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Fußball

17.05.2019

Stefan Leitl: „Das macht mich schon sehr stolz“

Hat mit der SpVgg Greuther Fürth vorzeitig den Klassenerhalt in der 2. Liga geschafft: Cheftrainer Stefan Leitl.
Bild: www.imago-images.de

Cheftrainer Stefan Leitl hat den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth zum Klassenerhalt geführt. Beim Saisonfinale am Sonntag gehen die Blicke auch in Richtung seines Ex-Klubs FC Ingolstadt

Herr Leitl, als gebürtiger Oberbayer waren Sie bis auf eine Ausnahme (Darmstadt) sowohl als Spieler als auch Trainer bislang ausschließlich in Oberbayern und Franken aktiv. Was unterscheidet denn grundsätzlich einen Oberbayer von einem Franken?

Leitl: (lacht) Der größte Unterschied ist sicherlich der Dialekt. Ansonsten ist der Franke von seiner Art her vielleicht ein bisschen kritischer. Aber letztlich sind wir ja alle Bayern und daher in der Summe größtenteils gleich. Persönlich fühle ich mich sehr wohl hier in Fürth. Ich bin von Vereinsseite extrem gut aufgenommen worden, kenne die Gegend hier ohnehin beziehungsweise auch etliche Leute. Von dem her ist mir das alles sehr leicht gefallen.

Als Sie das Traineramt am 5. Februar 2019 bei der SpVgg Greuther Fürth übernommen haben, gab es zu Beginn von einem kleinen Teil der Fanszene Vorbehalte gegen Ihre Person aufgrund Ihrer sportlichen Vergangenheit beim 1. FC Nürnberg (1999 bis 2001). Wie haben Sie das wahrgenommen?

Stefan Leitl: „Das macht mich schon sehr stolz“

Leitl: Nun, zum einen habe ich das während meiner ersten Partie als Cheftrainer der SpVgg Greuther Fürth gegen den MSV Duisburg zunächst überhaupt nicht realisiert. Mir wurde erst danach gesagt, dass es wohl ein Transparent gegeben hätte. So richtig klar wurde mir das Ganze eigentlich erst, als ich dann am nächsten Tag sehr viel Post und Anschreiben von Fans, Klub-Mitarbeitern und Sponsoren bekommen habe, in denen sie mir ihre Unterstützung zukommen ließen. Was das Thema 1. FC Nürnberg betrifft: Nachdem ich dort zweieinhalb Jahre gespielt habe, kann man mich normalerweise mit dem ’Club’ nicht wirklich in Verbindung bringen. Klar, ich war dort Stammspieler und wir sind in die Bundesliga aufgestiegen. Aber ansonsten gab es da nie einen besonderen Bezug. Ich konnte das Ganze daher auch nicht richtig greifen und habe mich deshalb auch davon distanziert, dass ich mich als ’Cluberer’ sehe. In meiner Profizeit gab es vielmehr zwei Vereine, die mich entscheidend geprägt haben: Der FC Ingolstadt und SV Darmstadt 98. Und das habe ich auch immer offen kommuniziert.

Haben Sie sich diesbezüglich auch mit den Fan-Gruppierungen ausgetauscht?

Leitl: Ja, definitiv! Nach einigen Wochen gab es – auf Initiative dieser Fan-Gruppierungen – ein gemeinsames Gespräch, bei dem wir eine gute Basis gefunden haben. Das sieht man ja auch daran, dass wir sowohl bei Heim- als auch Auswärtsspielen immer super unterstützt wurden. Für mich ist dieses Thema daher auch erledigt.

Bei Ihren bisherigen beiden Cheftrainer-Posten im Profibereich sind Sie sowohl beim FC Ingolstadt (22. August 2017 für Maik Walpurgis) als auch bei Ihrem jetzigen Verein SpVgg Greuther Fürth während der Saison eingestiegen. Lassen sich die beiden Situationen miteinander vergleichen?

