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Interview
18.07.2018

Hockenheim-Chef: "Wir geben die Formel 1 nicht auf"

Michael Schumacher fährt 2004 durch das so genannte Motodrom. Wenig später gewinnt er das Rennen. Damals waren die Tribünen noch voll besetzt.
Foto: Rainer Jensen, dpa

Am Sonntag fährt die Formel 1 am Hockenheimring - vorerst zum letzten Mal. Geschäftsführer Georg Seiler erklärt, woran eine weitere Partnerschaft gescheitert ist.

Wie sind Sie zum Motorsport gekommen?

Georg Seiler: Durch eine ganz normale Bewerbung als junger Mann vor vierzig Jahren. Ich bin gebürtiger Hockenheimer und damit auch mit dem Motorsport verwurzelt.

Wer waren die Stars damals?

Seiler: Als ich am Ring angefangen habe zu arbeiten, waren es Hans-Joachim Stuck und Jochen Mass. Später kamen die Rennfahrer-Größen wie Michael Schumacher, Ralf Schumacher oder Heinz-Harald Frentzen hinzu.

Die Formel 1 hat in Liberty Media neue Besitzer. Ab diesem Freitag gastiert die Königsklasse in Hockenheim, mit wem haben Sie den Vertrag für 2018 ausgehandelt?

Seiler: Wir hatten einen langfristigen Vertrag, den wir noch mit Bernie Ecclestone ausgehandelt haben.

Wie wichtig ist es für Hockenheim, die Rennstrecke im Kalender zu haben?

Seiler: Die Formel 1 auf einem Rennkurs zu haben, ist schon etwas wert. Man kann damit sein Image aufpolieren und sich für andere Großevents ins Gespräch bringen.

Ist die Formel 1 für die Ring GmbH immer noch ein Verlustgeschäft?

Seiler: Ein Verlustgeschäft ist abhängig von mehreren Faktoren. Im Wesentlichen von der Höhe der Promotergebühr, vom Dollarkurs und natürlich vom Kartenverkauf, der lief dieses Jahr sehr gut. Wir liegen derzeit bei gut 65.000 verkauften Karten. Wir erwarten 70.000 Fans und dann werden wir dieses Jahr eine schwarze Null schreiben. Vielleicht bleibt noch etwas für uns übrig, das müssen wir noch abwarten. Aber es gab Jahre mit Verlusten.

Georg Seiler arbeitet seit 1991 als Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH. Zuvor war der heute 65-Jährige viele Jahre dort Prokurist.
Foto: David Ebener, dpa

Was kostet es denn die Formel 1 nach Deutschland zu holen?

Seiler: Sehr viel.

Wie viel, im Gespräch sind bis zu 20 Millionen Euro?

Seiler: Ich nenne keine Summe.

Wir profitiert die Region um Hockenheim von der Formel 1?

Seiler: Die Region macht gewiss einen zusätzlichen Umsatz von rund zwölf Millionen Euro. Das ist schon eine Menge. Wir stellen die Spielwiese hier und die anderen verdienen das Geld damit. Alle machen mit der Formel 1 Geschäfte hier.

Als Michael Schumacher noch gefahren ist, saßen über 100.000 Zuschauer im Motodrom und an der Strecke in Hockenheim. Was ist der Grund dafür, dass die Formel 1 an Zugkraft in Deutschland verloren hat?

Seiler: Die Euphorie war riesig, als Michael Schumacher zum ersten Mal Weltmeister wurde. Die Formel 1 war leicht an den Fan zu bringen. Das war das gleiche Phänomen wie in anderen Sportarten. Als Boris Becker und Steffi Graf ihre Erfolge feierten, war Tennis in Deutschland groß. In der Formel 1 hatte es vor einigen Jahren Veränderungen gegeben, die nicht gut waren. Der Sound der Motoren wurde gedrosselt, auch wurden immer mehr technische Regeln eingeführt. Das hat der Fan nicht hingenommen und das war im Besucheraufkommen zu spüren. Aber der Sound ist wieder besser, auch das Reglement wurde entrümpelt. Und derzeit erleben die Zuschauer einen spannenden Zweikampf zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel, und deshalb kommen sie auch.

Wie sieht die Zukunft aus, kommt die Formel 1 auch 2019 nach Hockenheim?

