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Exklusiv-Interview mit Torhüter Jonas Stettmer über seine Rückkehr zum ERC Ingolstadt von den Eisbären Berlin

ERC Ingolstadt

Interview mit ERCI-Rückkehrer Jonas Stettmer: „Für mich ist es so etwas wie Nach-Hause-Kommen“

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    Verdiente Auszeichnung: Berlins Torhüter Jonas Stettmer, der künftig wieder das Trikot des ERC Ingolstadt tragen wird, wurde zum MVP der Finalserie gekürt.
    Verdiente Auszeichnung: Berlins Torhüter Jonas Stettmer, der künftig wieder das Trikot des ERC Ingolstadt tragen wird, wurde zum MVP der Finalserie gekürt. Foto: Imago Images/Herrmann

    Herr Stettmer, würden Sie sich selbst als Party-Biest bezeichnen?

    JONAS STETTMER: (lacht) Nein, eigentlich nicht. Da gibt es in unserer Mannschaft einige andere Jungs, die diesbezüglich deutlich stabiler und länger als ich unterwegs sind. Ich zähle mich da eher zur etwas ruhigeren Fraktion.

    Wie intensiv waren denn die Feierlichkeiten unmittelbar nach dem fünften und letzten Finalspiel bei den Adlern Mannheim (5:1) sowie in den darauffolgenden Tagen?

    STETTMER: Aufgrund der Tatsache, dass diese Begegnung doch schon ziemlich früh stattgefunden hat (16.30 Uhr, Anm. d. Red.), waren die ganzen Feierlichkeiten ziemlich sehr intensiv und haben dementsprechend lange gedauert. Ich selbst war allerdings schon um kurz vor drei Uhr in meinem Hotelzimmer, da ich einfach fix und fertig war. Die ganzen Spiele waren einfach derart anstrengend, dass für mich der Schalter etwas früher gefallen war (lacht). Aber auch in den Tagen danach ging es munter weiter. Während ein Teil unseres Teams auf Mallorca war, habe ich sozusagen den Medien-Part übernommen. Ansonsten waren wir auch einmal bei einem Sponsor eingeladen beziehungsweise die Saisonabschlussfeier mit den Fans stand am Samstag noch auf dem Programm. Man kann also schon sagen, dass das Feiern nicht zu kurz gekommen ist (lacht).

    Die Eisbären Berlin hatten bekanntlich keine einfache Hauptrunde. Immer wieder wurde das Team von zahlreichen Verletzungen geplagt, zudem der sechste Platz erst am letzten Spieltag abgesichert. Wie hat die Mannschaft letztlich den Turnaround hin zum Titelgewinn geschafft?

    STETTMER: Ich denke, dass es schon nach der Olympia-Pause begonnen hat, als wir glücklicherweise auch einige Jungs zurückbekommen haben. Wir haben uns dann nochmals richtig fokussiert und auch unser Spiel endgültig wiedergefunden. Das hat unter anderem dazu geführt, dass wir den sechsten Platz belegt haben und damit direkt für die Play-offs qualifiziert waren. Dort haben wir uns dann meiner Meinung nach von Runde zu Runde gesteigert. Nachdem wir uns im Viertelfinale gegen Straubing (4:2) durchgebissen hatten, konnten wir dann in der nächsten Runde gegen Köln (4:2) schon deutlich mehr zeigen, was wir tatsächlich drauf haben. Im abschließenden Finale gegen Mannheim (4:1) hat man dann gesehen, welche Qualität wirklich in unserer Truppe steckt.

    Sie sind bekanntlich im Jahr 2023 vom ERC Ingolstadt nach Berlin gewechselt. Wenn Ihnen damals jemand gesagt hätte, dass Sie in den drei darauffolgenden Spielzeiten drei Meisterschaften mit den Eisbären feiern würden: Was wäre Ihre Antwort darauf gewesen?

    STETTMER: Ich hätte wohl gesagt, dass derjenige künftig wohl besser einige Biere weniger trinken solle (lacht). Dass es in der Tat derart erfolgreich laufen würde, damit konnte man definitiv nicht rechnen. Das persönliche Ziel, zumindest einmal deutscher Meister zu werden, war bereits in der Vergangenheit schon außergewöhnlich. Dass es nun sogar drei Titel geworden sind, ist einfach unglaublich.

    Die Eisbären Berlin zählen in jedem Jahr zu den absoluten Topfavoriten. Auch der Verein selbst gibt dieses Ziel stets offensiv aus. Sprich: Sowohl von der Öffentlichkeit als auch dem Klub ist eine große Erwartungshaltung in Richtung des Teams vorhanden. Wie haben Sie diesen Druck gespürt beziehungsweise sind in den vergangenen drei Jahren damit umgegangen?

