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06.07.2010

DFB-Party soll weitergehen - Ablenkendes Störfeuer

DFB-Party soll weitergehen - Ablenkendes Störfeuer
Bild: DPA

Durban (dpa) - Zeit für die EM-Revanche und den Finaltraum - aber nicht für interne Machtkämpfe. Joachim Löw will mit seinen in der Heimat vergötterten Himmelsstürmen auch Europameister Spanien vom Favoriten-Thron stürzen und sich beim Triumphmarsch ins WM-Finale durch nichts beirren lassen.

"Das stört uns hier überhaupt nicht", sagte Löw in Durban zum Wirbel, den der von ihm für die Weltmeisterschaft zum Kapitän ernannte Philipp Lahm mit seinem dauerhaften Anspruch auf Michael Ballacks Amt entfacht hatte. Bereits am Morgen hatte Teammanager Oliver Bierhoff verärgert von einem Störfeuer zur Unzeit gesprochen.

Der Bundestrainer muss sich aktuell mit wichtigeren Dingen befassen, damit zwei Jahre nach dem verlorenen EM-Finale von Wien (0:1) die von Bastian Schweinsteiger eingestandenen "Revanchegelüste" gegen die spanischen Kurzpass-Künstler gestillt werden können. "Das Ziel kann nur sein, dass wir dieses Spiel gewinnen und den Berg dann auch ganz nach oben gehen", erklärte Löw kämpferisch. Auch Lukas Podolski erklärte offensiv: "Wir wollen ins Finale und auch mehr."

Die Personalsituation hat sich entspannt: Sami Khedira (Muskelverhärtung) und Arne Friedrich (Oberschenkel-Prellung) waren beim Abschlusstraining dabei. Aber Löw muss den Ausfall von Thomas Müller kompensieren und eine weitere Erfolgs-Taktik aushecken. "Spanien ist der WM-Favorit. Wir müssen sie zu Fehlern zwingen, von alleine machen sie keine", sagte Löw. Der Europameister sei eine größere Hausnummer als England und Argentinien, warnte auch Manager Bierhoff: "Ein 1:0 würde mir diesmal reichen."

DFB-Party soll weitergehen - Ablenkendes Störfeuer

Der Respekt vor "der besten Mannschaft der Welt" (Schweinsteiger) ist riesig, aber das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten hat extrem zugenommen. "Unser Weg ist noch nicht zu Ende, die Party soll weitergehen", übermittelte die Mannschaft in einer Botschaft an die Millionen Fans in Deutschland. "Wir wissen, dass wir am Gegner wachsen", sagte Bierhoff und fügte mit Blick auf den Finaltermin hinzu: "Es ist nicht die ultimative Prüfung. Die ist am Sonntag."

Ein weiteres taktisches Meisterstück von Löw und eine erneute Gala-Leistung der Spieler werden dafür im Moses Mabhida Stadion, wo Deutschlands WM-Mission mit einem 4:0 gegen Australien grandios begonnen hatte, nötig sein. Der Bundestrainer muss schon bei der wichtigsten Personalentscheidung richtig liegen. Wen bringt er für den gesperrten Müller? Auflösen will er das Rätsel erst am Spieltag: "Es gibt drei Möglichkeiten: Trochowski, Cacau oder Kroos. Einer von den Dreien wird es sein."

"Die Mannschaft hat immer wieder gezeigt, dass sie Löcher stopfen kann", erinnerte Bierhoff an die Ausfälle von Ballack, Westermann und Träsch in der Vorbereitung. Jetzt sei es schwieriger. "Es ist nicht leicht innerhalb eines Turniers, wenn sich eine Formation gefunden hat und eine blendende Abstimmung besteht", so Bierhoff. Tausendsassa Müller habe nicht nur als vierfacher Torschütze geglänzt, "sondern auch mit seinen intelligenten Läufen hinter die gegnerische Abwehr". Müller selbst vertraut den Kollegen: "Die Jungs machen das schon."

1954, 1974, 1990 - 2010? Gegen Spaniens Startruppe um Villa, Xavi, Iniesta & Co. muss Löws Rasselbande nochmals wachsen, wenn sie schon in Südafrika im ICE-Tempo zum vierten deutschen Weltmeister-Jahrgang durchstarten will. "Spanien ist auf dem Papier das bessere Team. Aber wir haben in den letzten zwei Spielen gesehen, dass man auch solche Mannschaften schlagen kann", betonte Schweinsteiger, der nicht wie 2006 nach dem Halbfinal-K.o. gegen Italien (0:2 nach Verlängerung) wieder bittere Tränen der Enttäuschung vergießen möchte: "Ich will unbedingt gewinnen!" Die Willenskraft könnte den Ausschlag geben.

Oder die Schlüsselduelle: Schweinsteiger und Sami Khedira müssen Xavi und Andres Iniesta "in Schach halten", forderte Löw. Und die Abwehr muss vor allem WM-Toptorjäger David Villa stoppen, der fünf der sechs spanischen Tore erzielte. "Er ist fast ein Spieler wie Messi, den man mit der ganzen Mannschaft ausschalten muss", mahnte Miroslav Klose. Der 32-Jährige selbst möchte Villa nach seinen vier WM-Toren nicht nur die Final-Teilnahme wegschnappen, sondern auch die Torschützenkrone verteidigen. Trifft Klose einmal, zieht er zudem mit insgesamt 15 Toren mit WM-Rekordschütze Ronaldo (Brasilien) gleich.

"Wir werden nicht bewusst defensiver spielen", verriet Löw zur Taktik und begründete: "Unsere Offensivkraft hat uns die Siege gegen England und Argentinien beschert." Die Entschlossenheit des Teams belegt auch die Entscheidung, dass es einen WM-Empfang in Berlin nur bei einem achten Einzug in ein WM-Endspiel geben wird - "und nicht nach einem kleinen Finale", wie Bierhoff verkündete.

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