nachdem die Anfangseuphorie darüber mittlerweile verflogen sein dürfte: Wie schwierig ist es mental, für eine bestimmte Situation – die Fortsetzung der Saison – zu trainieren, wovon man nicht weiß, wann und ob diese überhaupt eintreten wird?

Kutschke: Das ist definitiv eine Herausforderung, auf die man sich vom Kopf her entsprechend einstellen muss. Man bereitet sich auf eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor, aber niemand weiß, wann diese letztlich eintreten wird. Seit dem 8. April sind ja doch schon einige Wochen ins Land gegangen. Nachdem man das Ganze jedoch nicht beeinflussen kann, befindet man sich diesbezüglich im luftleeren Raum. Bei einer normalen Vorbereitung in der Winter- oder Sommerpause ist das hingegen völlig anders. Man weiß exakt den jeweiligen Zeitpunkt, an dem es losgehen wird. Von dem her ist das mental schon eine ziemliche Umstellung. Zudem muss man in der jetzigen Phase nochmals eine ganz andere Motivation aufbringen als in einem normalen Saisonverlauf. Ich bin überzeugt, dass diese Ausnahmesituation im Jahr 2020 mit Sicherheit niemand vergessen wird.

Wie sehr fehlt Ihnen diesbezüglich auch der direkte Kontakt zu Ihren Mannschaftskameraden?

Kutschke: Klar, der fehlt einem enorm. Durch dieses Training in Vierer-Gruppen kommst du mit den anderen Jungs so gut wie gar nicht mehr zusammen. Aber auch im Training selbst hat sich sehr viel verändert. Aufgrund der Abstands-Regelung kann man beispielsweise nicht mal abklatschen, geschweige denn Zweikampf-Übungen machen. Und auch so etwas muss erst einmal in deinen Kopf rein. Das ist definitiv nochmals eine andere Hausnummer.

Können Sie uns schildern, wie der momentan „normale“ Trainings-Alltag beim FC Ingolstadt ausschaut?

Kutschke: Nun, jeder kommt mit seinem Privat-Auto zum Trainingsgelände, wo zunächst Fieber gemessen wird. Es gibt vor Ort auch keine Trainingssachen. Diese muss jeder Spieler mitbringen beziehungsweise auch zum Waschen mit nach Hause nehmen. Treffpunkt auf dem Platz ist immer fünf Minuten vor dem Trainingsbeginn. Dort zieht man sich nur die Fußballschuhe an und fixiert noch schnell die „Pods“, die die Laufleistung wiedergeben. Trainingsinhalte sind dann zumeist Passübungen über weite Räume, um den Mindestabstand einzuhalten, oder auch Kraft-Einheiten, bei denen wir Handschuhe tragen müssen. Das alles ist schon eine große Umstellung.

Bild: fci

Am Mittwoch hat die Politik endgültig „grünes Licht“ für die Fortsetzung der Bundesliga und 2. Liga gegeben. Denken Sie, dass diese Entscheidung auch Signal-Wirkung für die 3. Liga hat?

Kutschke: Wir hoffen natürlich, dass das der Fall ist. Wie bereits gesagt, auch wenn niemand weiß, was passiert, arbeiten wir auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs hin. Denn wenn es tatsächlich wieder losgehen würde, müssen wir körperlich so fit sein, um die verbleibenden elf Partien bestmöglich zu absolvieren. Klar, die DFL (Bundesliga/2. Liga, Anm. d. Red.) und der DFB (in diesem Fall die 3. Liga) sind grundsätzlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Daher müssen wir Spieler uns in den nächsten Tagen einfach überraschen lassen, wie das Ganze umsetzbar ist.

Hand auf’s Herz: Wie groß ist Ihr Optimismus?

Kutschke: Man hofft selbstverständlich darauf, dem wieder nachgehen zu können, was man gerne macht – auch wenn andere Sachen momentan vielleicht eine wichtigere Rolle spielen. Aber auch das Fußball-Geschäft ist ja wichtig und in der Gesellschaft fest verankert. Auch andere Arbeitnehmer nehmen in diesen Tagen und Wochen wieder ihre Tätigkeit auf. Ich bin jedenfalls optimistisch, dass man am Ende eine einheitliche Regelung finden wird, die für alle fair ist.

