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Corona-Pandemie: Der Sport ist Teil der Lösung, nicht des Problems

Kommentar Von Tilmann Mehl
11.12.2021

Egal ob Profis oder Amateure – die Politik nutzt den Sport lediglich für Schaufenster-Maßnahmen in der Pandemie. Dabei gibt es ganz andere Möglichkeiten.

Joshua Kimmich mal wieder. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern stand in den vergangenen Monaten unerwartet oft ungewollt im Zentrum medialer und gesellschaftlicher Debatten. Nun also erneut. Kimmich fällt nach überstandener Corona-Quarantäne weiterhin aus, weil die Erkrankung seine Lunge noch beeinträchtigt. Der 26-Jährige ließ allerdings ausrichten, es gehe ihm "gut". Kritiker hätten gerne von ihm gehört, dass es ein Fehler war, sich nicht impfen zu lassen. Dass er nun ja am eigenen Leib erfahren muss, welche Auswirkungen eine Infektion haben kann. Nichts davon hat er gesagt. Also ist davon auszugehen, dass es ihm tatsächlich „gut“ geht. Das Beispiel zeigt, welchen Kräften der professionelle Sport ausgesetzt ist. Er dient nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zum Platzieren von Meinungen und politischen Botschaften – aber nur wenn sie genehm sind.

Es gibt drängendere Probleme als eine Impfpflicht für Bundesligaspieler

Die Ministerpräsidenten und -präsidentinnen diskutierten vor wenigen Wochen, ob es eine Impfpflicht für Profifußballer geben soll – während sie noch nicht mal in Pflegeberufen beschlossen war. Über 90 Prozent der Profis sind vollständig geimpft. Es gibt weitaus drängendere Probleme, als etwa 80 junge, gesunde Männer zu verpflichten, sich impfen zu lassen. Viele Politiker und Politikerinnen aber nutzen den Sport gerne für symbolhaftes Anpacken. Dabei greifen sie oft zielsicher daneben. So verhält es sich auch beim Komplett-Ausschluss der Fans in Bayern. Die 75.000 Plätze der Münchner Arena bleiben am Samstag leer, wenn der FSV Mainz 05 beim FC Bayern gastiert. Rangeln um das beste Weihnachtsgeschenk in der Boutique ist erlaubt, auf Abstand im Freien zu sitzen nicht. Nach zwei Jahren der Pandemie können immer noch nicht alle Maßnahmen perfekt ausdifferenziert werden, eine ungefähre Verhältnismäßigkeit sollte aber gewahrt sein. Sie ist es hier nicht und das schürt Misstrauen und Unzufriedenheit.

Die Politik erschwert es, sich gesund zu verhalten

Gleiches gilt für den Amateursport. Wer trainieren will, benötigt einen Impf- oder Genesenen-Ausweis und ein negatives Testergebnis, 2G Plus also. Um sich mit seinen Freunden in der Kneipe zu treffen, braucht es keinen Testnachweis. Die Politik sieht den Sport offensichtlich als Problem in der Pandemie. Sie erschwert es, sich gesund zu verhalten. Einige Vereine und Fitnessstudios haben ihr Sportangebot schon vorübergehend eingestellt, weil sie die Maßgaben der Politik nicht erfüllen können. Darunter leiden Kinder und jene, die gesellschaftliches Miteinander vorleben.

Dabei könnten und sollten die Vereine ein Teil der Lösung des Problems sein. Unaufhörlich werden niedrigschwellige Angebote zum Impfen gefordert. Zu sehen aber sind sie kaum. Im Verein kennen sich die Menschen, sie teilen die gleichen Interessen, sie vertrauen einander. In Vereinen kann nicht nur geworben und aufgeklärt werden, ein Vereinsheim bietet sich geradezu als Impfmöglichkeit an.

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Der Sport wird zur Symbolpolitik missbraucht

Es ist leicht, in Sonntagsreden und Vorwörtern von Festschriften den gesellschaftlichen Kitt zu rühmen, den die Klubs bedeuten. Allerdings zielen die derzeitigen Maßnahmen darauf ab, diesen Kitt aufzulösen. Die Regierenden machen es tausenden ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern schwer, sich gesellschaftlich zu engagieren. Solidarität zu fordern, ohne sie zu fördern, funktioniert nicht.

Der Sport mit all seinen sozialen Aspekten ist eine tragende Säule gesellschaftlichen Miteinanders. Auch das klingt wie eine Sonntagsrede. Wer es damit aber ernst meint, darf Profis wie Breitensportler nicht für simpelste Maßnahmen mit ausschließlich symbolischen Auswirkungen missbrauchen. Der Sport hat mehr Wert.

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