Leitl: Nein, überhaupt nicht. Die Situation in Ingolstadt war direkt nach dem Bundesliga-Abstieg natürlich schon sehr schwierig. Der Einstieg war aber neben der Tatsache, dass ich dort ja schon alles kannte, insofern einfach, weil noch 31 Spieltage zu absolvieren waren. Die Konstellation in Fürth war hingegen ganz anders. Unter meinem Vorgänger Damir Buric waren 75 Prozent der Hinrunde richtig gut. Was danach jedoch folgte, war schon eine größere Delle beziehungsweise die Tendenz zeigte in eine andere Richtung. Von dem her war die Aufgabe bei der SpVgg Greuther Fürth schon schwieriger als die in Ingolstadt.

Spieler, Jugendtrainer, Chefcoach der zweiten Mannschaft und zuletzt der Profis: Beim FCI waren Sie der „Mann aus dem eigenen Stall“. Haben Sie den Eindruck, dass Sie jetzt bei der SpVgg Greuther Fürth quasi als „Trainer von außen“ anders wahrgenommen werden?

Leitl: Ja schon – aber das ist letztlich auch völlig normal! Der FC Ingolstadt ist ja ein kleiner Verein. Als ich 2007 dorthin gewechselt bin, haben auf der Geschäftsstelle vier Personen gearbeitet. Nach und nach sind dann immer mehr hinzugekommen. Sprich: Die Leute haben mich gekannt. Im Laufe der Zeit wurde mein Name ja auch immer mit dem FC Ingolstadt verbunden. Daher ist es natürlich eine andere Situation, wenn man dann neu zu einem anderen Verein kommt. Ich bin jedoch in Fürth super aufgenommen worden und hatte auch hier sofort Berührungspunkte.

Welche waren das konkret?

Leitl: Ich habe mein erstes Spiel als Zweitliga-Trainer des FC Ingolstadt hier in Fürth gemacht. Mit Rachid Azzouzi (Sportdirektor) und Martin Meichelbeck (Technischer Direktor) sind zwei Leute in der Verantwortung, die jahrelang meine Gegenspieler waren. Zudem ist ja auch mein ehemaliger Ingolstädter Trainer Benno Möhlmann (Tätigkeit im Nachwuchsbereich) hier. Das alles hat mir den Einstieg sehr erleichtert.

Die SpVgg Greuther Fürth stellt in der Saison 2018/2019 den drittjüngsten Zweitliga-Kader! In der Vergangenheit haben immer wieder zahlreiche Akteure den Sprung in die Bundesliga geschafft. Kann man die Spielvereinigung in Ihren Augen als „Ausbildungsverein“ bezeichnen?

Leitl: Ja, absolut – wobei ich das auch nicht als schlimm empfinde! Bei vielem hat der Begriff „Ausbildungsverein“ immer einen negativen „Touch“. In meinen Augen ist es genau das Gegenteil. Wir kommunizieren es ja auch offen, dass viele Spieler über die Spielvereinigung den nächsten Karriere-Schritt gemacht haben. Und genau das zeichnet diesen Verein aus und macht ihn stolz! Nachdem unser Team in diesem Jahr – wie Sie bereits gesagt haben – sehr jung ist, sind wir darauf bedacht, zumindest das Gros in den kommenden zwei oder drei Jahren zusammenzuhalten, damit noch mehr entsteht. Aber es ist natürlich auch nach wie vor so, dass wir auf Transfererlöse angewiesen sind. Das ist aber nicht schlimm, sondern vielmehr eine große Herausforderung für alle.

Stichwort Herausforderung: In der Bundesliga und Zweiten Liga gibt es bekanntlich nur 36 Cheftrainer-Posten. Wie stolz sind Sie, einen dieser raren und begehrten Jobs auszuüben?

Leitl: Das macht mich schon sehr stolz. Ich war jetzt auch schon mal in der Situation, dass ich keinen Job hatte. In dieser Phase gab es freilich auch mehrere Anfragen und Optionen, um frühzeitig wieder einzusteigen – was wir aber im Team, sprich mein Assistent Andre Mijatovic und ich – nicht wollten. Dass wir jetzt wieder die Möglichkeit haben, erneut in der Zweiten Liga beim ’Kleeblatt’ diese Aufgabe auszuüben, zeigt sicherlich auch, dass wir seinerzeit in Ingolstadt eine gute Arbeit gemacht und uns diese Chance damit verdient haben.

