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Olympia 2022
14.02.2022

Warum die deutsche Goldserie im Eiskanal gerissen ist

Laura Nolte verpasste nach einigen Fahrfehlern in den Läufen drei und vier die Medaillenränge.
Foto: Michael Kappeler, dpa

Nach den goldenen Zeiten im Rodeln und Skeleton beginnen die Wettbewerbe im Bob mit einer Enttäuschung. Was die deutschen Fahrerinnen daraus lernen wollen.

"USA, USA" hallte es lautstark durch den Zielbereich. Kaillie Humphries hatte soeben ihren Bob ins Ziel gesteuert. Sie ist erst frisch eingebürgert worden, bisher war sie für Kanada am Start. Nun riss sie sich den Helm vom Kopf und schrie vor Freude. Olympiasiegerin in Monobob, für die USA, das hatte vor ihr noch keine Frau geschafft. Kein Wunder, war es doch die olympische Premiere dieser Disziplin. In den USA aber dürfte dieser Erfolg wohl kaum angemessen gewürdigt werden. Dort überstrahlte der Super Bowl am Montag alles, auch die Olympischen Spiele. Und damit auch die Bob-Erfolge, auch wenn die am Montag relativ leicht von der Hand gingen.

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Foto: dpa

Humphries feierte, wenige Meter daneben stand Laura Nolte vor einem Mikrofon. Die deutschen Journalisten warteten, eingepfercht in der wenig geräumigen Mixed-Zone. Gitter trennten die Sportlerin von den Berichterstattern. Nolte trug eine Maske, wie es bei Olympia zu beinahe jeder Zeit gefordert ist. Die 23-Jährige musste erklären, warum die deutsche Erfolgsserie im Eiskanal gerissen war . Rodler und Skeleton-Piloten hatten erfolgreich vorgelegt, sie hatten keinen Zweifel daran gelassen, dass Deutschland eine Nation überaus schneller Schlittenfahrer ist. Im Monobob aber war es nichts mit einer Medaille. Nolte verpasste Bronze auf Platz vier recht knapp, Mariama Jamanka war auf Rang 13 den Beweis ihrer Klasse schuldig geblieben.

Olympia 2022: Nolte vergibt Bronze in den Läufen drei und vier

Monobobfahren ist eine besondere Herausforderung. Sich alleine durch den Kanal voller Kurven schieben. Dabei keine Hilfe am Start, was der Beschleunigung nicht zuträglich ist. Es war ein Wettkampf vieler Fehler und Irrfahrten. Kaum eine Pilotin kam flüssig nach unten. Immer wieder schlugen die Bobs in der Bande ein. Kaum eine Teilnehmerin blieb verschont. Immer wieder krachte es. Nolte war in den ersten beiden Läufen am Sonntag noch gut durchgekommen, in den abschließenden beiden Fahrten dagegen reihte sie Fehler an Fehler wie ein überforderter Schüler bei der Abiturprüfung in Mathe. "Das ist eine große Enttäuschung, ich bin sehr unzufrieden mit meiner Leistung", sagte Nolte. Ihr standen Tränen in den Augen. Mehr Konstanz brauche es. "Hätte ich vier Läufe super getroffen und wäre Vierte geworden, hätte ich mir nichts vorwerfen können. So bin ich aber sehr unzufrieden mit meiner Leistung", sagte Nolte.

Video: SID

Der Wettbewerb Monobob war erst in der Vorsaison eingeführt worden. Die Eingewöhnungszeit war entsprechend kurz. Das monierten viele Athletinnen. Mariama Jamanka aber ist mit ihrer Kritik an dem neuen Wettbewerb grundsätzlicher. "Ich habe meine Meinung nicht geändert. Für mich ist Bobfahren Teamsport. Meine Anschieberinnen haben eine Woche lang Schlitten geschleppt und Kufen poliert", sagte sie. Von Wettkampf aber hatten sie nichts. Jamanka gefällt das nicht. Ihre Leistung hat ihr auch nicht gefallen. Immerhin der letzte von vier Abschnitten war in Ordnung. Aber warum? "Weil ich besser gefahren bin", so Jamanka. Manchmal kann es so banal sein.

Im Monobob hat es den Deutschen am Gefühl gefehlt

Einfach ist die Strecke in den Bergen von Yanqing nicht. Sie liegt an diesem Morgen im herrlichen Sonnenschein. Schnee, der den gesamten Sonntag gefallen ist, hat sich auf der Überdachung gesammelt. Die Gondeln schweben am blauen Himmel hinauf in Richtung alpiner Wettbewerbe. Es sind perfekte Bedingungen. Rodler und Skeletoni haben sie genutzt. Die Bobfrauen zunächst nicht. Die Bahn verzeiht keine Fahrfehler. Der Einstieg ist recht flach, ein explosiver Start ist nicht so entscheidend wie auf anderen Bahnen. Feingefühl ist an den Lenkseilen gefragt. Noch haben das die deutschen Frauen nicht gefunden.

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Foto: Robert Michael, dpa

Monobob abhaken und Blick nach vorne richten - das ist Jamankas Marschroute. "Ich will dort einen besseren Wettkampf als die vergangenen Tage abliefern", sagte die 31-Jährige. Eine Pause wird es nicht geben, am Dienstag beginnen bereits die Trainingsfahrten. Sie wird sich wieder umstellen müssen. Der Unterschied vom Mono- zum Zweierbob ist groß. Der Einerbob ist leichter und langsamer. Es besteht schnelle die Gefahr, dass er ausbricht. "Man muss teilweise andere Linien und Wege suchen und finden", erklärte Jamanka. Gefunden hat sie die erst im letzten Durchgang. Zu spät für eine gute Platzierung. Aber vielleicht rechtzeitig, um bereit für den Zweierbob zu sein.

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