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Theorie hilft Praxis

06.01.2017

Leipziger Wissenschaftler betreuen Langläufer

Wissenschaftler sollen die Leistung der deutschen Langläufer verbessern.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Im deutschen Sport überlässt man nicht gern etwas dem Zufall. So arbeiten die Langläufer immer stärker mit den Wissenschaftlern des Trainings-Instituts IAT in Leipzig zusammen. Damit kann individuell einiges bewegt werden.

Toblach (dpa) - Axel Schürer und André Wilhelm haben ihre Videokamera in Position gebracht. In wenigen Augenblicken kommt das Feld der Langläufer bei der Tour de Ski an ihnen vorüber. Jetzt heißt es vollste Konzentration.

Die Bilder, die nun gemacht werden, sind wichtig für eine umfangreiche Auswertung. Und - bestenfalls - für eine Leistungsverbesserung der deutschen Athleten. Dafür sind die beiden Wissenschaftler vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig (IAT) bis zu 100 Tage im Jahr mit dem deutschen Team zusammen.

Wissenschaft und Sport passen hervorragend zusammen, vorausgesetzt, man zieht gemeinsam an einem Strang. "Entscheidend ist, wie wir unsere wissenschaftlich fundierten Erkenntnissee dem Athleten und dem Trainer vermitteln. Es muss ein Vertrauensverhältnis und das Verständnis für die Arbeit des anderen da sein, dann kann man auch etwas erreichen", erklärte Schürer, seit acht Jahren Hauptansprechpartner für die Langläufer am IAT.

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Den zweitägigen Tour-Besuch nutzten die Wissenschaftler für sogenannte Wettkampfanalysen. Beim Massenstart-Wettbewerb wurde das Hauptaugenmerk auf technische Lösungen gelegt. "Wie bewegt sich die Weltspitze auf verschiedenen Streckenabschnitten im Vergleich zu unseren Athleten? Das können wir in der Videoanalyse genau herausfinden", berichtete Schürer. Man könne beispielsweise den Körperwinkel beim Doppelstockschub messen und so Rückschlüsse auf die Bedeutung der Oberkörperkraft ziehen.

Im Einzelwettkampf kann dann besser, weil individueller gemessen werden. "Da legen wir eine Messstrecke fest. Aus dem Video heraus sind dann Schrittfrequenz, Schrittlänge und Geschwindigkeit ablesbar", sagte Schürer. Solche Messstrecken werden an unterschiedlichen Stellen aufgebaut, beispielsweise am Berg und auf der Zielgeraden. So könne man erkunden, ob der Schnellste am Berg auch der Schnellste auf der Zielgeraden ist. "Im Endeffekt hat so eine Analyse Auswirkungen auf Taktik und Renngestaltung. Und auch die Skitechniker profitieren davon", sagte der IAT-Wissenschaftler.

Im Deutschen Skiverband (DSV) will man die Zusammenarbeit mit den Leipziger Wissenschaftlern nicht missen. "Das ist für uns sehr wichtig", betonte Sportdirektorin Karin Orgeldinger. Neu-Trainer Axel Teichmann, der als Athlet nicht die besten Erfahrungen mit der Wissenschaft gemacht hatte, lobt die Betreuung. "Es geht seit ein paar Jahren wieder in die richtige Richtung, und es trägt auch schon erste Früchte. Ich denke, da kann noch einiges kommen."

Die Erkenntnisse der aufwendigen Analysen im Trainings- und Wettkampfbetrieb haben Einfluss auf das Training. So bespreche man mit den Trainern die aufkommenden Probleme in Sachen Schnellkraft. Zudem könne man Einfluss auf das Techniktraining nehmen. "Man muss es nur alles richtig einordnen und dabei die biomechanischen Voraussetzungen jedes einzelnen Athleten mit einbeziehen. Pauschale Vorschläge unsererseits gibt es nicht", betonte Schürer.

Gegenwärtig wird mit der Technischen Universität Dresden ein neues Messsystem entwickelt. "Wenn das läuft, können wir noch viel genauer Körperbewegungen analysieren", sagte Schürer. Das kommt dann auch den Biathleten zugute. Und vielleicht auch den Nordischen Kombinierern, die bislang nur in Bezug auf das Springen mit dem IAT zusammenarbeiten. (dpa)

Langlauf am IAT

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