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Das blutige Geld der Saudis und der Golfsport: Wenn Moral egal ist

Kommentar Von Florian Eisele
12.06.2022

Saudi-Arabien leistet sich die LIV Golf-Tour und wirft dabei mit Geld um sich. So viel, dass viele Golf-Stars zeigen, wie es um ihre Prioritäten bestellt ist.

Das Wochenende in London hat sich für den südafrikanischen Golf-Profi Charl Schwartzel gelohnt: Insgesamt fast fünf Millionen US-Dollar hat der 37-Jährige für seine Siege im Einzel und Team-Wettbewerb erhalten. Niemals gab es ein Turnier mit höheren Preisgeldern – und zugleich gab es wohl noch nie einen Wettbewerb, der derart umstritten war wie die LIV-Tour. Schwartzel gab an, nicht darüber nachzudenken, woher das Geld kommt – und befindet sich innerhalb der neuen Tour-Serie in bester Gesellschaft. Die Antworten auf Fragen wie diese wären weniger angenehm: Sponsor der Tour ist ein Investmentfond, dessen Vorsitzender Saudi-Arabiens faktischer Herrscher, Kronprinz Mohammed bin Salman, ist.

Das arabische Land hat über den Fonds in den vergangenen Jahren viel Geld in Sportveranstaltungen gesteckt: 400 Millionen US-Dollar waren den Fondsmanagern die Mehrheit beim englischen Fußball-Erstligisten Newcastle United wert, 600 Millionen US-Dollar wurden dafür lockergemacht, damit die Formel 1 Station in Jeddah macht. Die Dimensionen beim Golf sprengen aber alles: Rund zwei Milliarden US-Dollar wendete das Land für die neue Serie auf. Die Motivation des Landes, das für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen steht, scheint klar: Über prestigeträchtiges Sport-Investment soll "das blutgetränkte Image" (so Amnesty International) verbessert werden – Sportswashing eben.

Der Australier Greg Norman ist CEO der LIV Golf Tour.
Foto: Dave Hunt, dpa

Bemerkenswert bei der LIV Tour ist die Gleichgültigkeit, mit der die Protagonisten auf die problematische Geldquelle reagieren. Spieler und Organisatoren der Tour üben sich in einem Dreiklang aus Verharmlosen, Abschwächen und Schutzbehauptungen. Golf-Legende Greg Norman etwa ist als CEO das Gesicht der Tour.

Greg Norman über den Mord an Kaschoggi: "Wir machen alle Fehler"

Als er auf den nachweislich von Saudi-Arabien in Auftrag gegebenen Mord an Dschamal Kaschoggi angesprochen wurde, antwortete der 67-Jährige: "Sehen Sie, wir haben alle Fehler gemacht und wollen nun aus ihnen lernen." Phil Mickelson, der ebenfalls bei der LIV Tour startet, zählte sogar auf: "Wir wissen, dass die Saudis Kaschoggi getötet haben, eine erschreckende Bilanz bei Menschenrechten haben und Leute umbringen, weil sie homosexuell sind." Dass er dennoch das Geld dieses Staates nehmen wolle, begründete er damit, dass "LIV Golf viel Gutes für den Sport tun wird".

Bislang hat LIV vor allem Gutes für die Kasse seiner Protagonisten getan. Und dabei wird es bleiben.

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13.06.2022

Gut herausgearbeitet der Zusammenhang zwischen Sport bzw. dem Geschäft drumherum und manch schmutzigen Geld.
Nur - verwundern darf das doch niemanden; ein Blick z.B. in den Profifussball zeigt doch, dass dies seit Jahrzehnten gang und gäbe ist. Auf Kosten von Arbeitssklaven erwirtschaftetes Geld aus Arabien und oder Südostasien, Oligarchengeld aus Russland, das Ganze dann teils durch die EU-Waschmaschinen auf Zypern und Malta gejagt und dann in den europäischen Spitzenfussball geschoben.
Deshalb - Spitzensport (d.h. Abteilung Sport in der Raffgierbranche Unterhaltungsindustrie) und Moral passen nicht zusammen.

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13.06.2022

Non olet - hat immer gegolten und wird auch immer gelten. Es gibt wohl kaum jemand, der ab einer gewissen Summe nicht schwach wird und sich denkt: was solls?

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