Seiler: Wir führen Gespräche mit Liberty Media und haben deutlich gemacht, dass wir an einer Fortführung der Formel 1 in Hockenheim interessiert sind, sofern eine Konstellation gefunden wird, die eine essenzielle Risikominimierung bringt. Grundsätzlich könnte das durch ein neues Business-Modell erreicht werden. Uns liegt ein Ansatz vor über eine mögliche Zusammenarbeit, ohne an dieser Stelle Details nennen zu können. Wir geben die Formel 1 nicht auf, aber wir haben auch noch keine Lösung.

Melbourne: Am 25. März startet die Saison in Australien. Sieger war im Vorjahr Sebastian Vettel.
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Foto: Andy Brownbill, dpa

Das bedeutet, dass es 2019 kein Formel-1-Rennen in Hockenheim geben wird?

Seiler: Ja, denn wir hätten jetzt schon einen Vertrag haben müssen für das nächste Jahr. Mit dem Beginn des aktuellen Rennens muss die Entscheidung für das nächste Jahr stehen. Und da das nicht der Fall ist, wird 2019 zumindest in Hockenheim keine Formel 1 stattfinden. Ab 2020 sind wir wieder zuversichtlich. Aber alle Parameter müssen passen, und es müssen Partner da sein, die mit uns die Formel 1 finanzieren wollen. Große Risiken werden wir nicht eingehen.

Wissen Sie, ob es Kontakte von Liberty Media zum Nürburgring gibt?

Seiler: So weit ich weiß, gab es Gespräche. Auch dort gibt es Vorstellungen, die nicht wesentlich von unseren Gedanken abweichen.

Warum können sich andere Länder die Formel 1 eher leisten?

Seiler: Wenn ich in den Formel-1-Kalender schaue, dann sind wir die einzige Formel-1-Rennstrecke, die keine Gelder bekommt. Alle anderen erhalten Mittel, fast immer aus dem Topf Tourismus-Förderung. Bei uns gibt es nichts. Weder von der Region noch vom Land oder Bund. In vielen anderen Bereichen wird für den Sport etwas getan, für die Formel 1 wird nichts getan. Wir müssen aus eigener Wirtschaftskraft die Formel 1 finanzieren. Wir müssen die Strecke instand halten und für die Zukunft investieren, aber das geht nicht mit Verlusten.

Welchen Vorlauf benötigen Sie für ein Formel-1-Rennen?

Seiler: Etwa ein Jahr, der Vorverkauf begann vor einem Jahr, die restlichen Aufgaben werden ca. sechs Monate vorher angepackt. Wir haben rund 1500 Helfer hier im Einsatz.

Wem gehört die Ring GmbH?

Seiler: Die Stadt Hockenheim hält 94 Prozent der Anteile und sechs Prozent der hier ansässige Badische Motorsport-Club. Die Kommune ist in der Vergangenheit für etwaige Verluste eingetreten, aber das geht nicht mehr. Wir sind eine kleine Stadt mit 21.000 Einwohnern. Es kann nicht sein, dass man mit der Formel 1 Millionenverluste einfährt und zugleich erwartet wird, dass Instandhaltung und Investitionen in die Strecke auf höchstem Niveau erfolgen. Es muss Geld verdient werden, damit man die Königsklasse hier auch durchführen kann.

Ein Bild, das Georg Sailer auch in Hockenheim gerne sehen würde: Sebastian Vettel siegt vor Lewis Hamilton.
Foto: Martin Rickett/PA Wire, dpa

Mit anderen Veranstaltungen machen Sie Gewinn?

Seiler: Ja, mit dem täglichen Vermietungsgeschäft und Open-Air-Konzerten mit bis zu 100.000 Zuschauern verdienen wir Geld. Das Geld benötigen wir auch, um unserer Fixkosten zu decken. Auch müssen wir noch Schulden aus der Vergangenheit abzahlen und die waren hoch, als wir hier modernisiert haben.

Ihr größter Wunsch für den Großen Preis von Deutschland am Sonntag?

Seiler: Drei deutsche Fahrer oder Hersteller auf dem Siegerpodest. Ein Vettel an erster Stelle wäre mir sympathisch. Er ist in der Nähe aufgewachsen und ich kenne ihn von früher, deshalb drücke ich ihm schon die Daumen.

Wo sehen Sie sich das Rennen an?

Seiler: Das kommt auf die gegebene Sachlage an, notwendiger maßen in meinem Büro am Hockenheimring.

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