Fest steht, dass bei einer Fortsetzung – ebenso wie in der Bundesliga – die Partien ohne Zuschauer stattfinden würden. Haben Sie persönlich schon Erfahrungen mit sogenannten „Geisterspielen“ gemacht?

Kutschke: Ich habe seinerzeit das „Geisterspiel“ zwischen Dynamo Dresden und dem FC Ingolstadt (2012) verfolgt. Da gab es ja damals über 40 000 „Geister-Tickets“. Persönlich habe ich bislang noch keines absolviert. Ich vergleiche das immer ein bisschen mit Testspielen, die man unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreitet. Aber auch darauf muss man sich vom Kopf her entsprechend einstellen.

In den vergangenen Wochen gab es in der Öffentlichkeit bezüglich eines möglichen Neustarts der Fußball-Bundesliga sehr leidenschaftliche und emotionale Diskussionen. Können Sie als Fußballer und damit direkt Betroffener auch die Einwände und Bedenken der „Gegner“ nachvollziehen und verstehen?

Kutschke: Ich denke, dass man bei solchen Debatten immer beide Seiten betrachten sollte. Zum einen gibt es die Befürworter in der Gesellschaft, die bei einer Fortsetzung natürlich auch den Wirtschaftsfaktor Bundesliga sehen. Zum anderen stellen die Gegner die Frage, warum denn die Fußballer unbedingt weiterspielen müssen. Von dem her kann ich auch beide Parteien und deren Argumente nachvollziehen. Ich freue mich, dass es weitergeht. Unter dem Strich hat die Politik jetzt die Entscheidung getroffen, dass die Bundesliga ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen darf. Und das sollte man dann respektieren und akzeptieren.

Angenommen, die Saison in der 3. Liga würde ebenfalls wieder aufgenommen werden: Würden Sie mit einem etwas flauen Gefühl im Magen angesichts einer möglicherweise höheren Infektions-Gefahr in die verbleibenden Partien gehen?

Kutschke: Im Falle eines Re-Starts würde ich definitiv den Tests vertrauen. Dadurch ist gewährleistet, dass wirklich nur Akteure spielen, die negativ getestet wurden. Aus diesem Grund würde es für mich auch keinen Unterschied geben, wie ich beispielsweise in einen Zweikampf gehe. Da wäre mit Sicherheit auch nicht im Hinterkopf, dass ich mich möglicherweise anstecken könnte, wenn ich meinem Gegenspieler zu nahe komme. Was das betrifft, wäre ich wirklich entspannt.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch einen Blick in die Zukunft werfen: Was denken Sie, wie sich der Fußball durch diese Corona-Krise verändern wird?

Kutschke: Ich hoffe wirklich, dass sich einiges ändern wird – und das nicht nur ausschließlich im Fußball! Gerade in der jetzigen Situation haben wir wieder eindrucksvoll vor Augen geführt bekommen, dass es Berufe gibt, die schlichtweg extrem wichtig sind. Ich spreche da unter anderem von Pflegekräften oder Ärzten. Was speziell den Fußball betrifft: Wir haben uns in Dimensionen bewegt, in denen die Zahlen aufgrund der Höhe oftmals gar nicht mehr zu greifen waren. Vielleicht hat diese Krise nun tatsächlich einen positiven Einfluss auf den Fußball-Markt in Europa beziehungsweise auf der ganzen Welt. Sei es bei Gehältern oder Ablösesummen – hier sollte man sich auch in zwei Jahren noch daran erinnern, was heute war. Und wenn ich derzeit Vertreter aus der Bundesliga oder 2. Liga höre, bin ich auch zuversichtlich, dass in diesem Bereich etwas bewegen wird.

Wobei der Mensch ja grundsätzlich eher dazu neigt, bei einer überstandenen Krisen-Situation oftmals in sein altes Muster zurückzufallen...

Kutschke: Ganz genau. Und daher wird es sehr interessant zu beobachten sein, wie lange dieses Umdenken bei den Vereinen letztlich anhalten wird. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass es so, wie es bislang gelaufen ist, nicht weiterlaufen kann.

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