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1:0 gegen Holand

11.07.2010

Spanien auf dem WM-Thron

epa02245492 Spain's Andres Iniesta celebrates after scoring the 1-0 lead during the FIFA World Cup 2010 Final match between the Netherlands and Spain at the Soccer City stadium outside Johannesburg, South Africa, 11 July 2010. EPA/KERIM OKTEN Please refer to www.epa.eu/downloads/FIFA-WorldCup2010-Terms-and-Conditions.pdf +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bild: gh

Spanien jubelt nach einem hart erkämpften 1:0-Sieg nach Verlängerunggegen die Niederlande über den ersten Titel in seiner Geschichte. Ein rauschendes Fußballfest war es aber nicht, meint Anton Schwankhart

Johannesburg Vier Minuten in der Verlängerung waren noch zu spielen gewesen und die 85 000 im Soccer-City-Stadion machten sich allmählich mit dem Gedanken vertraut, dass die Weltmeisterschaft in Südafrika durch ein Elfmeterschießen entschieden werden würde, als der Ball Andres Iniesta vor die Füße fiel. Und Spaniens Mittelfeldspieler vollbrachte, was in den 116 Spielminten vorher keinem gelungen war. Er traf zum einzigen und entscheidenden Tor des Finales. Spanien ist damit zum ersten Mal Fußball-Weltmeister, Holland nach den Endspielniederlagen 1974 gegen Deutschland und 1978 gegen Argentinien zum dritten Mal gescheitert.

Schon oft haben WM-Endspiele die Erwartungen nicht erfüllt. Das war auch gestern im Soccer-City- Stadion von Johannesburg so. Die Begegnung zwischen Spanien und Holland hatte einen Fußball-Leckerbissen versprochen, serviert wurde dann aber nur Hausmannskost. Spanien bemühte sich um eine spielerische Entscheidung, war dabei aber nicht mehr so stark wie im Halbfinale gegen Deutschland, Holland versuchte den Europameister mit Härte zu stoppen. Das hat bis vier Minuten vor dem Ende der Verlängerung funktioniert.

Nelson Mandela bei

Spanien auf dem WM-Thron

der Eröffnungsfeier im Stadion

Weil kein Sportereignis mehr ohne Eröffnungs- und Schlussfeier auskommen mag, verpflichtet auch der Fußball-Weltverband FIFA den jeweiligen WM-Gastgeber zu einem stimmungsvollen WM-Abschluss. Die Südafrikaner haben ihn gestern Abend genauso hinbekommen, wie ihnen bei dieser WM fast alles gelungen ist. Die 85 000 im Soccer-City-Stadion waren hingerissen. Nichts aber hat sie so sehr bewegt wie der alte Mann mit seiner Russenmütze, der an der Seite seiner Frau in einem Golfwägelchen auf den Platz gefahren wurde. Nelson Mandela winkte, angeleitet von Graca, fröhlich in die Ränge, auf denen sich die 85 000 längst erhoben hatten und stehend applaudierten.

Gesagt hat der 91-Jährige nichts mehr. Viele im Stadion bewegte offenbar das Gefühl, eine der größten Persönlichkeiten der Weltgeschichte ein letztes Mal in der Öffentlichkeit zu erleben. Mandela ist krank. Das Finale sah er sich zuhause am Fernseher an.

Seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier hatte Mandela abgesagt, nachdem seine Urenkelin bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Der Übergang in die profane Fußball-Wirklichkeit, auch wenn es die eines WM-Finales war, konnte unter diesen Umständen nur brüchig sein.

Die Spanier begannen mit der Startformation des 1:0-Halbfinalsieges gegen Deutschland. Bei den Holländern änderte Bert van Marwijk seine Anfangself gegenüber dem 3:2-Sieg gegen Uruguay auf zwei Positionen. Für den Stuttgarter Boulahrouz und Demy de Zeuw (Ajax Amsterdam) begannen dessen Klubkamerad Gregory van der Wiel und Nigel de Jong (Manchester City). Spanien erwischte den besseren Start.

Torhüter Stekelenburg schon

nach vier Minuten gefordert

Nach vier Minuten musste sich Hollands Torhüter Stekelenburg mächtig strecken, um einen Ramos-Kopfball noch von der Torlinie zu fischen. Die Holländer waren mit der deutschen Taktik angetreten. In der Defensive Ordnung halten und den Spaniern keinen Raum lassen. Das praktizierten die Oranjes mit Konsequenz und Härte. Insgesamt fünf Gelbe Karten nach nur 25 Minuten spiegelten den verbissenen Einsatz auf beiden Seiten wider - wobei das Gelb für Mark van Bommel und Nigel de Jong gerne auch hätte Rot sein dürfen.

Die Spanier zeigten sich von Hollands Härte beeindruckt. Das Kombinationsspiel des Europameisters lief auf deutlich niedrigeren Touren als zuletzt. Arjen Robbens Drohung "lieber ein hässliches Spiel und gewinnen als dass wir schön spielen und am Ende verlieren", hatte sich der Partie bemächtigt. Auch nach der Pause verteidigte Holland, von einigen Ausflügen abgesehen, weiter mit Härte das 0:0, während Spanien sich wenigstens ansatzweise um ein Tor bemühte. Schön anzusehen war das nicht. Kaum lief der Ball über ein paar Stationen, unterbrach wieder ein Foul den Spielfluss. Trotzdem kamen die Holländer der Führung zunächst näher, als ein Heitinga-Kopfball knapp am Pfosten vorbeistrich. Noch näher war ihr Arjen Robben. Als die spanische Viererkette in Tiefschlaf gefallen war, lief Robben allein auf Torhüter Casillas zu, ohne den Ball allerdings im Tor unterzubringen. Das Spiel löste sich jetzt zeitweise von seinen Fesseln, bot nun vieles von dem, was es vorher hatte vermissen lassen. Eine Entwicklung, von der die Spanier stärker profitierten als die Holländer. Der Europameister hatte nun mehrere Gelegenheiten, das Finale zu entscheiden. Die beste vergab Sergio Ramos mit einem Kopfball über die Latte. Auf der anderen Seite endete ein weiteres Robben-Solo am verteidigenden Carles Puyol.

Auch die Verlängerung brachte nichts Neues. Spanien drängte auf die Entscheidung, Holland versuchte sie zu verhindern. Das ist mit viel Glück und erstaunlicher spanischer Leichtfertigkeit im Umgang mit Torchancen gelungen und fand ab der 109. Minute in Unterzahl statt. Heitinga hatte Gelb-Rot gesehen. Das war dann zu viel. Als der Ball in der 116. Minute bei Iniesta landete, erzielte der Mittelfeldspieler vom FC Barcelona den entscheidenden Treffer.

Der WM-Pokal gehört nun für vier Jahre den Iberern. Die Sache wäre übrigens beinahe schiefgelaufen, weil kurz vor dem Anpfiff ein Zuschauer aufs Spielfeld gesprintet war, um sich den WM-Pokal zu schnappen, den Italiens Weltmeister Fabio Cannavaro dort feierlich aufgestellt hatte. Der Trophäensammler verpasste sein Ziel nur knapp.

Den Holländern, die zum ersten Mal nach 25 Partien wieder verloren haben und nach dem Schlusspfiff erbost den Schiedsrichter beschimpften, mag die Botschaft Trost spenden, der des nächsten WM-Gastgebers über die Videowand verkünden ließ: "See you in Brazil 2014". Von Anton Schwankhart

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