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Hörmann: "Höchst kritisch"

25.09.2019

Korruptionsfall Diack als IAAF-Altlast

Steht seit vier Jahren in Paris unter Hausarrest: Der ehemalige IAAF-Präsident Lamine Diack. Foto (Archiv): Michael Kappeler
Bild: Michael Kappeler (dpa)

Seit vier Jahren steht der unter Korruptionsverdacht stehende Ex-Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes, Lamine Diack, in Paris unter Hausarrest. Die Anklageschrift fertig, der Prozesstermin aber noch offen. Das sorgt in der Sportwelt für Unverständnis.

Lamine Diack wird auf der Homepage des Leichtathletik-Weltverbandes weiter mit allen Meriten porträtiert. Dabei hat der Senegalese in seiner Amtszeit als Präsident (1999 bis 2015) die IAAF mit seinen Machenschaften an den Abgrund geführt.

Seit vier Jahren steht der heute 86-jährige Afrikaner in Paris unter Hausarrest, und nach vier Jahren hat die französische Justiz die 90-seitige Anklageschrift gegen ihn und seinen Sohn Papa Massata vorgelegt. Wann Prozessbeginn ist, steht aber noch nicht fest. Der sich hinschleppende Fall Diack liegt wie ein Schatten auch auf den anstehenden IAAF-Kongress und der als sicher geltenden Wiederwahl von Diacks Nachfolger Sebastian Coe in Doha/Katar.

Es geht um Korruption, Bestechung und Geldwäsche, darum, dass einer der einst mächtigsten Sportfunktionäre der Welt für die Vertuschung von positiven Doping-Proben Bares erpresst haben soll. Warum die Ermittlungen gegen die Diacks so lange gedauert haben, stößt in der Sportwelt auf wenig Verständnis. "Ich sehe das höchst kritisch und mit einer gewissen Verwunderung", sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Korruptionsfall Diack als IAAF-Altlast

Bei all dem, was an Vorwürfen und Vermutungen - "zum Teil einer ja wirklich mehr oder weniger erdrückenden Beweislage" - auf dem Tisch liege, ist es laut Hörmann erstaunlich, dass vier Jahre vergangen seien, ohne dass es zu "drakonischen Maßnahmen und Strafen" gekommen sei. Für Hörmann ist das, was Diack getan haben soll, "so ziemlich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann".

Auch bei der Vorsitzenden des Sportausschusses des Bundestages, Dagmar Freitag, hält sich das "Mitleid mit Lamine Diack in Grenzen". Er habe "so brutal so viel Schaden im Verband und für die Sportart angerichtet", da falle Mitgefühl schwer. "Die französischen Ermittlungsbehörden hätten ein deutlich einfacheres Spiel, wenn sein Sohn Papa Massata Diack den Senegal verlassen und eine Aussage gemacht hätte", meinte die SPD-Politikerin. "Sein Sohn, der eine der Schlüsselfiguren des ganzen Skandals und der korrupten Vorgänge ist, sitzt kommod in seinem Heimatland und freut sich des Lebens."

Papa Massata Diack war in der Amtszeit seines Vaters Marketingberater der IAAF. Er steht auf der Fahndungsliste von Interpol, doch der Senegal verweigert die Auslieferung. Der Filius soll nicht nur an der Erpressung von Schmiergeld von der früheren russischen Marathonläuferin Lilia Schobuchowa beteiligt gewesen sein. Sie hatte sich ihren Start bei den Olympischen Spielen 2012 in London durch eine Schmiergeldzahlung von rund 450 000 Euro erkauft. Mit dem Geld wurde eine positive Doping-Probe aus dem Verkehr gezogen.

Papa Massata steht auch unter dem Verdacht, durch Stimmenkauf die Wahl von Rio de Janeiro und Tokio zu Olympia-Ausrichtern für 2016 und 2020 durch das Internationale Olympische Komitee beeinflusst zu haben. Sein Vater war lange Jahre IOC-Mitglied. Zugleich könnte der Prozess gegen die Familie Diack noch einen Verdacht erhärten: Dass 2014 die Wahl Dohas als diesjähriger WM-Ort durch Millionen-Zahlungen auf ein Konto der Sportvermarktungsfirma von Papa Diack mutmaßlich begünstigt wurde.

An ein Ende des Falls Diack ist auch das IOC interessiert. "Wir sind Nebenkläger in diesem Verfahren, und jetzt sind die ersten Anklagen erhoben. Wir hoffen, dass dieses Gerichtsverfahren zur vollständigen Aufklärung führt", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. "Dann kann ein Schlussstrich unter diese Affäre gezogen werden." (dpa)

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