Im Sport und speziell beim Fußball gibt es eine goldene, über allem thronende Regel: Alles wird durch den Erfolg gerechtfertigt – und andersherum kann fast alles als Grund für Erfolg oder Misserfolg gelten. Udo Lattek etwa musste als Kölner Sportdirektor einst wochenlang einen blauen Glückspullover tragen, weil der Effzeh mit dem Stück niemals verlor. Erst nach 15 Spielen und einer Pleite in Bremen durften Lattek und seine Umgebung aufatmen und der Pulli kam in die Waschmaschine.
Gilt im Erfolgsfall die Devise, um Himmels willen nichts am bestehenden System zu ändern, wird im Krisenmodus jeder Stein umgedreht – und im Zweifelsfall durch einen anderen Kiesel ersetzt. Die Devise lautet: Ein neuer Reiz soll gesetzt werden. Und neue Reize haben sie in dieser Saison mal wirklich genug gesetzt beim VfL Wolfsburg. Die Wölfe schmissen zuerst den Trainer Paul Simonis raus, dann Sportdirektor Sebastian Schindzielorz, anschließend den neuen Coach Daniel Bauer und bei der Gelegenheit gleich auch noch den Geschäftsführer Peter Christiansen. Auch der Busfahrer und der Mannschaftskoch bekamen einen warmen Händedruck samt des verbindlichen Vorschlags, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Beide sollen – kein Witz – die Mannschaft verunsichert haben.
Der VfL kehrt zum alten Wappen zurück – denn „Zinnen stiften Identifikation“
Ganz schön viele neue Reize also – nur tabellarisch hat das leider bislang nur wenig bewirkt. Das ist im Fußball-Geschäft natürlich kein Grund, es nicht noch weiter zu versuchen – und damit sind nicht mal die vielen neuen Spieler gemeint, die sich der VfL in jeder Transferperiode zulegt. Vor dem Heimspiel gegen die Bayern gab der Klub bekannt, dass das Vereinslogo geändert wird – mit sofortiger Wirkung. Das neue Wappen ist das alte: Künftig wird das W im Logo wieder mit Zinnen dargestellt, wie es bis zur Änderung im Jahr 2002 der Fall war. Denn, so Aufsichtsratschef Sebastian Rudolph: „Die Zinnen stiften Identifikation und verkörpern Tradition.“
Sportlich war tatsächlich ein Aufwärtstrend zu sehen. Der VfL spielte gegen die Bayern so gut wie lange nicht mehr, war dran am Punkt, verlor aber dennoch. Aber kann es mit dem Austausch des Logos getan sein, um im Abstiegsfinale gegen St. Pauli in einer Woche bestehen zu können? Klarer Fall: nein. Denn wer genau hinsieht, weiß auch: Es ist Zeit, beim Maskottchen, dem Wolf „Wölfi“, neue Reize zu setzen und sich von ihm zu trennen. Wölfi erreicht das Team schon lange nicht mehr, sein aggressiver Grundton verunsichert die jungen Spieler. Dem Vernehmen nach steht mit dem ehemaligen FC-Bayern-Maskottchen „Bazi“ der Nachfolger schon bereit. In Wolfsburg muss radikal gedacht werden, soll es noch etwas werden mit dem Klassenerhalt.
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