Biathlon-Star Emilien Jacquelin läuft Olympia mit Pantanis Ohrring
Olympia 2026
Wenn der Pirat beim Biathlon mitsegelt: Warum Emilien Jacquelin den Ohrring von Marco Pantani trägt
Biathlet Emilien Jacquelin setzt bei Olympia auf einen außergewöhnlichen Glücksbringer. Im Wettkampf trägt er den Ohrring des Radsport-Idols Marco Pantani.
Emilien Jacquelin (rechts) trägt bei Olympia den Ohrring von Marco Pantani.Foto: Petr David Josek, Peer Grimm, dpa
Wenn alles nach Wunsch verlaufen wäre – Émilien Jacquelin hätte eine Karriere in kurzen Hosen und auf einem Fahrradsattel gemacht, anstatt im Schneeanzug über vereiste Pisten zu jagen. Die gesamte Familie des Franzosen ist radsportbegeistert, mehrere Verwandte waren sogar selbst Radprofis. Und auch der kleine Émilien hatte sein Herz an den Radsport verloren. Im Teenageralter sattelte er aber um: Weil die Erfolge ausblieben, versuchte er sich in anderen Sportarten.
Mit 14 Jahren testete er zum ersten Mal Biathlon aus, zwei Jahre später erst setzte er voll auf diese Karte. Es war rückblickend nicht die schlechteste Entscheidung: Der mittlerweile 30-Jährige hat fünf Weltmeistertitel gesammelt, wurde bei Olympia in Peking zweifacher Silbermedaillengewinner.
Marco Pantani trug einen markanten Ohrring. (Archivbild)Foto: Peer Grimm, dpa
Émilien Jacquelin über Marco Pantani: „Ich wollte sein wie er“
Bei den aktuellen Spielen in Italien tritt der Mann aus Grenoble wieder an – und trägt einen besonderen Talisman mit sich herum. Gewissermaßen segelt ein Pirat beim Biathlon mit. Denn im Ohr von Jacquelin steckt der Ohrring, der einst Marco Pantani gehörte. Der wegen seines Aussehens und seiner aggressiven Fahrweise als „Il Pirata“ bekannt gewordene Radprofi gewann 1998 die Tour de France und war Jacquelins Kindheitsheld. „Als ich klein war, hatte unser Vater die Kassette der Tour 1998 gekauft. Seitdem habe ich nie aufgehört, diesen Piraten zu bewundern. Ich wollte sein wie er“, schrieb Jacquelin auf Instagram.
Dass Jacquelin, den viele als Bruder im Geiste von Pantani sehen, nun mit dem Ohrring des Italieners antritt, geschehe mit ausdrücklicher Genehmigung dessen Familie: „Seine Familie leiht ihn mir, damit ich hier, in Italien, mit ihm antreten kann.“ Im Heimatland seines Idols wolle er „mit Marco an meiner Seite“ antreten.
Pantani starb 2004 an einer Überdosis Kokain
Pantanis Leben war auch abseits der Radstrecke eines, das von Extremen geprägt war. Bis heute hält er noch den Bergrekord im Anstieg nach Alpe d’Huez, sein Leben endete 2004 nach einer Überdosis Kokain in einem Hotelzimmer in Rimini. Seinen Toursieg durfte er auch behalten, als posthum Dopingvorwürfe auftauchten.
Glück brachte sein Ohrring seinem großen Fan zumindest im ersten Versuch nicht direkt: Beim Einzel-Rennen über 20 Kilometer am Dienstagnachmittag hatte Émilien Jacquelin keine Aktien auf eine Medaille und landete auf dem 47. Platz. Die Regeln des Biathlons sehen es aber vor, dass es noch einige Chancen gibt, etwa am Sonntag in der Verfolgung. Vielleicht gibt es dann Edelmetall für den Priaten. Jemandem hinterherzujagen, passt ohnehin besser ins Jobprofil.
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