    STETTMER: Nun, man muss ganz einfach wissen, dass wenn man für die Eisbären spielt, ist die Meisterschaft immer das Ziel. Alles andere ist im Grunde nicht gut genug. Was das betrifft, machen wir Spieler uns selbst eigentlich den größten Druck, um das Ganze zu bestätigen. Um es klar zu sagen: Wenn du bei den Eisbären unterschreibst, musst du einfach damit klarkommen. Punkt.

    Unverhofft kommt oft: Nach den Verletzungen von Michael Garteig und Kevin Reich stand Jonas Stettmer im Finale 2023 plötzlich im Kasten des ERC Ingolstadt. Hier klärt er spektakulär gegen Münchens Maximilian Kastner.
    Unverhofft kommt oft: Nach den Verletzungen von Michael Garteig und Kevin Reich stand Jonas Stettmer im Finale 2023 plötzlich im Kasten des ERC Ingolstadt. Hier klärt er spektakulär gegen Münchens Maximilian Kastner. Foto: Johannes Traub

    Sie sind in den diesjährigen Play-offs in 16 von insgesamt 17 Partien zum Einsatz gekommen und dabei 15 Mal von Beginn an zwischen den Pfosten gestanden. Hat für Sie persönlich diese dritte Meisterschaft deshalb einen noch größeren Wert als die beiden vorherigen?

    STETTMER: Für mich persönlich auf jeden Fall, da es die ersten Play-offs waren, in denen ich mehr oder weniger durchgespielt habe. Dadurch habe ich erst so richtig erlebt, wie hart diese Play-off-Partien tatsächlich sind. Klar, auch die vorherige Meister-Saison, in der ich mich zu Beginn der Endrunde verletzt habe, war gerade durch die Situation mit Tobi Eder (verstarb am 29. Januar 2025) etwas Besonderes. Nichtsdestotrotz war es in diesem Jahr für mich selbst, wie zuvor gesagt, nochmals ein anderer und großer Schritt in meiner bisherigen Entwicklung.

    Nach der Finalserie wurden Sie zudem als MVP ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen eine solch herausragende individuelle Ehrung?

    STETTMER: Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut. Wenn mir damals im Nachwuchs beim ERC Ingolstadt jemand gesagt hätte, dass ich eines Tages in der Deutschen Eishockey-Liga MVP des Finals werden würde, wäre das ein Unding gewesen. So groß kann man eigentlich gar nicht träumen. In der DEL zu spielen, eine Meisterschaft zu gewinnen und dann auch noch MVP zu werden - das ist schlichtweg das „Nonplusultra“ und etwas ganz Besonderes.

    Wenn Sie auf Ihre drei Jahre in Berlin zurückblicken: Wie hat sich sowohl der Mensch als auch Torhüter Jonas Stettmer in diesem Zeitraum verändert?

    STETTMER: Was das Menschliche betrifft, ist es immer sehr schwer, sich selbst entsprechend einzuschätzen. Das überlasse ich deshalb lieber anderen. Als Torhüter habe ich sehr viel an meinem Spiel sowie an mir selbst gearbeitet - sei es athletisch oder auch spielerisch. Hinzu kommt natürlich auch die Erfahrung, die ich in der DEL beziehungsweise den Play-offs gesammelt habe. Von dem her würde ich auf alle Fälle behaupten, dass ich ein kompletterer Torhüter geworden bin.

    Sie haben die Situation mit dem Tod Ihres Teamkollegen Tobias Eder in Ihrer zweiten Eisbären-Saison bereits angesprochen. Wie sehr hat diese schlimme Erfahrung sowohl Sie persönlich als auch die gesamte Berliner Mannschaft geprägt?

    STETTMER: So schlimm und schrecklich diese ganze Situation war, umso beeindruckender war dieser unbeschreibliche Zusammenhalt und Wille innerhalb unseres Teams, dass wir diese Meisterschaft unbedingt für Tobi holen wollten. Ehrlich gesagt habe ich so etwas noch nie erlebt, wie plötzlich eine richtige Familie aus unserer Mannschaft geworden ist - soweit es eben in einem Profi-Eishockeyteam möglich ist. Diese fürchterliche Erfahrung hat uns schlichtweg unglaublich zusammengeschweißt.

    Am Sonntag hat der ERC Ingolstadt nun Ihre Rückkehr zu den Panthern bestätigt. Wenn ein Spieler nach drei gewonnenen Meisterschaften zu einem Team wechselt, welches zuletzt im Play-off-Viertelfinale ausgeschieden ist, könnte man auf den ersten Blick von einem sportlichen Rückschritt sprechen. Sehen Sie das auch so?

