Das Rätsel, das längst keines mehr war, ist gelöst: Am Donnerstag gab Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen Kader für die Fußball-Weltmeisterschaft bekannt. Mit Manuel Neuer, der bei der WM im Tor stehen soll - sofern er fit ist. Die Kommunikation rund um das Comeback des Torwarts darf getrost als Desaster bezeichnet werden. Ein wenig steht Neuer sinnbildlich für den gesamten Kader: Generell ist die Qualität gut, an manchen Tagen sogar sehr gut - aber die Schwachstellen sind unverkennbar.
Generell braucht sich die deutsche Mannschaft nicht verstecken: Im offensiven Mittelfeld sind Turbodribbler wie Florian Wirtz und Jamal Musiala zu finden, die jede Abwehr vor Probleme stellen können. Joshua Kimmich ist auf der rechten Abwehrseite eine Bank, in der Abwehr stellen Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck mindestens gehobenes Niveau dar. Und im Tor steht mit Manuel Neuer ein Keeper, der an guten Tagen immer noch Weltklasse ist.
An guten Tagen gibt die DFB-Elf Anlass zur Hoffnung - aber es gibt auch schlechte Tage
An guten Tagen gibt auch die deutsche Nationalmannschaft Anlass zu großen Hoffnungen. Das Problem: Es gibt eben auch regelmäßig weniger gute Tage. Etwa im vergangenen September, als es zum Start der WM-Qualifikation eine Niederlage gegen die Slowakei und einen wenig überzeugenden Sieg gegen Nordirland gab. Und auch Neuer schwankte in den beiden Spielen gegen Real Madrid enorm: Im Hinspiel rettete er den Sieg mit einer Weltklasse-Parade, im Rückspiel leistete er sich einen dicken Patzer.
Zur Wahrheit gehört ebenfalls: Wenn Spieler, die als Leistungsträger eingeplant sind, sich eine Schwächephase nehmen, gibt es nicht die ganz großen Alternativen. Die Zeiten, in denen Deutschland mit einem Übermaß an Weltklassespielern gesegnet war, sind seit Langem vorbei. Im Sturm etwa werden Kai Havertz und Nick Woltemade in Nagelsmanns internem Ranking immer vor Deniz Undav stehen, wie die Äußerungen des Bundestrainers vermuten lassen.
Die Torwartdiskussion hat das Zeug zum Dauerthema
Und dann gibt es im DFB-Kader noch eine ausgemachte Schwachstelle, die Nagelsmann selbst zu verantworten hat - und auch diese hängt mit Manuel Neuer zusammen. Die Rückkehr des Nationalkeepers schwächt die Glaubwürdigkeit eines Trainers, der in den Monaten zuvor immer wieder sein Vertrauen in Torwart Oliver Baumann bekräftigt hat. Nun ist Baumann auf den letzten Metern vor der WM vom Stamm- zum Ersatzkeeper degradiert worden. Wie glaubwürdig sind für andere Spieler im Kader nun die Treueschwüre ihres Trainers? Und was geschieht, wenn sich der mittlerweile 40-jährige Neuer verletzt, wie es in dieser Saison schon häufiger der Fall war? Was, wenn er entscheidend patzt? Die Torwartdiskussion hat das Zeug zum Dauerthema bei dieser WM. Und das hat Nagelsmann zu verantworten.
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