Um bei der Zweiten Liga zu bleiben: Ab der kommenden Saison wird es – wie schon in der Bundesliga praktiziert – den Videobeweis geben. Zählen Sie sich eher zu den Verfechtern oder Nostalgikern?

Leitl: Eigentlich beides (lacht). Aus Fair-Play-Gründen bin ich einerseits schon ein Verfechter. Andererseits aber auch ein Nostalgiker, weil die zumeist sehr lange andauernden Entscheidungen die Emotionen komplett aus dem Spiel nehmen. Aber grundsätzlich ist es in meinen Augen viel wichtiger, dass man die Regelauslegung im Fußball wieder einfacher und besser gestaltet. Denn wenn die Schiedsrichter mehr im Blickpunkt stehen als die Spieler, dann sind wir auf dem falschen Weg.

Noch ohne Video-Schiedsrichter geht es am Sonntag in den letzten Spieltag der Saison 2018/2019. Nachdem der Klassenerhalt für die SpVgg Greuther Fürth seit dem vergangenen Wochenende unter Dach und Fach ist: Wie fühlt es sich an, ohne Druck in dieses Saisonfinale gegen St. Pauli zu gehen?

Leitl: Das ist schon ein gutes Gefühl. Als wir letzte Woche bei Erzgebirge Aue gespielt haben, konnten wir sehen, wie Aue selbst diesen Klassenerhalt gelebt und gefeiert hat – was mir persönlich jetzt schon zu viel ist! Trotzdem waren unsere Jungs natürlich auch sehr erleichtert und haben versucht, ein richtig gutes Spiel zu machen. Und genau das wünsche ich mir auch am Sonntag gegen St. Pauli. Es werden wieder viele Zuschauer im Stadion sein – auch viele, die bislang selten oder noch nie zur SpVgg gegangen sind. Und diese wollen wir mit einer guten Leistung und einem Sieg für weitere Besuche gewinnen. Das ist unser Auftrag.

An diesem letzten Spieltag fallen auch die Entscheidungen um die Plätze zwei und drei (Paderborn, Union Berlin) sowie die Positionen 15 und 16 (Sandhausen, Ingolstadt). Verfolgen Sie speziell die Situation im Abstiegskampf relativ emotionslos oder sind Ihre Sympathien klar verteilt?

Leitl: Es wäre doch gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich neutral an diese Sache herangehen würde. Vor acht Wochen hätte wohl kaum noch jemand daran gedacht, dass die Ingolstädter in der Lage sind, sich noch zu retten. Jetzt sind sie in einer Situation, in der sie alles gewinnen können. Letztlich liegt es an ihnen, diesen Schritt zu gehen. Auf alle Fälle ist es schon mal ein Erfolg, dass sie zumindest die Relegation erreicht haben. Wenn der FCI dann in der Liga bleibt, haben wir eine kurze Auswärtsfahrt beziehungsweise einen weiteren bayerischen Vergleich.

Unter dem jetzigen FCI-Cheftrainer Tomas Oral haben Sie selbst noch von November 2011 bis Saisonende 2013 bei den Schanzern gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Leitl: Nun, ich habe insgesamt keine schlechten Erinnerungen an den FC Ingolstadt. Grundsätzlich hat jeder Trainer gute und weniger gute Seiten. Mit ’Tommy’ (Tomas Oral) bin ich in dieser Zeit gut ausgekommen. Das Einzige, was hängen geblieben ist, war die Situation mit meinem Abschied als Spieler. Trotz allem haben wir aber ein ordentliches Verhältnis und er macht einen guten Job beim FC Ingolstadt.

Vorausgesetzt, der FC Ingolstadt schafft den Klassenerhalt. Auf welches Derby beziehungsweise Duell freuen Sie sich denn in der kommenden Zweitliga-Saison mehr: Gegen den 1. FC Nürnberg oder die Schanzer?

Leitl: Grundsätzlich würde ich mich auf beide Aufeinandertreffen sehr freuen. Zum einen ist für mich persönlich der Bezug zu meinem Ex-Verein FC Ingolstadt da. Auf der anderen Seite ist die Wichtigkeit für unsere Fans auf alle Fälle höher anzusiedeln wie mein persönliches Empfinden. Deshalb genießt das Duell mit dem Gegner aus unserer Nachbarstadt natürlich eine höhere Priorität.

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