    STETTMER: Ich denke, die Bezeichnung „Sportlicher Rückschritt“ ist in dieser Liga immer relativ! Innerhalb kurzer Zeit kann sich dort sehr viel verändern. Als ich Ingolstadt im Jahr 2023 verlassen habe, standen wir gegen München im Finale. In der vergangenen Saison waren die Panther Hauptrunden-Erster und sind dann im Halbfinale gegen Köln sehr unglücklich ausgeschieden. Oder nehmen wir diese Spielzeit: Im Viertelfinale gegen München haben letztlich Kleinigkeiten über das Weiterkommen entschieden. Unser Sport ist einfach so schnelllebig, alles kann passieren. Aufgrund meiner eigenen Vergangenheit kenne ich ja die sportliche Entwicklung des ERC Ingolstadt sehr gut - und diese ist auf alle Fälle positiv! Auch wenn es in dieser Liga extrem schwierig ist, Titel zu gewinnen, besteht eine solche Möglichkeit für den ERC. Deshalb sehe ich diesen Wechsel keinesfalls als Rückschritt an.

    Konkret gefragt: Was hat bei Ihrer Entscheidungsfindung darüber hinaus noch den Ausschlag für einen Wechsel nach Ingolstadt gegeben?

    STETTMER: Die Heimat hat dabei sicherlich eine große Rolle gespielt. Für mich ist es in der Tat so etwas wie ein Nachhause-Kommen. Auch wenn ich noch andere Optionen hatte, hat es sich für mich am Ende einfach richtig angefühlt. Persönlich habe ich hohe Ambitionen und möchte oben und im Optimalfall um Titel mitspielen, wie es zuletzt in Berlin der Fall war. Das ist mein Ziel und dafür Ingolstadt die genau richtige Adresse. Auch in den vergangenen Jahren ist mein Kontakt zum ERC nie abgebrochen. Hinzu kam, dass sich vor allem Ilpo Kauhanen (Torwarttrainer, Anm. d. Red.) mit vielen Telefonaten wirklich sehr intensiv um mich bemüht hat, was letztlich auch ein entscheidender Grund für mich war. Darüber hinaus ist Mark French, wie schon 2023, weiterhin als Headcoach tätig. Das Ganze könnte man jetzt noch auf viele weitere Leute, welche nach wie vor im Verein tätig sind, ausdehnen. Von dem her komme ich wirklich in ein sehr gewohntes Umfeld, was es deutlich erleichtert.

    Seine Autogramme waren bereits bei der Saisonabschlussfeier 2023 überaus gefragt: Goalie Jonas Stettmer, der künftig wieder für den ERC Ingolstadt auf dem Eis stehen wird.
    Seine Autogramme waren bereits bei der Saisonabschlussfeier 2023 überaus gefragt: Goalie Jonas Stettmer, der künftig wieder für den ERC Ingolstadt auf dem Eis stehen wird. Foto: Johannes Traub

    Aus der Panther-Mannschaft 2022/23, mit der Sie im Finale gegen München standen, sind aktuell nur noch zwei Spieler übrig geblieben: Verteidiger Leon Hüttl und Stürmer Daniel Pietta. Zeigt das einmal mehr, wie schnelllebig das Eishockey-Geschäft doch ist?

    STETTMER: Ja, absolut. Gleichzeitig unterstreicht es aber auch, dass eben gewisse Situationen bestimmte Veränderungen erfordern. Manchmal ist es eben so, dass man mit gewissen Ergebnissen oder Entwicklungen nicht zufrieden ist und daher etwas verändern muss, um wieder erfolgreich zu sein.

    Mit Ihren 24 Jahren sind Sie nach wie vor ein junger Torhüter. Welche persönlichen Ziele haben Sie sich denn für die kommenden Jahre gesteckt?

    STETTMER: Ein ganz großes Ziel, das ich mir gesteckt habe: Ich möchte unbedingt ein fester Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft werden. Voraussetzung dafür ist aber, auf Vereinsebene möglichst viele Spiele zu bestreiten und Siege einzufahren sowie kontinuierlich seine beste Leistung zu bringen.

    Auch in der NHL setzten die Vereine immer mehr auf groß gewachsene Torhüter wie Sie. Lebt denn auch der Traum von der National Hockey-League in Ihrem Hinterkopf?

    STETTMER: Ehrlich gesagt blende ich dieses Thema komplett aus! Ich bin nicht der Mensch, der groß in die Ferne blickt, sondern vielmehr im Hier und Jetzt lebt. Dementsprechend schaue ich lieber von Spiel zu Spiel - und wenn sich dann in dieser Richtung tatsächlich etwas ergeben sollte, muss man einfach schauen.

    Gibt es eigentlich etwas, worauf Sie sich bei Ihrer Rückkehr nach Ingolstadt besonders freuen?

    STETTMER: Oh ja, definitiv! Zunächst einmal freue ich mich riesig auf die Stadt. Auch wenn es klein und banal klingen mag: Ich möchte einfach durch die Innenstadt gehen und dabei gewisse Dinge wie beispielsweise die FOS, auf der ich meinen Abschluss gemacht habe, wiedersehen. Darauf freue ich mich wirklich sehr.

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