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Interview

02.02.2012

Alfons Hörmann: "Schlichtweg inakzeptabel"

DSV-Präsident Alfons Hörmann kritisiert den Weltcup-Standort Garmisch-Partenkirchen
Bild: dpa

Zwischen dem Weltcupstandort Garmisch-Partenkirchen und dem DSV-Präsidenten Alfons Hörmann ist ein heftiger Streit entbrannt. Es geht um Geld und Vermarktung.

Überraschend hat Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV), den Weltcup-Standort Garmisch-Partenkirchen in Frage gestellt. In der Marktgemeinde mehren sich die Stimmen, die dem Tourismus Vorfahrt einräumen wollen. Die bayerische Zugspitzbahn, zuständig für die Präparierung der Pisten, hat dem DSV beim Weltcup am vergangenen Wochenende Leistungen in Rechnung gestellt, die bislang umsonst waren. Dazu kommt, dass die Rennpisten in diesem Winter kaum präpariert wurden und nicht zum DSV-Training zur Verfügung standen.

Gibt es Neuigkeiten im Weltcup-Streit um Garmisch-Partenkirchen?

Hörmann: Es gibt einige sehr positive Rückmeldungen aus Garmisch. Dort wird man sich wohl immer mehr bewusst, wie wichtig und bedeutend der Skiweltcup für den Ort und die Region ist. Die unterschiedlichen Willensbekundungen können aber nur der erste Schritt sein. Schlussendlich müssen die Dinge dann aber auch umgesetzt werden.

Können Sie kurz umreißen, was das Problem ist?

Hörmann: Es geht zum einen um das gesamte Szenario rund um den Weltcup und zum anderen um das komplexe Thema Leistungssport und Nachwuchszentrum. In beiden Bereichen gab es Probleme. Sie gehören aber zusammen und führen zur Gesamtbewertung eines Standortes.

Wie zum Beispiel beim Skispringen in Oberstdorf?

Hörmann: Richtig. Mit der Vierschanzentournee verdienen wir in Oberstdorf Geld. Auf der anderen Seite bestehen aber auch Verpflichtungen. Es müssen Nachwuchswettbewerbe durchgeführt werden, die Geld kosten. Und es muss sichergestellt sein, dass das Leistungszentrum möglichst optimal von den Athleten genutzt werden kann. Das heißt: Nur eine dauerhafte und ganzheitliche Umsetzung sichert Oberstdorf den Status als Sprungzentrum Nummer eins.

Was davon hat in Garmisch-Partenkirchen nicht funktioniert?

Hörmann: Wir hatten Ende Januar die erste Trainingseinheit. Und das war auch in den vergangenen Jahren nicht anders. Man hat versucht, das heuer zu bagatellisieren nach dem Motto: Wir hatten schwierige Witterungsbedingungen. Das ist zwar richtig. Aber die hatten wir in Oberjoch, Oberstdorf und Berchtesgaden auch, und dort konnte trotzdem trainiert werden. Es ist eben immer die Frage, mit welchem Einsatz und mit welcher Professionalität die Dinge umgesetzt werden.

Die Pisten in Garmisch wurden für die WM im vergangenen Jahr renoviert. Jetzt aber war vonseiten des Betreibers Zugspitzbahn zu hören, dass der Tourismus wichtiger sei als der Leistungssport. Wie passt das zusammen?

Hörmann: Bund und Land haben den Umbau der WM-Anlagen mit mehr als 25 Millionen Euro gefördert. Damals wurde in Form eines Vertragswerks die Nutzung nicht nur für die WM oder Weltcuprennen, sondern auch für das Training der Spitzenathleten festgelegt. Und das wird schlichtweg nicht so umgesetzt, wie es vereinbart ist. Tendenziell werden wir in Garmisch leider nicht mit der partnerschaftlichen und freundlichen Art am Hang erwartet, wie das an anderen Standorten der Fall ist.

Streit gab es aber wohl auch um zusätzliche Kosten, die dem DSV im Vorfeld des Weltcups am vergangenen Wochenende entstanden sein sollen.

Hörmann: Im laufenden Jahr mussten wir rund 400.000 Euro mehr für die Weltcuprennen zahlen als im vergangenen Jahr. Das ist schlichtweg inakzeptabel. Vor allem deshalb, weil die Dinge nicht frühzeitig auf den Tisch kamen, sondern uns kurz vor den Rennen die Pistole auf die Brust gesetzt wurde. Wenn plötzlich Lifttickets und Parkgebühren für die Athleten und Trainer berechnet werden, dann stimmt etwas nicht. Das ist ein weltweit einmaliger Vorgang und hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Grundsätzlich bleibt Garmisch derzeit zwar unser Alpinzentrum. Aber langfristig nur, wenn in Garmisch zeitnah die Hausaufgaben erledigt werden.

Wie optimistisch sind Sie?

Hörmann: Ich bin verhalten zuversichtlich. Bürgermeister Thomas Schmid hat klar gesagt, dass die Gemeinde größtes Interesse an den Weltcups und an der Partnerschaft mit dem DSV hat. Den Worten müssen nun aber auch Taten folgen. Zum Beispiel, dass sich die Zugspitzbahn, an der die Marktgemeinde Mehrheitsaktionär ist, kooperativ und vertragskonform verhält.

Im Herbst stehen beim DSV im Rahmen der Verbandsversammlung Neuwahlen an. Zu lesen war deshalb, Sie würden mit dem Thema Garmisch Wahlkampf betreiben und auf Stimmenfang im Allgäu und Berchtesgaden gehen. Machen Sie Wahlkampf?

Hörmann: Das nehme ich mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. Wer so etwas in die Welt setzt, hat von der Verbandsstruktur des DSV keine Ahnung. Nicht die einzelnen Regionen, sondern die Landesverbände sind bei einer Präsidiumswahl stimmberechtigt. Und die Stimmabgabe erfolgt einzig und allein durch den jeweiligen Präsidenten.

In Bayern ist Miriam Vogt die Präsidentin.

Hörmann: Ja, und Miriam Vogt kommt aus der Region Werdenfels und Garmisch. Wenn ich taktisch denken würde, müsste ich demzufolge alles dafür tun, den Weltcup in Garmisch zu belassen. Weil sie diejenige ist, die für Bayern stimmt.

Kandidieren Sie überhaupt für eine weitere Amtszeit?

Hörmann: Das ist noch offen. Anfang März tagen die Landesverbände. Wenn dort der klare Wunsch geäußert wird, dass ich weitermachen soll, werde ich mich mit dem Thema beschäftigen.

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